LUZERN: Die Frauenfrage rückt jetzt ins Zentrum

Ein Komitee wirbt mit einem Podium für die Regierungsratskandidatur von Felicitas Zopfi auch wenn nicht alle Gastgeberinnen hinter der SP-Frau stehen.

Alexander von Däniken
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Sie treten für die beiden freien Sitze im Regierungsrat an: Martin Schwerzmann, Felicitas Zopfi und Paul Winiker. (Bild: Archiv Neue LZ)

Sie treten für die beiden freien Sitze im Regierungsrat an: Martin Schwerzmann, Felicitas Zopfi und Paul Winiker. (Bild: Archiv Neue LZ)

Alexander von Däniken

«Nicht ohne uns!»: Unter diesem Titel organisiert ein überparteiliches Frauenkomitee ein Podiumsgespräch, um für die Wahl von Felicitas Zopfi (SP) in den Luzerner Regierungsrat zu werben. Der Anlass findet am kommenden Dienstag um 18 Uhr im Luzerner Kantonsratssaal statt. Für die ersten 120 angemeldeten Frauen sei im Saal ein Platz reserviert. Alle weiteren Gäste dann auch Männer – können auf der Tribüne Platz nehmen.

Alle Parteien ausser der SVP

In der Medienmitteilung werden als Gastgeberinnen aufgeführt: Franziska Bitzi Staub, CVP-Fraktionschefin im Grossen Stadtrat, GLP-Kantonsrätin Michele Graber, die abgewählte SP-Kantonsrätin Priska Lorenz, Grüne-Präsidentin Katharina Meile und FDP-Grossstadträtin Laura Grüter Bachmann.

Das Podiumsgespräch bestreiten werden Felicitas Zopfi, Filmemacherin Ursula Brunner, Theologin Li Hangartner und Rechtsanwältin Christine Zemp Gsponer.

Grüter: Lieber Zopfi als keine Frau

Vor allem aber Laura Grüters Engagement überrascht. Denn die kantonale FDP hat für die verbleibenden zwei Plätze im zweiten Wahlgang vom 10. Mai nicht Zopfi, sondern den bisherigen Parteilosen Marcel Schwerzmann und SVP-Kandidat Paul Winiker zur Wahl empfohlen. Schon vor der Nominationsversammlung hat Karin Ruckli, Präsidentin der FDP-Frauen, gegenüber unserer Zeitung erklärt: «Es ist bei uns kein Thema, Felicitas Zopfi zu unterstützen. Dafür ist sie nicht in der richtigen Partei.»

Laura Grüter weicht also von der Parteilinie ab. Sie relativiert auf Anfrage: «Das ist meine rein persönliche Haltung. Ich organisiere den Anlass nicht, stehe aber mit meinem Namen dafür ein. Das heisst nicht, dass ich Felicitas Zopfi als SP-Kandidatin unterstütze.» Auf Nachfrage präzisiert sie, dass sie zwar eine andere Kandidatur der SP bevorzugt hätte, aber keine reine Männerregierung haben wolle: «Ich möchte eine Frau im Regierungsrat. Wenn Felicitas Zopfi die einzige Kandidatin dafür ist, dann ist das so.»

Auch die städtische CVP-Fraktionschefin Franziska Bitzi will eine rein männliche Regierung verhindern. Sie engagiert sich aber nicht nur deswegen für den Anlass: «Ebenso wichtig ist, dass Konkordanz hergestellt wird, wozu die SP-Vertretung zwingend gehört.» Zudem habe Felicitas Zopfi im ersten Wahlgang im Wahlkreis Luzern-Stadt auch am meisten Stimmen geholt, weshalb es wichtig sei, dass mit ihr auch eine Vertreterin der Stadt in der Regierung sei. «Der Stadt-Land-Graben soll nicht weiter vertieft werden.» Zu den Vorteilen eines Gremiums mit Männern und Frauen gebe es diverse Studien. Zum Beispiel würden Frauen andere Prioritäten setzen und vorsichtiger mit finanziellen Risiken umgehen als Männer.

«Anlass von Frauen für Frauen»

Organisiert wird «Nicht ohne uns!» von einer Gruppe um die alt SP-Grossstadträtin Gaby Schmidt. «Es ist in erster Linie ein Anlass von Frauen für Frauen. Und nicht ein Parteianlass», erklärt Schmidt. Es gehe darum, das Szenario aufzuzeigen, dass sich die Regierung künftig nur aus Männern zusammensetzen könnte. Bis gestern sind etwas über 100 Anmeldungen eingegangen.

Könnte der Wahlkampf­anlass von und für Frauen nicht auch als Frauenquote-Propaganda missverstanden werden? «Diese Gefahr sehe ich auch», sagt FDP-Grossstadträtin Grüter. «Ich hoffe, beim Podium wird das auch thematisiert.» Für Gaby Schmidt wiederum stellt sich dieses Problem nicht: «Felicitas Zopfi ist keine Quotenfrau. Sie hat aus dem ersten Wahlgang eine gute Ausgangslage und bringt alle Qualitäten mit.» Übrigens wäre Schmidt mit einer reinen Frauenregierung ebenso wenig einverstanden, wie sie betont.

«Es geht nicht um meine Person»

Felicitas Zopfi ihrerseits betont: «Es geht nicht nur um meine Person. Vielmehr geht es beim Anlass um den Frauenanteil in Entscheidungsgremien wie dem Regierungsrat.» Die viel diskutierte Frauenquote könne dabei nicht als Argument herhalten. Entweder gebe es ab dem 10. Mai mit ihr eine Frau in der Regierung oder keine.

Hinweis

Die Podiumsveranstaltung «Nicht ohne uns!» findet statt am 21. April, 18 Uhr, im Kantonsratssaal des Regierungsgebäudes an der Bahnhofstrasse 15 in Luzern. Anmeldungen unter der E-Mail-Adresse nichtohneuns@bluewin.ch.