LUZERN: «Die Fronten sind verhärtet»

Kunst-Blogger Roger Levy will der neue Präsident der Kunstgesellschaft Luzern werden. Er verrät, wie er die «verkrusteten Strukturen» des Vereins durchbrechen will.

Lena Berger
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Kunst-Blogger Roger Levy. Das Bild wurde aufgenommen in einer Ausstellung an der Hochschule Luzern – Design & Kunst am letzten Donnerstag. (Bild Nadia Schärli)

Kunst-Blogger Roger Levy. Das Bild wurde aufgenommen in einer Ausstellung an der Hochschule Luzern – Design & Kunst am letzten Donnerstag. (Bild Nadia Schärli)

Es brodelt in der Kunstgesellschaft Luzern. Der Trägerverein des Kunstmuseums hat keinen Präsidenten mehr, nachdem Kurt Bieder im April – wegen Differenzen mit Museumsdirektorin Fanni Fetzer – überraschend nach sechs Monaten Amtszeit seinen Rücktritt erklärte. An der letzten Generalversammlung wurde die Wahl eines Nachfolgers in den Herbst vertagt. Vorstandsmitglied Marco Meier führt den Verein seither interimistisch.

Ein wilder Kandidat

Nicht abgestimmt wurde an der Generalversammlung am 16. Mai über die Kandidatur des Kunstschaffenden Roger Levy (62). Er wurde eine Woche vor der Versammlung von zehn Mitgliedern der Kunstversammlung als Präsident vorgeschlagen. «Ich kandidiere, um die verkrusteten Strukturen der Kunstgesellschaft aufzulösen», sagte er damals unserer Zeitung. «Ich war der Erste, der sich als Mitarbeiter von Fanni Fetzer getrennt hat», erklärt er nun im Gespräch. Ihr Vorgänger Peter Fischer habe ihn damit beauftragt, die Ausstellungen und Anlässe des Kunstmuseums auf seinem Internetblog Kulturtv.ch zu begleiten. «Die Idee war, dass Interessierte aus aller Welt das Geschehen am Kunstmuseum mitverfolgen können – über Interviews, Kritiken und kurze Videos.» Im Dezember 2011 habe ihm Fetzer jedoch eröffnet, dass das Kunstmuseum ihn für seine Arbeit nicht mehr bezahlen könne. «Ich habe mich daraufhin bereit erklärt, den Blog kostenlos weiterzuführen, musste aber bald feststellen, dass die Direktorin null Interesse an den neuen Medien hat.» Ihr Fokus liege darauf, in den traditionellen Fachzeitschriften zu erscheinen.

Mehrere Kündigungen

Die Leute, die Levy als Präsident vorgeschlagen haben, kennen ihn von seiner Arbeit als Blogger. «Ein Teil sind Mitarbeiter des Kunstmuseums. Ich habe eng mit ihnen zusammengearbeitet und so mitbekommen, wie sich die Fronten im Team immer mehr verhärteten.» Er sei angefragt worden, weil er ein Aussenstehender sei, der gleichzeitig die Situation am Museum sehr gut kenne. Gemäss Levy kam es unter Fanni Fetzer nicht nur zu den beiden bekannten Kündigungen von Sammlungskonservator Christoph Lichtin und Finanzleiter Reto Inäbnit. Es hätten insgesamt mehr als acht Leute den Dienst quittiert. «Keiner ist gerne gegangen. Das sind alles Leute, die ihre Arbeit lieben – die angespannte Arbeitssituation, die Art und den Umgang von Fetzer aber nicht mehr ertragen konnten. Sie interessiert sich für die Kunst an sich – nicht aber fürs Personal.»

«Bieder hat Problem erkannt»

Levy sagt, er sei überrascht gewesen, wie deutlich der ehemalige Präsident Kurt Bieder an der letzten Generalversammlung wurde. «Bieder wurde bei seiner Wahl zwar von Teilen der Kunstszene abgelehnt. Aber das elementare Problem im Team des Kunstmuseums hat er erkannt und angehen wollen. Nur wurde er dabei vom Vorstand blockiert.» Mehrere Mitarbeiter hätten sich in ihrer schwierigen Situation schriftlich an den Vorstand gewandt. Dieser sei aber nicht aktiv geworden. Auch an der Generalversammlung seien viele Fragen der Mitglieder der Kunstgesellschaft unbeantwortet geblieben. «Ich glaube, wäre es zur Abstimmung gekommen, hätte ich ein überraschend gutes Resultat gemacht – auch wenn ich mir nicht vormache, dass ich ohne Wahlkampf tatsächlich gewählt worden wäre.»

«Es braucht mehr Transparenz»

Ist Levys Kandidatur als Kampfansage an die Museumsdirektorin und den Vorstand der Kunstgesellschaft zu verstehen? Levy verneint: «Ich sehe mich nicht als Gegner von Fanni Fetzer. Ich bin überzeugt, dass sie qualifiziert ist und das Kunstmuseum mit ihr eine Zukunft hat.» Wie also soll es weitergehen? «Mit einer Umstrukturierung. Die Mitarbeiter brauchen eine Ansprechperson, die sie über aktuelle Entwicklungen offen informiert.» Um das Kunstmuseum zu führen, brauche es wirtschaftliches und unternehmerisches Denken. «Dazu gehört auch, dass sich die Direktion für ihre Mitarbeiter verantwortlich fühlt. Alleingänge darf es nicht mehr geben.» Vielmehr würde er externe Berater ausserhalb des Vorstandes beiziehen, um die Probleme zu lösen. Auch solle das Kunstmuseum vermehrt neue Medien nutzen. «Es muss sich im Netz attraktiv verkaufen und so eine Nähe zu Leuten schaffen, die sonst mit dem Kunstmuseum nichts zu tun haben.» Gleichzeitig müsse das bestehende Publikum gepflegt werden.

Dozent an der Hochschule

Bis zu seiner Kandidaturbekanntgabe war Levy nicht Mitglied der Kunstgesellschaft Luzern – er ist eben erst beigetreten. Levy arbeitet neben seinem Blog als freier Dozent an der Hochschule Luzern – Design und Kunst. Er ist spezialisiert auf transmediale Kunst und lehrt Studierende, wie sie im Netz Audio-, Video- und Textinhalte spannend gestalten und kombinieren können.

Ursprünglich hat Levy eine Ausbildung zum Buchhalter gemacht und in Zürich ein eigenes Geschäft geführt. Nachdem er dieses verkauft hatte, orientierte er sich beruflich um. Er eröffnete an der Bruchstrasse in Luzern einen Laden für Anthroposophische Pädagogik und später einen Laden für Naturprodukte in der Furrengasse. Daneben setzte er sich immer mit Kunst auseinander – insbesondere mit Film und Fotografie. Levy ist Vater von sechs Kindern.