LUZERN: «Die Stärke der CVP ist ihre kooperative Kraft»

Wo steht die CVP im Jahre 2025? In Eschenbach haben sich Parteipräsident Gerhard Pfister und Claude Longchamp der Frage angenähert. Der Politexperte warnt vor einer allzu konservativen Ausrichtung der Partei.

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Gerhard Pfister, Parteipräsident CVP. (Bild: Keystone)

Gerhard Pfister, Parteipräsident CVP. (Bild: Keystone)

Eine Partei sucht sich. Dies wurde gestern Abend am Neujahrsanlass der CVP Eschenbach deutlich. Erste Ergebnisse, wohin die Reise der CVP Schweiz gehen könnte, gab Gerhard Pfister, Zuger Nationalrat und Parteipräsident. Zusammen mit dem Politikwissenschaftler Claude Longchamp und Jérôme Martinu, Chefredaktor der «Luzerner Zeitung» und ihrer Regionalausgaben, diskutierte er in Eschenbach vor rund 100 Anwesenden über die Zukunft der Traditionspartei.

Klar ist: Die CVP hat schon bessere Zeiten erlebt. Sie steckt mitten in einem Reformprozess. Dringend gesucht wird eine neue Strategie. Kurz nach Amtsantritt als Präsident liess Pfister im April verlauten, dass er bei der Basis unter dem Namen «Strategieprojekt CVP 2025» eine Diskussion vorantreiben will, wie sich die Partei bis ins Jahr 2025 verändern soll. Gestern nun hat der Parteipräsident erstmals Ergebnisse aus der Basisbefragung und den gemachten Analysen präsentiert.

Das Ziel: Für Nichtwähler wählbar werden

Ein grosses Dilemma der Partei wird in einem fehlenden Alleinstellungsmerkmal ausgemacht, sagt Pfister. Man sei schwach in Profil, Erkennbarkeit und der Themenführerschaft. «Die CVP muss sich zu einer Themenpartei wandeln.» Bislang sei die Partei aus Tradition und Gewohnheit gewählt worden. «Wir müssen für Leute, die bisher nicht oder eine andere Partei wählten, wählbar werden, weil wir ihre Anliegen vertreten oder weil sie unsere Vision der Schweiz teilen.» Wie diese Vision konkret aussieht, verriet Pfister noch nicht. Auch nicht, in welche Richtung sich die CVP bewegen soll und wie die Strategie genau aussehen könnte. Nur so viel: «Wir müssen mit der Strategie CVP 2025 die bisherigen Wege verlassen, weil diese ja keine Wege zum Erfolg waren.» Inputs, wie sich die Partei entwickeln könnte, gab indes der Politikwissenschaftler Claude Longchamp. Er nahm Bezug auf das Referat von Pfister und stellte dem Parteipräsidenten vorab ein gutes Zeugnis aus. Der Auftritt der Partei sei seit seinem Amtsantritt geschlossener. Es sei richtig, die Neupositionierung anzugehen. Die Strategie erst auf 2025 umzusetzen, sei jedoch «wenig ambitioniert». Die CVP täte gut daran, ihr Profil bereits auf die Wahlen 2019 zu schärfen.

Dabei warnte Longchamp davor, zu stark auf das Attribut konservativ zu setzen. Dass diese Strategie nicht aufgehe, habe die Abstimmung über die Heiratsstrafe gezeigt. Das Grundanliegen kam bei den Wählern gut an. Der Fehler sei aber darin gelegen, dass die Ehe als Lebensgemeinschaft von Mann und Frau zu eng definiert worden sei. Zwar könne die CVP mit einer konservativen Haltung vielleicht den Wählerrückgang in einzelnen Dörfern verringern – dafür werde sie in urbanen Gebieten um so mehr Wähler verlieren. Auch wäre es ein Fehler, sich über christliche Werte ein Profil verschaffen zu wollen – weil die Religion in der Schweiz als Privatsache gelte. Als grösste Stärke der Partei bezeichnete Longchamp «die kooperative Kraft der CVP», die sie weiter pflegen solle.

Christian Hodel