Damit hat die Stadt Luzern ihre Angestellten vor 100 Jahren beschenkt

Anfang des 20. Jahrhunderts mauserte sich Luzern zur europäischen Touristendestination und zog viele Arbeiter an. Die Stadt musste als Arbeitgeberin Verantwortung übernehmen – und gründete vorbildlich eine Pensionskasse.

Sandra Monika Ziegler
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Stolze Präsentation des städtischen Fuhrparks um 1920 auf dem Bundesplatz. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Stolze Präsentation des städtischen Fuhrparks um 1920 auf dem Bundesplatz. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Am 23. Dezember vor 100 Jahren hat der Grosse Stadtrat von Luzern beschlossen eine «Pensionskasse für die Beamten, Angestellten und ständigen Arbeiter der Verwaltung der Einwohnergemeinde Luzern» zu gründen. Die Statuten wurden 1919 auf 29 Seiten in 52 Artikeln festgehalten.

Die Mitgliedschaft war obligatorisch, versichert wurden aber nur jene, die «über genügend Gesundheit und körperliche Tauglichkeit» verfügten. Von diesem Gesundheitscheck ausgenommen waren lediglich die Mitglieder des Stadtrates. Abgeschafft wurde der obligate Gesundheitscheck erst im Jahr 1999.

Stadt wollte Vorbild sein für die Privatwirtschaft

Der Gründungsakt wurde in der Luzerner Presse mit den Worten «schönes Weihnachtsgeschenk für die städtischen Funktionäre» kommentiert. Für die Gründung im Krisenjahr 1918 sprachen gleich mehrere Gründe. Einer davon war, dass Luzern eine boomende Touristenmetropole war und immer mehr Arbeiter anzog. Die städtische Bevölkerung nahm rasant zu.

Zwischen 1850 und 1914 vervierfachte sie sich von 10068 auf 42260 Personen. Mit dem Bevölkerungszuwachs erhöhten sich die Aufgaben für die städtische Verwaltung, dies besonders im Bauamt. Die Stadt wurde zur wichtigen Arbeitgeberin und musste Verantwortung übernehmen. Sie wollte auch ein Vorbild für die Privatwirtschaft sein.

Fonds angeäufnet für das Startkapital

Lokale wie nationale Pensions- und Hilfskassen wie etwa die der SBB, der Stadt Zürich und der Luzerner Kantonalbank dienten dabei als Referenz. Deshalb beschloss der Grosse Stadtrat bereits im Jahr 1910, für das Startkapital einen Fonds einzurichten. Dazu verkaufte die Stadt das städtische Kraftwerk Thorenberg an die Eisenwerke von Moos. Vom Verkaufspreis von 460 000 Franken wurden dann rund 200 000 in den Fonds einbezahlt.

Weitere Finanzquellen waren Schenkungen von Privaten, das Vermögen der Alterskasse der ständigen Arbeiter und auch ein Steuerzuschlag von einem zehntel Promille musste herhalten. Auf diese Weise kamen dann die 820 000 Franken für das Startkapital zusammen. Der politische Prozess bis zur Gründung der Pensionskasse Stadt Luzern (PKSL) dauerte über 13 Jahre. Nach der Gründung hatte sie ihren Sitz im Stadthaus. Geführt wurde die Kasse vom amtierenden Finanzdirektor Vinzenz Fischer und die Oberaufsicht hatte der Stadtrat.

Eine Hilfeleistung, jedoch keine Existenzsicherung

Luzern wollte mit der Pensionskasse die Not im Alter, im Falle von Invalidität oder auch im Todesfall verhindern. Dies war zumindest die Absicht für Luzerner Stadtangestellte und ihre Familien. Damit war diese Bevölkerungsschicht privilegiert gegenüber den nicht städtischen Angestellten. Private und sonstige Angestellte blieben bezüglich Versicherung auf der Strecke. Aber nicht nur sie, denn verheiratete Frauen waren für die Pensionskasse bis 1989 nicht rentenwürdig.

Diverse Berufsverbände hatten bereits sogenannte Hilfskassen, die Stadtpolizisten seit 1913. Diese fusionierte 1921 mit der PKSL. 1972 löste sich die PK der Lehrerschaft auf und wechselte in die Städtische. Seit 1950 investierte die PK auch in Immobilien. 30 Jahre später machte der Immobilienanteil beim Vermögen 62 Prozent aus.

Gesamtvermögen beträgt 1,5 Milliarden Franken

Über 80 Jahre war es Usus, dass der Finanzdirektor auch der PKSL vorstand. Erst 1998 war der Übergang von einer städtischen Dienstabteilung zur selbstständigen öffentlich-rechtlichen Kasse vollzogen und ihre Leitung einem Verwalter übertragen worden. Die Kasse hatte bis heute rund sieben Mal die Statuten revidiert.

Und ab dem Jahr 2000 war die Kapitaldeckung Aufgabe der Kasse und nicht mehr des Staates. Im Oktober 2018 lag der Deckungsgrad bei 109 Prozent. Aktuell sind rund 3600 Personen versichert, 40 Prozent davon wohnen in der Stadt. Rund 60 Prozent sind bei angeschlossenen Unternehmen wie Viva Luzern, VBL oder EWL tätig. Zusätzlich beziehen 2200 Personen eine Rente. Das Gesamtvermögen beträgt rund 1,5 Milliarden Franken.

Hinweis: Geschäftsbericht PKSL 2017, ein Artikel im Jahrbuch der Historischen Gesellschaft Luzern (HGL) – verfasst von Giulia Schiess, Jürg Stadelmann und Ruedi Meier – und die Homepage www.pksl.ch.