LUZERN: «Die JCVP denkt grosszügiger und toleranter als die CVP»

Die Gründung der CVP-Jungpartei sei echte Knochenarbeit gewesen, sagt Karin Stadelmann (30). Als Lohn dafür wünscht sie sich das Bildungsdepartement.

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Welches ist die Lieblingsbeiz der Stadtratskandidaten? Karin Stadelmann wählte für das Fotoshooting das Café de Ville am Schwanenplatz, weil dessen Kundschaft so vielfältig sei. (Bild Nadia Schärli)

Welches ist die Lieblingsbeiz der Stadtratskandidaten? Karin Stadelmann wählte für das Fotoshooting das Café de Ville am Schwanenplatz, weil dessen Kundschaft so vielfältig sei. (Bild Nadia Schärli)

Die JCVP denkt gesellschaftspolitisch grosszügiger und toleranter. Unsere aktuellen Schwerpunkte liegen bei Themen wie bezahlbare Wohnungen für Junge und flexible Ladenöffnungszeiten.

Im Café de Ville am Schwanenplatz, wo wir Karin Stadelmann (JCVP) treffen, ist schon morgens um neun viel Betrieb. «Hier treffen sich die unterschiedlichsten Leute, und man kann jederzeit herkommen, ob am Morgen früh zum Zeitunglesen, mittags oder spät nachmittags zum Essen.» Deshalb gefalle ihr das Restaurant so gut, sagt Karin Stadelmann. Sie selbst gehe meistens am Samstag nach dem Marktbesuch ins Café de Ville.

Mit ihren 30 Jahren gehört Stadelmann zu den vier jungen Stadtratskandidaten. Doch wer sie trifft, stellt bald fest: Diese Frau steht mit beiden Beinen auf dem Boden und mitten im Leben. Das wird spätestens klar, wenn man sie auf ihre Wahlchancen anspricht. «Ich kandidiere nicht ‹just for fun›», betont Stadelmann. «Wer mich kennt, weiss: Wenn ich etwas mache, dann mit Herzblut.» Die Tatsache, dass sie mit dem Stadtpräsidenten Stefan Roth auf einem Plakat abgebildet ist und sowohl JCVP als auch Mutterpartei hinter ihrer Kandidatur stehen, sei sehr ermutigend. «Ich will etwas erreichen – für mich und für die JCVP», erklärt sie.

«Herausfinden, wo der Schuh drückt»

Karin Stadelmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Soziale Arbeit am Institut für Sozialpädagogik und Bildung. Da ist ihr Wunschdepartement nicht schwer zu erraten: «Das Bildungsdepartement», so Stadelmann, «aber auch fürs Sozialdepartement würde ich viel Hintergrundwissen mitbringen.» Und was will sie tun, wenn sie dieses Ziel tatsächlich erreicht? «Ich würde mir in den ersten Wochen mehrere Stunden reservieren, um mit den Leuten zu reden – mit der Verwaltung, mit Lehrpersonen, aber auch mit Eltern – um herauszufinden, wo im Bildungsbereich der Schuh drückt.» Hier siedelt Stadelmann auch ihren Fokus an, wenn es um Familienpolitik geht. «Ich engagiere mich für gute Rahmenbedingungen zur Verbindung von Familie und Arbeit, beispielsweise für den Ausbau von Tagesstrukturen.» Wichtig sei aber, dass sich wirtschaftlich tragfähige und finanzierbare Lösungen fänden.

Neben sozialen Themen interessiert sich die gebürtige Stadtluzernerin auch für eine lebendige Innenstadt und einen Branchenmix. «Die Innenstadt – dazu gehören für mich Alt- und Neustadt – muss für Luzerner und Touristen vielfältiger werden.»

Und welche Rolle spielt für Karin Stadelmann das «C» in CVP? «Das C steht für Chancenvielfalt», sagt sie zunächst. Und dann ergänzt sie: «Das Christliche hat weniger mit Religion zu tun als vielmehr mit gesellschaftlichen Werten und deren Erhalt.»

Kaum ein Jahr Parteierfahrung

Auf dem politischen Parkett bewegt sich Karin Stadelmann noch nicht besonders lange. Vor einem Jahr trat sie für die CVP bei den Kantonsratswahlen an. Davor war sie keiner Partei zugehörig. Doch der damalige Wahlkampf hat sie motiviert, sodass sie sich für die Neugründung der JCVP Stadt Luzern im vergangenen Dezember engagierte. «Die Parteigründung war echte Knochenarbeit und hat viel Freizeit in Anspruch genommen. Aber es hat sich gelohnt», sagt Stadelmann stolz. Ein halbes Jahr nach der Gründung tritt die Jungpartei mit eigener Liste und sechs Kandidaten bei den Grossstadtratswahlen an.

Fernziel: Nationalrätin

«Wenn auch nicht politisch, so war ich doch schon immer engagiert und habe mich für öffentliche Anliegen eingesetzt», sagt Stadelmann über sich selbst. Das Engagement habe sich entwickelt, als sie mit 16 Jahren die Organisation des Klassenlagers in die Hand genommen habe. «Die Lehrer sagten zu uns: ‹Ihr könnt ins Klassenlager fahren, aber ihr müsst es selbst organisieren und folgende Bedingungen einhalten ...› Die Herausforderung hat mich angespornt.»

Was ihre persönlichen politischen Ziele betrifft, ist Karin Stadelmann ambitioniert. «Irgendwann, wenn alle wichtigen Faktoren mitspielen, möchte ich in den Nationalrat.» Dieses Ziel ist aber noch weit weg. Derzeit beschäftige sie sich vor allem mit der neuen Aufgabe als Parteipräsidentin. Und: «Jetzt will ich erst mal Stadträtin werden.»

Beatrice Vogel

Drei Fragen an Karin Stadelmann

Sie möchten junge Leute zum Abstimmen bewegen. Wie?

Politiker können Junge zum Wählen bewegen, indem sie mit ihnen interagieren und Präsenz zeigen. Zum Beispiel mit einem Schulbesuch oder mit sozialem Engagement.

Warum braucht es zwei CVP-Stadträte?

Es sind nicht zwei: Ich trete für die JCVP an, Stefan Roth für die CVP. Eine starke Mitte ist wichtig für das politische Gleichgewicht.

Gibt es denn einen Unterschied zwischen JCVP und CVP?

Hilfe beim Wählen

Elf Personen wollen am 1. Mai in den Luzerner Stadtrat gewählt werden. Drei kandidieren auch für das Stadtpräsidium. Welcher Kandidat passt am besten zu Ihnen? Antwort auf diese Frage gibt es auf unserer Online-Wahlhilfe. Wir stellen sämtliche elf Kandidaten in der Zeitung vor. Alle
bisher erschienenen Beiträge finden Sie ebenfalls online.

Am 11. April organisiert unsere Zeitung ein Wahlpodium mit allen elf Kandidaten (18.30 Uhr im Hotel Schweizerhof, Eintritt frei).

www.luzernerzeitung.ch/wahlhilfe
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