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LUZERN: Die Stadt wird zum öffentlichen Gemüsebeet

Es duftet nach Thymian, Pfefferminze und Rosmarin im Bruchmatttobel – Urban Gardening ist angesagt. Dabei ist der Trend älter, als man denkt.
Sandra Monika Ziegler
Urban Gardening im Bruchmattobel: Arbeiter beim Bepflanzen der Palettenhochbeete des mobilen Gemüsegartens. (Bild Sandra Monika Ziegler)

Urban Gardening im Bruchmattobel: Arbeiter beim Bepflanzen der Palettenhochbeete des mobilen Gemüsegartens. (Bild Sandra Monika Ziegler)

In der Stadt Luzern blüht und grünt es an speziellen Orten. So wurden etwa im Bruchmatttobel zehn Kisten im Mass 80 x 120 Zentimeter mit Saaterde gefüllt und mit Setzlingen bestückt. Für die erste Ernte sind Salate und Kräuter vorgesehen. «Was danach gesetzt wird, ist noch nicht definitiv bestimmt», sagt Projektleiter Benedikt Bucher und betont: «Wir stehen noch ganz am Anfang, machen zuerst unsere Erfahrung, denn wir sind alle keine Profigärtner. Das ist in der Stadt Luzern das erste und einzige Projekt dieser Art.» Die Setzlinge stammen aus der Stadtgärtnerei.

Das Projekt im Bruchmatttobel wurde innerhalb des ReFIT-Programmes lanciert. Damit unterstützt die Stadt Luzern Langzeitarbeitslose, die von wirtschaftlicher Sozialhilfe leben. Das ReFIT-Team arbeitet mehrheitlich unterstützend im Unterhaltsdienst des Strasseninspektorates und der Stadtgärtnerei. Die Arbeitslosen werden hier begleitet, und ihnen wird geholfen, eine neue Stelle im privaten Arbeitsmarkt zu bekommen.

Keine Angst vor Plünderung

Ernten im Bruchmatttobel sollen vor allem die Quartierbewohner und diejenigen, die an der Bewirtschaftung und Pflege der Beete beteiligt sind. Angst, dass geplündert wird, hat Projektleiter Bucher nicht: «Die Hemmschwelle bei denen, die nichts dazu beigetragen haben, wird wohl grösser sein. Wir vertrauen da auf den Anstand.» Sollte trotzdem ein nicht aktiv Beteiligter was nehmen, so komme kein Ärger auf – Hauptsache sei doch die Freude an frischen Kräutern, Salaten und frischem Gemüse, so Bucher.

Das Projekt im Bruchmatttobel schliesst die Quartierbewohner mit ein. Laut Bucher haben sich bereits eine Frau, die sich speziell um ein Palettenhochbeet kümmern und dieses auch bepflanzen will, und eine Basis-Schulklasse angemeldet. Bucher freut sich darüber. Vor allem sei es für die Kinder eine Bereicherung und würde ihren Bezug zur Natur festigen. Bucher: «Sie wissen dann besser, woher Essbares kommt.»

Viele Projekte – lange Tradition

Das Bepflanzen von städtischen Flächen hat Tradition. Die Bachelorarbeit von Annekathrin Jezler gibt eine umfassende Übersicht über das Luzerner Urban Gardening. Die Arbeit entstand im Auftrag der Stadtgärtnerei Luzern und wurde von Thomas Schmid, Leiter Stadtgärtnerei Luzern, betreut sowie von Petra Hagen-Hodgson, Dozentin an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Dort ist zu lesen, dass vor drei Jahren das Projekt «Luzern blüht auf» gestartet wurde. Dies war eine Guerilla-Gardening-Aktion, die zum urbanen Gärtnern lud und ein Treffpunkt für Gleichgesinnte war. So wurde zum Beispiel in den Birkensäcken am Pilatusplatz, am Kreuzstutz, beim Stadthaus, im Vögeligärtli und bei der Voliere auf dem Inseli gepflanzt und gesät. Dies in enger Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei. Die Initianten bewirtschafteten dazu eine eigene Internetplattform mit Forum und pflegten einen Facebook-Auftritt. Ende 2012 stellten sie die Aktionen wieder ein. Bereits ins zweite Jahr startet nun «Unser Garten». Initiiert wurde dieses Projekt vom Verein Arbeitslosen-Treff. Seither sind an der Militärstrasse acht Palettenhochbeete installiert und bepflanzt. Geplant ist, dass zusätzliche Beete angelegt werden.

Ebenfalls dem Bepflanzen verschrieben hat sich der Verein «Der Gemeine Garten Luzern». Auf Initiative von Daniel Stocker wurde der Verein 2012 gegründet. Die Vereinsmitglieder legten 2013 den Generationengarten Eichhof an und hatten die Idee für den Gemeinschaftsgarten im Schulgarten Bramberg. Der Schulgarten Bramberg ist heute unter der Ägide der Dreipunkt GmbH. Sie konnte mit der Stadt eine Nutzungsvereinbarung bis 2023 abschliessen.

Pflanzentausch im Neubad

Vor dem Luzerner Neubad an der Bireggstrasse 36 wurden dieses Jahr ebenfalls Boxen mit einheimischen Pflanzen gefüllt. Seit Ende März läuft dort das interaktive Projekt Tauschgarten – ein Non-Profit-Angebot, das durch Sponsoren und Eigenleistung am Laufen gehalten wird. Eine attraktive Internetsite, abzurufen unter www.tauschgarten.ch, listet die Pflanzen samt Bild im Angebot auf. Die Idee zum Tauschgarten ist ein Gemeinschaftswerk von Atelier Oriri Landschaftsarchitekten Kehrsiten, Juca Architektur + Landschaftsarchitektur Berlin und der Basler Landschaftsarchitektin Sandra Schlosser.

Seit 9. Mai gibt es ebenfalls beim Neubad jeweils am Samstagnachmittag einen Setzlingsmarkt. Im Angebot sind Kräuter von Koriander bis Basilikum, Blumen und Gemüse. Dass Tomate nicht gleich Tomate ist, wird spätestens beim Betrachten der 16 verfügbaren Sorten klar. Alle Setzlinge seien übrigens ohne Hilfe von Dünger gezogen worden, teilt das Neubad mit. 40 Prozent des Erlöses des Setzlingsverkaufs kommen dem Neubad als Spende zugute.

Bachelorarbeit: Die Arbeit von Annekathrin Jezler finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

Sandra Monika Ziegler

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