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LUZERN: Die Matura bald im Sack – und dann?

Orientierungslos, planlos, hilflos? Nein, sagen Gymnasiasten. Maturanden wüssten, was sie wollten. Dennoch nehmen die meisten eine Auszeit – oft ungewollt.
Christian Hodel
Ihre Wünsche und Vorstellungen für ihre Zukunft stehen an der Wandtafel. Von links nach rechts: die angehenden Maturanden Laura Brügger, Jeremy Baranage, Michelle Woodtli, Serkan Mirzanli und Franziska Kaufmann. (Bild Dominik Wunderli)

Ihre Wünsche und Vorstellungen für ihre Zukunft stehen an der Wandtafel. Von links nach rechts: die angehenden Maturanden Laura Brügger, Jeremy Baranage, Michelle Woodtli, Serkan Mirzanli und Franziska Kaufmann. (Bild Dominik Wunderli)

Christian Hodel

Ein Ende ist immer auch ein Anfang. Und das kann Sorgen bereiten: Viele Maturaabgänger wirkten orientierungslos, berichten Lehrer, Eltern und Berufsberater in einer Umfrage aus Deutschland. «Das erleben wir auch», sagt Otto Vetter, Bereichsleiter Studienberatung der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern. Den Satz «Ich habe noch keine Ahnung, welches Studium ich machen soll» höre er immer wieder am Anfang eines Gesprächs.

«Natürlich haben wir Angst»

Respekt vor der Zukunft und Zweifel, ob man den richtigen Weg einschlägt – von solchen Gefühlen berichten auch die Schüler der Klasse G4a des Kurzzeitgymnasiums Musegg Luzern. In wenigen Wochen machen sie ihre Matura, insgesamt legen im Kanton Luzern rund 960 Gymnasiasten die Prüfungen ab. Und dann? «Natürlich haben wir ein bisschen Angst vor dem, was kommt», sagt eine Schülerin an diesem Mittwochmorgen im Klassenzimmer. 17 Schüler sind heute anwesend – gerade mal drei haben sich für ein Studium angemeldet. Die Frist dafür ist an den meisten Schweizer Universitäten und Hochschulen gestern verstrichen: Kommt nach den Prüfungen also das grosse Nichts?

Zwischenjahr fürs Studium nötig

Nein, ist sich die Klasse sicher. «Die meisten von uns haben Ziele vor Augen», sagt Michelle Woodtli (19) aus Luzern. Vielleicht liege es daran, dass sie und ihre Kollegen «sich nach der Sekundarschule bewusst für das Kurzzeitgymnasium» entschieden hätten – und nicht schon nach der 6. Primarklasse ans Langzeitgymi wechselten. Sie habe schon immer an der Pädagogischen Hochschule studieren wollen. Doch dazu braucht sie nicht nur die Matura, sondern auch Sprachdiplome. «Ich mache gezwungenermassen ein Zwischenjahr, um die Fremdsprachen noch besser zu lernen.»

Mit ihren Plänen steht Woodtli nicht alleine da. Rund zwei Drittel der Luzerner Maturi gönnen sich eine Auszeit. In Michelle Woodtlis Klasse sind es gar 14 von den 17 anwesenden Schülern. Also herumhängen und im Zwischenjahr ziel- und planlos auf Kosten der Eltern dem Leben frönen? Das tun sie laut eigenen Angaben nicht. Die Mehrheit der Gymnasiasten denke vorausschauend, sagt Franziska Kaufmann (19) aus Sempach. Sie zum Beispiel wolle Journalismus studieren. Dazu braucht es ein Praktikum – und damit ein Zwischenjahr.

Ihr gegenüber sitzen Jeremy Baranage (18) aus Luzern und Serkan Mirzanli (19) aus Neuenkirch. Auch sie legen eine Pause ein – der Militärdienst ruft. Danach wollen sie studieren.

Die Qual der Wahl

Mirzanli möchte Maschinenbauingenieur werden. Baranage will sich für Wirtschaftschemie einschreiben. «Eine Lehrerin hat mir von diesem Studiengang erzählt, also habe ich mich informiert.» Dies sei allerdings nicht ein leichtes Unterfangen gewesen. Denn Informationen zu beschaffen braucht Zeit, die die Gymnasiasten während der Ausbildung nicht immer haben. Man konzentriere sich lieber auf die anstehende Prüfung, als stundenlang im Internet nach dem richtigen Studiengang zu suchen, sagt eine Schülerin an diesem Morgen.

Wie das Internet scheinen auch die Angebote für Maturanden ins Unendliche zu driften. Über 1200 universitäre Studiengänge gibt es in der Schweiz – 500 mehr als noch vor zehn Jahren. Hinzu kommen Hunderte Angebote von Fachhochschulen. Die Fülle der Optionen verwirrt viele Schüler. Ein Indiz dafür ist die steigende Nachfrage der Maturanden nach Einordnung. Die Besuche im Beratungs- und Informationszentrum für Bildung und Beruf (BIZ) in Luzern haben laut Studienberater Otto Vetter «im vergangenen Jahr deutlich zugenommen». 535 Personen kamen in die Studienberatung, davon zwei Drittel vor und ein Drittel nach der Matura. Das Bedürfnis nach Begleitung und Unterstützung sei durch die Fülle der Optionen und Informationsmöglichkeiten grösser geworden, sagt Vetter. Dennoch: Das Gros der Luzerner Maturanden findet – wenn auch mit Verzögerung – den Anschluss ans Studium. Ein Jahr nach Abschluss der gymnasialen Maturität sind gut 70 Prozent an eine universitäre Hochschule übergetreten. Weitere 7 Prozent studieren an einer Pädagogischen Hochschule und 10 Prozent an einer Fachhochschule.

Laura Brügger (20) aus Luzern hat ihre Pläne geschmiedet. Sie will nach der Matura direkt an die Uni. «Wenn ich den Numerus clausus bestehe, fange ich im Herbst mit dem Medizinstudium an.»

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