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LUZERN: Die Liste der verborgenen archäologischen Schätze

Das kantonale Fundstelleninventar erfasst Gebiete, unter deren Boden sich möglicherweise Artefakte längst vergangener Tage befinden. Viele wollen freiwillig helfen – dürfen dies aber nur beschränkt.
Jessica Bamford
Auf den wertvollsten Fund stiessen die Archäologen in Gränichen AG erst ganz zum Schluss. Es handelte sich um eine Grube mit vielen zerbrochenen und verbrannten Gefässen. (Bild: Handout Kantonsarchäologie Aargau)

Auf den wertvollsten Fund stiessen die Archäologen in Gränichen AG erst ganz zum Schluss. Es handelte sich um eine Grube mit vielen zerbrochenen und verbrannten Gefässen. (Bild: Handout Kantonsarchäologie Aargau)

Jessica Bamford

jessica.bamford@luzernerzeitung.ch

Vor fast 2000 Jahren stand ein römischer Gutshof mitsamt Villa und Nebengebäuden auf dem Herrenberg in Ermensee. Das Gelände, womöglich mehrere tausend Quadratmeter gross, gibt auch heute noch antike Schätze frei: Neben Mauerfundamenten und römischen Münzen aus dem dritten und vierten Jahrhundert nach Christus kamen hochwertige Geschirrkeramiken und angeblich sogar Gräber zum Vorschein.

Bereits 1857 war bekannt, dass unter dem Herrenberg ein «römischer Schatz» liegt. Pläne davon wurden aber nie gemacht. Deshalb sind die genaue Lokalisierung und das Ausmass des landwirtschaftlichen Betriebes unklar, und es muss auf dem ganzen Herrenberg damit gerechnet werden, dass bei Bauvorhaben weitere historische Artefakte ans Licht kommen. Der Herrenberg in Ermensee ist dabei nur eine der 565 Fundstellen, die derzeit im kantonalen Fundstelleninventar eingetragen sind – die Erhebungen wurden, wie dem Kantonsblatt zu entnehmen ist, gerade abgeschlossen. Insgesamt sind rund 1,6 Prozent der Fläche des Kantons Luzern als archäologische Fundstelle markiert. Seit 2009 ist das Fundstelleninventar im Denkmalschutzgesetz verankert und zur Aufgabe der kantonalen Stelle geworden.

Seit 2010 werden Fundstellen überprüft

In einem ersten Schritt wurden die bislang kommunalen Schutzzonen als archäologische Fundstellen ins Inventar überführt. Seit 2010 werden nun sämtliche dieser teilweise sehr ungenauen oder überholten Fundstellen überprüft, neu bewertet und gemäss neustem Forschungsstand ergänzt. Bisher konnten die Fundstellen in 54 Gemeinden aktualisiert werden – bleiben noch 29. Das Projekt soll bis 2019 abgeschlossen sein und dann in kleinerem Stil weitergeführt werden. «Wir werden nie ganz fertig sein, da die Fundstellen ständig aktualisiert werden müssen», sagt Jasmin Gerig, Leiterin Fundstelleninventar. So werden etwa neu entdeckte Fundstellen ins Inventar eingetragen oder bereits untersuchte Flächen ausgeschieden.

Dass ein Grundstück wie in Ermensee im kantonalen Inventar eingetragen ist, bedeutet aber nicht, dass es nicht bebaut werden kann: Das Inventar ist ein Frühwarnsystem, um allfällige archäologische Massnahmen frühzeitig planen und ausführen zu können. So sollen Bauverzögerungen reduziert oder ganz vermieden werden. Das Fundstelleninventar ist mit zwei Teilzeitstellen dotiert.

Viele wollen mithelfen – doch die Ressourcen fehlen

Der Kriterienkatalog zur Begründung einer Fundstelle reicht von diversen Archivrecherchen bis hin zur Beurteilung der Topografie. Um zu entscheiden, ob ein verdächtiges Gebiet wirklich ausreichend als Fundstelle begründet werden kann, ist oft der Gang ins Gelände nötig. Diese Feldbegehungen werden vielfach von ehrenamtlichen Mitarbeitern durchgeführt, die das Fundstelleninventar ergänzen. Diese Begehungen, die immer ohne Bodeneingriffe erfolgen, werden entweder mit blossem Auge oder mithilfe von Metalldetektoren durchgeführt. Die grösste Schwierigkeit hierbei sei, dass man das Gelände oft schlecht begehen könne, erklärt Gerig.

Sie mahnt zudem: «Um Feldbegehungen zu machen, ist eine Bewilligung nötig. Diese geben wir nur spärlich und an uns bekannte Sucher ab, da der Aufwand sehr gross ist.» Gerade im letzten Jahr hätten die Anfragen von Archäologiebegeisterten stark zugenommen. «Das hat wahrscheinlich mit der hohen Präsenz in den Medien zu tun. «Leider können momentan keine neuen Genehmigungen erteilt werden», sagt Gerig. «Für die Betreuung zusätzlicher Ehrenamtlicher fehlen schlichtweg die Ressourcen.»

Auf zusätzliche Hilfe kann Gerig aber trotzdem zählen: Da der Kanton die Funde in der Regel nicht selbst wissenschaftlich analysiert und publiziert, nehmen sich oft Studierende dieser Aufgabe an.

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