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LUZERN: Die Krux mit dem Edelweiss

Am Eidgenössischen sind sie heute Trumpf: Doch wie viel Schweiz steckt wirklich in den Edelweisshemden? Ziemlich wenig, sagt ein Willisauer Hersteller.
Christian Hodel
Roland Dobler begutachtet in seinem Geschäft in Willisau die Edelweisshemden, die seine Firma seit einigen Jahren in Portugal herstellen lässt. (Bild: Pius Amein / Neue LZ)

Roland Dobler begutachtet in seinem Geschäft in Willisau die Edelweisshemden, die seine Firma seit einigen Jahren in Portugal herstellen lässt. (Bild: Pius Amein / Neue LZ)

Was musste es in den vergangenen Monaten alles durchmachen: In Gossau wurde es jüngst aus dem Klassenzimmer verbannt – offenbar, nachdem es zu Spannungen zwischen ausländischen und schweizerischen Schülern gekommen ist. Und in diesen Tagen, anlässlich seines wohl grössten Auftritts – am Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer – sorgte es wieder für Schlagzeilen. Dieses Mal, weil Discounter mit günstigen Kopien aus Asien deftig Kasse machen. Das Edelweisshemd – neben dem Cervelat für viele ein nationales Symbol – ist wieder in aller Munde. Und wie mit der Schweizer Nationalwurst, deren aus Rinderdärmen gefertigte Hülle aus Brasilien stammt, verhält es sich auch mit dem Edelweissstoff: Nicht überall, wo mit «Made in Switzerland» geworben wird, ist auch ausschliesslich Swissness drin.

Stoff kommt aus dem Ausland

«Gewoben wird der Stoff für die meisten Edelweisshemden schon lange nicht mehr in der Schweiz», sagt Roland Dobler (39). «Meines Wissens gibt es keine solche Weberei mehr in der Schweiz.» Seit 1946 führt Doblers Familie das gleichnamige Textilunternehmen. Beinahe gleich lange stehen Edelweisshemden in den Regalen des Willisauer Betriebs, der sich auf die Herstellung von Berufskleidern spezialisiert hat, und vor allem Bau- und Industriebetriebe, Landwirte, Handwerker oder die Gesundheitsbranche beliefert. «Mein Grossvater begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Herstellung von Stallblusen für Landwirte, später kam dann das Edelweisshemd als Ergänzung für die eher ländliche Kundschaft ins Sortiment.» Jahrzehntelang wurden die «Hemmli» in Willisau gefertigt. Heute sei es in seinem Betrieb ein Nebenprodukt, sagt Dobler. Genäht wird es mittlerweile – wie bei den meisten anderen Anbietern – im Ausland. Ein Ramschprodukt sei es deswegen nicht. «Wir lassen die aus hochwertigem Stoff gefertigten Hemden in einem Familienbetrieb in Portugal herstellen. Das Gewebe wird nach genau definierten Vorgaben gewoben und veredelt.» Der Betrieb, wie auch das ganze Land, habe Tradition in der Fertigung von Textilien, sagt Dobler weiter und fügt an: «Unser Produkt wird in Europa hergestellt – und dazu stehen wir.»

Eine Frage des Preisdrucks

Andere Anbieter würden mit solchen Produktdeklarationen etwas freizügiger umgehen. «Für uns kommt das nicht in Frage.» Diese Ehrlichkeit werde auch von den Kunden geschätzt: «Wir sind zufrieden mit dem Verkauf der Hemden», sagt Dobler, ohne konkrete Zahlen zu nennen. «Es gibt viele, die bereit sind, für ein gutes Produkt etwas mehr Geld auszugeben.» Dobler, der in dritter Generation das Unternehmen mit sieben Angestellten führt, ist sich sicher: «Qualitätsprodukte werden sich auf Zeit immer durchsetzen.» Asien oder Südamerika, wo etwa grosse Discounter ihre Hemden fertigen lassen, komme für sein Unternehmen nicht in Frage. Die Gründe, dass das Willisauer Unternehmen aber dennoch im nahen Ausland produzieren lässt, sind einfach: Es ist eine Frage der Kapazität – und des Preisdrucks. Ein Edelweisshemd bei der Dobler Willisau AG kostet zwischen 50 und 60 Franken. «Würden wir es in Willisau nähen, müsste ich sicherlich 10 bis 20 Franken mehr verlangen.» Zum Vergleich: Ein Hemd bei bekannten Discountern – genäht in Südamerika oder Asien – gibt es für rund 20 Franken. Dass immer mehr Billigprodukte auf den Markt drängen, spürt das Unternehmen. Dobler sagt: Trotz des andauernden Booms mit Edelweissartikeln sei der Markt beschränkt. Das Edelweisshemd werde vorwiegend in der Deutschschweiz getragen. Kommt hinzu: «Nur die wenigsten Kunden ziehen ein solches Hemd täglich an. Wer einmal eines besitzt, kauft nicht alle paar Monate wieder ein neues.» Ausnahmen sind wohl die Schwinger, die in Estavayer heute ihren König küren. Am Eidgenössischen mit dabei sind auch Hemden von Dobler. So wird etwa der lokale Nachwuchsschwinger Joel Ambühl von der Willisauer Firma unterstützt.

Christian Hodel

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