LUZERN: «Die Stadt Luzern lässt ihre Kulturbetriebe nicht hängen»

Die kantonalen Sparmassnahmen in der Kultur kommen bei den Stadtparlamentariern schlecht an. Der Rat bekennt sich zu den Kulturbetrieben – und ist bereit, mehr zu bezahlen, als man müsste.

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Blick auf das Luzerner Theater. (Archivbild Pius Amrein)

Blick auf das Luzerner Theater. (Archivbild Pius Amrein)

Der Poker um die Luzerner Kultursubventionen hat vorläufig ein Ende. Das Stadtparlament hat gestern einem Kompromiss mit dem Kanton zugestimmt. Dieser sieht Folgendes vor: Die Subventionen an Theater, Luzerner Sinfonieorchester (LSO), Lucerne Festival, Kunstmuseum und Verkehrshaus werden nicht wie geplant um jährlich 1,7 Millionen Franken gekürzt, sondern nur um 0,7 Millionen. Die Differenz von einer Million teilen sich Kanton und Stadt je hälftig.
Damit bezahlt die Stadt mehr, als sie müsste. Gemäss dem Verteilschlüssel muss der Kanton 70 Prozent der Kultursubventionen übernehmen, die Stadt 30 Prozent. Dass die Stadt freiwillig ihren Anteil erhöht, um den finanziell ramponierten Kanton zu entlasten, sorgte im Rat für deutliche Voten. «Die Stadt ist kein Auffangbecken für kantonale Sparmassnahmen», hielt SVP-Fraktionschef Marcel Lingg fest.

Trotz Ärger über den Kanton hat der Grosse Stadtrat mit einer Gegenstimme entschieden, in diesen sauren Apfel zu beissen. Letztlich war man sich einig: Die Probleme mit dem Kanton sollen nicht auf dem Rücken der Kulturbetriebe ausgetragen werden. «Die Stadt lässt ihre Kulturbetriebe nicht hängen», sagte Sandra Felder (FDP) – und forderte den Kanton auf, dies ebenso zu tun. Christov Rolla (Grüne) pflichtete bei: «Es sind ja auch unsere Flaggschiffe.» Peter Gmür (CVP) warnte davor, das Verhalten des Kantons zu kritisieren. «Das könnte eine Gegenreaktion auslösen. Es gibt im Kanton nämlich viele, die mit dem Theater gar nichts anfangen können.»

Kompromiss gilt für drei Jahre

Stadtpräsident Beat Züsli (SP) wehrte sich gegen die Darstellung, die Stadt würde für den Kanton in die Bresche springen. «Wir kompensieren keine Kosten des Kantons, sondern zahlen genau so viel, wie wir in der Planung vorgesehen haben.» Tatsächlich bezahlt die Stadt gleich viel wie bisher, einzig der prozentuale Anteil erhöht sich. Der Kompromiss mit dem Kanton gilt für die nächsten drei Jahre. Danach müssen die Kultursubventionen neu verhandelt werden. Ob der Kanton dann noch mit den jetzt vereinbarten 27,5 Millionen pro Jahr einverstanden sein wird, ist offen. Beat Züsli sagt daher auch: «Wir sind zufrieden, aber noch nicht ganz glücklich. Das sind wir erst dann, wenn wir wissen, wie es nach 2020 weitergeht.» Alles, was die Stadt Luzern im Moment tun könne, sei, ein starkes Zeichen zu setzen, dass man sich zur Kultur bekenne. Züsli: «Der aktuelle Erfolg des Luzerner Theaters zeigt, dass das Bedürfnis nach einem hochwertigen Angebot vorhanden ist.»

Robert Knobel