LUZERN: Die Stellensuche im Alter ist schwierig

Wer im Alter die Stelle verliert, hat oft Mühe, eine neue zu finden. An einer Tagung im Verkehrshaus suchten Experten nach Lösungen. Dabei zeigte sich: Ein besserer Kündigungsschutz reicht nicht.

Stefan Dähler
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Die Stellensuche gestaltet sich für Erwerbslose ab 50
in der Regel äusserst schwierig. (Bild: Getty)

Die Stellensuche gestaltet sich für Erwerbslose ab 50 in der Regel äusserst schwierig. (Bild: Getty)

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

«55plus – und nicht mehr gefragt». Unter diesem Titel hat der Schweizerische Verband für Seniorenfragen am Donnerstag im Verkehrshaus Luzern einen Kongress zum Thema Arbeitslosigkeit im Alter organisiert. Wobei der Veranstaltungstitel nur teilweise den Tatsachen entspricht, wie Bernhard Weber vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ausführte. «Die Arbeitslosenquote ist bei über 55-Jährigen tiefer als in anderen Altersgruppen.» Sie lag 2016 bei 3,4 Prozent, in den tieferen Alterskategorien waren es 4,2 Prozent. Viele ältere Arbeitskräfte seien gut ausgebildete und bedeutende Fachkräfte.

Das Problem sei jedoch die Jobsuche. «Verliert man eine Stelle, dauert es für über 55-Jährige länger, eine neue zu finden», so Weber. Rund 60 Prozent benötigen ein Jahr oder mehr, teilweise finden sie gar keine Arbeit mehr. Die Zahl der Sozialhilfebezüger in diesem Alter wachse stark, sagte Carlo Knöpfel, Professor für Sozialpolitik und Soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Betroffen seien öfters alleinstehende oder geschiedene Männer mit geringer oder der «falschen» Ausbildung – also Fähigkeiten, die heute nicht mehr gefragt seien. Hinzu kämen zum Teil gesundheitliche Probleme.

Bei der Stellensuche diskriminiert

Die Gründe für die Schwierigkeiten bei der Stellensuche sind vielfältig. «War jemand lange im selben Betrieb beschäftigt, kann sein spezifisches Wissen danach an Wert verlieren», sagte Bernhard Weber. Hinzu kämen teilweise fehlende Anpassungsfähigkeit oder dass jemand nicht mehr wisse, wie man sich richtig bewirbt.

Ein Grund sei aber auch, dass ältere Leute bei der Stellensuche diskriminiert würden, sagte Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds. Weiter sei es zum Teil kein Tabu mehr, ältere Angestellte zu entlassen. «Sozialpolitische Ausgänge» wie Frühpensionierungen seien aus finanziellen Gründen schwieriger realisierbar als früher. Eine Rolle spiele auch, dass die Arbeitgeber für ältere Angestellte höhere Pensionskassenbeiträge bezahlen müssten, sagte der Luzerner Regierungsratspräsident Guido Graf (CVP) – wobei ihm Lampart in diesem Punkt widersprach. Viele ältere Leute fänden keine Stelle mehr, obwohl sie zu einer Lohneinbusse bereit wären. Daher seien die Lohnkosten kein Argument.

Uneins war man sich auch über die Rezepte, um das Problem zu entschärfen. «Wichtig sind Massnahmen, um ältere Arbeitnehmer zu schützen», sagte Daniel Lampart – etwa ein Kündigungsschutz oder Sozialpläne. «Zu viele Regulierungen können schädlich sein», sagte dagegen Bernhard Weber. Zentral sei, das Wirtschaftswachstum zu fördern. Das Seco befürworte weiter Anreize, um länger zu arbeiten, oder die Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz und von Weiterbildungen. Für Letzteres erarbeitet der Bundesrat derzeit ein neues Programm.

Ähnlich sieht das Daniella Lützelschwab, Geschäftsleitungsmitglied des Schweizerischen Arbeitgeberverbands. So habe man in gemeinsamen Gesprächen zwischen Verbänden, Gewerkschaften und Arbeitgebern erreicht, dass in Stelleninseraten inzwischen auf Altersangaben verzichtet wird. Auch die Kantone können einen Beitrag leisten. So unterstützt Luzern Leute bei der Stellensuche und zahlt Einarbeitungszuschüsse an Firmen, die ältere Personen einstellen. «Ich appelliere aber auch an die Eigenverantwortung», sagte Guido Graf. Man müsse sich stets weiterbilden. «Wichtig ist für eine Firma Agilität – sich auf Neues einlassen», sagte Daniella Lützelschwab. Dazu könne auch die Abgabe von Verantwortung oder wie bereits erwähnt ein tieferer Lohn gehören.

Druck auf Arbeitnehmer nimmt weiter zu

An der Veranstaltung nahm auch der Luzerner Zukunftsforscher Georges Roos teil. Er wies unter anderem auf die Digitalisierung hin und die damit verbundenen Umwälzungen des Arbeitsmarkts. Er sei aber optimistisch, dass dadurch auch neue Stellen geschaffen werden. Durch den schnellen Wandel werde jedoch von Arbeitnehmern noch mehr Agilität verlangt, was auch zusätzlichen Stress zur Folge habe, mahnte Carlo Knöpfel. Daraufhin meinte ein Teilnehmer: «Zum Glück bin ich schon alt.»