LUZERN: Die Ü-60-Generation in Partystimmung

Fasnacht kennt keine Altersgrenzen. 300 Senioren brachten gestern den Saal im Casino zum Beben. Die meisten kamen, um zu tanzen.

Monika Van De Giessen
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Ob bei der Polonaise (unten), beim Paartanz (oben links) oder beim Selfie mit der Fritschene (oben rechts): An der Seniorenfasnacht im Casino liessen die Fasnächtler über 60 die Zeit der grossen Bälle nochmals aufleben. (Bilder Manela Jans-Koch)

Ob bei der Polonaise (unten), beim Paartanz (oben links) oder beim Selfie mit der Fritschene (oben rechts): An der Seniorenfasnacht im Casino liessen die Fasnächtler über 60 die Zeit der grossen Bälle nochmals aufleben. (Bilder Manela Jans-Koch)

Monika van de Giessen

Fröhlich, aufgestellt, beschwingt und bunt – so war der Rüüdige Samschtig im dicht besetzten Panoramasaal des Casinos Luzern anlässlich der Seniorenfasnacht. Wer glaubt, die Ü-60-Generation könne nicht feiern, der liegt falsch. Einer Polonaise folgte die nächste. Auch punkto Kreativität standen die Senioren den Jungen nicht nach. Farbenfrohe und fantasievolle Kostüme dominierten.

Ein Vorsatz für die Fasnacht

Kaum erklangen die ersten Takte der Schlager und Evergreens aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren, hielt es fast niemanden mehr auf seinem Sitz. Auch nicht den LFK-Präsidenten Roland Barmet (55), der sich als regelrechtes «Tanzfüdli» entpuppte. Auch als Sänger könnte er durchstarten. Mit dem Song «Mer tanzid dor d’Fasnacht» brachte er den Saal zum Kochen. «Ich lasse keinen Tanz aus. Die reifen Frauen, die können halt noch tanzen», sagte Barmet. Sprachs und schnappte sich eine Tänzerin, um zum volkstümlichen Schlager «Losed Sie, Frau Küenzi, e bitzli gwaggle müend Sie» das Tanzbein zu schwingen. Einen Vorsatz hat sich der LFK-Präsident für die Seniorenfasnacht genommen: «Ich tanze nie zwei Mal mit derselben Person.»

Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))
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Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))
Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))
Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))
Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))
Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))
Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))
Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))
Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))
Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))

Impressionen von der Seniorenfasnacht im Casino Luzern am Samstag. (Bild: Manuela Jans- Koch (Neue LZ))


Zeitweise wurde es ziemlich eng auf der Tanzfläche. Von «Ich möcht mit dir träumen» und «Irena, Irena, Irena, deine Augen sind wie Sterne ...» bis hin zu «Spanish Eyes» – die Swinging Boys (Walter Brun, Saxofon; Pius Egli, Akkordeon; Hansueli Ammann, Piano) gaben alles. Bandleader Walter Brun erzählte, dass er bereits zum zehnten Mal an der Seniorenfasnacht aufspiele. Es sei ein dankbares Publikum.

Frauen waren gestern in der Überzahl. Diese konnten sich die tanzfreudigen Männer auswählen. Die Schwestern Helene Kaufmann (75) und Odile Seitz (69) haben ihren Bruder Herbert Bünter (67) mitgebracht. Nicht ohne Hintergedanken. Denn dieser war für seine zwei Schwestern ein begehrter Tanzpartner. Helene Kaufmann verriet, dass sie während des Tanzens immer auch ein Auge auf andere Tänzer werfe, um zu schauen, welcher gut und im Takt tanzen könne. «Wer diese Kriterien erfüllt, den hol ich mir», sagte die rüstige Seniorin. Sie vermisst, wie die meisten der 300 Besucher, die grossen Fasnachtsbälle von früher, als unter anderem in den Hotels Union und Anker, im alten Kunsthaus und im Casino Bälle stattfanden.

Botox-Lili auf Kundenfang

Auch Xaver Vonesch (76) aus Steinhausen und Eveline Mahler (Ü 70) aus Luzern liessen keinen Tanz aus. Sie waren zum ersten Mal an der Seniorenfasnacht und bestimmt nicht zum letzten Mal. «Wir gehen viel tanzen», erzählten die beiden. Eveline Mahler vermisste, dass hier wenig intrigiert werde. Vermutlich hat sie die Botox-Lili übersehen. Diese bot zu M-Budget-Preisen Botox-Behandlungen an. Stirnfalten und Krähenfüsse unterspritzen und Lippen «puschen», das alles zwischen 1000 und 2000 Franken. «Wenn sich alle 300 behandeln lassen, dann mache ich das Geschäft des Lebens», sagte Dr. Lili Botox und vollzog bei der Autorin eine Hautanalyse.

Viel Fasnachtsprominenz

Einer der Höhepunkte war der Einmarsch der gesamten Entourage der Fasnachtsgewaltigen in vollem Ornat. Mit begeistertem Applaus und stehenden Ovationen zogen diese zu den Klängen der Rüüdig-Samschtig-Musig im Saal ein. Es sei einer der wenigen Anlässe, an dem alle Fasnachtsgewaltigen zusammen erscheinen, sagte Bruno Spörri, der Medienverantwortliche des LFK. Seit 40 Jahren geht die Seniorenfasnacht über die Bühne. Unterstützung erhält das LFK auch vom Luzerner Gewerbe. «Ohne dieses Entgegenkommen wäre ein Anlass in diesem Ausmass nicht zu stemmen», so Spörri. Bäckermeister aus Luzern stellen rund 400 Schenkeli und Krapfen her, die den Ballbesuchern gratis abgegeben werden. Die Casino AG stellt dem LFK den Saal gratis zur Verfügung. Für Stimmung sorgte unter anderem auch die Guuggenmusig Nölli Grötze aus Luzern. Die Guuggenmusig brachte vollends Bewegung in den Saal, ihre rhythmischen Klänge luden zum Schunkeln und Klatschen ein.