LUZERN: Die Neustadt ist das gefährlichste Pflaster

83 Raubüberfälle sind letztes Jahr im Kanton Luzern verübt worden. Nur jeder fünfte konnte aufgeklärt werden. Doch nicht nur das bereitet der Polizei Sorgen.

Lena Berger
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Relativ sicher, also auch relativ unsicher: Das Neustadtquartier verzeichnet am meisten Raubüberfälle. (Bild: Philip Schmidli / Neue LZ)

Relativ sicher, also auch relativ unsicher: Das Neustadtquartier verzeichnet am meisten Raubüberfälle. (Bild: Philip Schmidli / Neue LZ)

Lena Berger

«Ausnehmen», nennen sie es. Zu ihren Opfern machen sie mit Vorliebe das betrunkene Partyvolk, das an den Wochenenden zu später Stunde noch durch die Strassen zieht. «Die meist jungen Täter sind erfahrungsgemäss in immer wieder wechselnden Gruppen, zu zweit oder zu dritt, unterwegs, um Passanten zu überfallen», sagt Daniel Bussmann, Chef der Kriminalpolizei. Diese Woche hat er zusammen mit Kommandant Adi Achermann den Medien die Kriminalstatistik 2014 präsentiert (Ausgabe vom 27. März). Auf den ersten Blick scheint die Entwicklung im Bereich der Raubüberfälle erfreulich: Deren Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf 83 Fälle gesunken. «Allerdings müssen wir davon ausgehen, dass die Dunkelziffer hoch ist», gibt Bussmann zu bedenken. Offenbar erstatten viele der noch jungen Opfer nie Anzeige. «Einige der mutmasslichen Täter, die wir erwischt haben, gestanden Überfälle, von denen wir vorgängig nichts wussten und deren Opfer wir teils nicht mehr ausfindig machen konnten.»

Opfer liefern kaum Fährten

Raubdelikte im öffentlichen Raum bleiben für die Luzerner Polizei daher ein zentrales Thema. Vom Phänomen betroffen ist – entgegen ihrem Ruf – keineswegs primär die Baselstrasse. Dort wurden letztes Jahr nur vereinzelt Fälle registriert. Diesbezüglich ein gefährlicheres Pflaster ist die Neustadt, wo sich viele Ausgangslokale befinden (siehe Karte). «Den Passanten werden vorwiegend Bargeld und Mobiltelefone gewaltsam entwendet», sagt Bussmann. Von den insgesamt 83 Raubdelikten konnten lediglich 17 aufgeklärt werden (20,5 Prozent). Der Kripochef erklärt warum: «Die Ermittlungen werden oft dadurch erschwert, dass die Opfer aufgrund des eigenen Alkoholkonsums nur noch sehr dürftige Angaben über die Täter machen können.» In diesem Zusammenhang warnt Bussmann vor entsprechendem «Risikoverhalten». «Wenn man sich nachts betrunken in Ausgangszonen aufhält, erhöht sich die Gefahr, ausgeraubt zu werden deutlich.»

Erhebliche kriminelle Energie

Die tiefe Aufklärungsquote bereitet Bussmann aus einem bestimmten Grund Sorgen: «Für einen Raubüberfall braucht es eine erheblich grössere kriminelle Energie als bei Diebstählen. Da wäre es wichtig, genau hinzuschauen, warum die oft jugendlichen Täter diese aufbringen können.» Nicht selten lägen die Gründe in einer allgemeinen Perspektivenlosigkeit und dem problematischen Milieu, aus dem die Täter stammen. «Die erfolgreiche Strafverfolgung könnte es ermöglichen, eine solche Spirale zu durchbrechen.»