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LUZERN: «Die Leute schrien so laut, dass wir es auch im Lido hörten»

In extremer Schräglage hängt der Hiflyer in der Luft, sackt plötzlich in die Tiefe, gewinnt dann wieder rasant an Höhe. Der Ballon touchiert das Museumsdach, spickt von diesem wie ein Gummiball nach rechts, gerät erneut in Schräglage. Ein Mensch fällt aus 10, vielleicht 20 Metern Höhe aus dem Korb, prallt auf das Museumsdach. Ein Kind kreischt.
Christoph Reichmuth
Der Luzerner Fesselballon nach dem Unglück von 2004. (Bild: Archiv Neue Luzerner Zeitung)

Der Luzerner Fesselballon nach dem Unglück von 2004. (Bild: Archiv Neue Luzerner Zeitung)

Dramatische Momente, die auf dem Videofilm von Ihud Awnir zu sehen sind. Der israelische Tourist hat die turbulenten Minuten bis hin zur Tragödie mitgefilmt. «Zuerst glaubte ich, dass diese Wirbel inszeniert sind. Meine drei Kinder hatten Spass daran, sagten, ich solle das auf Video aufnehmen.»

Doch Familienvater Ihud hat schnell bemerkt, dass hier etwas nicht in Ordnung ist: «Teile flogen durch die Luft. Da erst realisierte ich, dass sich hier eine Katastrophe anbahnt.» Ihud filmte weiter, hielt seine Kamera erst vom Geschehen weg, nachdem es zum tödlichen Unglück gekommen war. Schlimme Momente hatten Angehörige der indischen Reisegruppe zu überstehen. Hilflos mussten sie vom Boden aus mit ansehen, wie ihre 23 indischen Freunde im Hiflyer regelrecht durch die Luft gewirbelt worden sind.

«Ich war skeptisch»

In zwei Gruppen haben sich die 44 Reisenden aufgeteilt, weil der Hiflyer nur Platz für 25 Passagiere bietet. Wenige Minuten vor der Katastrophe war auch Ramsan im Ballon. Schon bei diesem Flug habe der Wind gegen den Ballon gedrückt, sei der Korb leicht umhergeschwankt. Sorgen habe er sich gemacht, als seine Freunde den Ballon zum zweiten Flug bestiegen. «Das Wetter war im Umschwung. Ich war skeptisch, doch der Ballonfahrer meinte, es gehe schon», erzählt Ramsan.

Noch während des Irrflugs des Hiflyers werden Ramsan und die anderen Gruppenmitglieder aus dem Museum geführt und vor den Haupteingang hinter eine Abschrankung gebracht. Auch eine Stunde nach dem Unglück ahnen die indischen Touristen noch nichts von den tödlichen Verletzungen ihrer Bekannten, stehen völlig im Ungewissen vor dem Verkehrshaus, von wo sie heranbrausende Krankenwagen beobachten und Sanitäter sehen, die eiligen Schrittes in das Gebäude treten. «What’s happened with our friends?», wie geht es unseren Freunden, fragt eine Inderin aufgebracht einen Polizeibeamten. «Wir können noch keine Angaben machen», antwortet dieser und entschwindet hinter einem Dienstfahrzeug.

Wenige Augenblicke später wird ih- nen die traurige Botschaft übermittelt, brauchen Ramsan und seine Freunde die Hilfe von Psychologen und die Betreuung des Care-Teams.

«Dann herrschte plötzlich Stille»

Viele Augenzeugen wollen gesehen haben, dass die Sturmvorwarnung beim Lidosteg bereits Signale aussandte, als der Ballon noch Fluggäste beförderte. So auch Verena Regez aus Interlaken, die mit ihren zwei Töchtern für einen Tagesbesuch auf der nahen Lidowiese weilte. Sie berichtet von einem «heftigen Wind, der wie auf Knopfdruck plötzlich aufgekommen ist». Danach habe sie bemerkt, wie der Hiflyer «extrem hin und her schwankte. Ab und zu sah ich den Ballon gar nicht mehr, er wurde hinter die Gebäude gedrückt, so stark wogte er hin und her.» Rund eine Viertelstunde sei der Ballon völlig ausser Kontrolle durch die Luft gewirbelt. «Die Leute im Ballon schrien so laut, dass wir es auch im Lido hörten. Dann herrschte plötzlich Stille.»

Wie der Hiflyer am Museumsdach anstiess, heftig an Höhe verlor, wie Teile vom Ballon herausbrachen und zu Boden stürzten, hat ein anderer Augenzeuge beobachtet. «Ich habe zwei Flugpassagiere gesehen. Die haben wie wild geschrien. Es sah gefürchig aus.» Auch Museumsbesucherin Vera Gyzel aus Holland beobachtete Fluggäste, die sich an den Seitengittern des Ballonkorbes regelrecht festgeklammert haben.

«Schon oft Sorgen gemacht»

Kaum war gestern die Unglücksmeldung durchgesickert, meldeten sich bereits Anwohner zu Wort. Roy Niedermann, der von seinem Haus in der Schlösslihalde aus den Flug des Hiflyers praktisch täglich beobachtet, spricht von einem «schockierenden Ereignis», schreckt aber nicht vor Kritik zurück: «Der Ballon ist manchmal auch bei teilweise heftigen Winden gestartet. Viele Anwohner haben sich schon oft Sorgen gemacht, haben befürchtet, dass es einmal zu einem Unfall kommen wird.»

Gestern Nachmittag , kurz nach halb drei, wurde diese Befürchtung zur traurigen Realität.

Christoph Reichmuth

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