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LUZERN: Die Wahl: So pointiert wird diskutiert

Wer schafft im zweiten Wahlgang den Sprung in die Regierung? In unseren Leserbrief-Spalten wurde noch selten so heftig debattiert.
Felicitas Zopfi (56, neu), SP, Luzern, Paul Winiker (59, neu), SVP, Kriens, Marcel Schwerzmann (50, bisher), parteilos, Kriens (Bilder: Nadia Schärli)

Felicitas Zopfi (56, neu), SP, Luzern, Paul Winiker (59, neu), SVP, Kriens, Marcel Schwerzmann (50, bisher), parteilos, Kriens (Bilder: Nadia Schärli)

Es wird hochspannend! In einer Woche, am 10. Mai, findet der zweite Wahlgang für die beiden noch offenen Sitze im Regierungsrat statt, und auch in unseren Leserbrief-Spalten gehen die Emotionen hoch. Noch selten sind vor einer Abstimmung oder vor einer Wahl so viele Leserbriefe eingesandt worden wie jetzt, wie unsere Leserbrief-Redaktion bestätigt. Seit dem ersten Wahlgang Ende März sind bis heute über 90 Leserbriefe eingegangen. Rund 60 wurden bereits publiziert, sie sind auch auf unserer Online-Plattform www.luzernerzeitung.ch/leserbriefe aufgeschaltet.

Welcher der drei Kandidaten hat die Nase vorn? Studiert man die Leserbriefe, lassen sich drei interessante Beobachtungen machen:

Die Frauen: Sehr kontrovers diskutiert wird, ob mit SP-Kandidatin Felicitas Zopfi zwingend eine Frau in der Luzerner Regierung vertreten sein muss oder ob es mit dem parteilosen amtierenden Finanzdirektor Marcel Schwerzmann und mit SVP-Mann Paul Winiker eine rein bürgerliche Regierung sein soll. Interessant: Auch einige Vertreter der Kirche setzen sich für Zopfi ein.

Die Unternehmer: Mehrere bekannte und einflussreiche Persönlichkeiten der Wirtschaft machen sich in Leserbriefen für eine rein bürgerliche Regierung und insbesondere für die Wiederwahl Schwerzmanns stark. Das ist überraschend, da Unternehmer mit politischen Aussagen in der Öffentlichkeit oft sehr zurückhaltend sind.

Die CVP:In den Kommentaren der Leser zeigt sich, dass die offizielle Parole der CVP – für Zopfi und Winiker – auch innerhalb der Partei umstritten ist.

Lesen Sie unten stehend eine Auswahl der pointiertesten Äusserungen unserer Leserinnen und Leser.

Flurina Valsecchi

Die Meinungen unserer Leser

Als 20-jährige Frau interessiert mich die Frage ‹Frau oder Mann im Regierungsrat› nicht wirklich. Eine Frauenquote hat immer etwas Demütigendes an sich.»
Raphaela Illi, Triengen

«Wer hat Angst vor Felicitas Zopfi? Was ein gewiefter Politiker ist, muss sich vor einer SP-Politikerin nicht fürchten. Im Gegenteil: Eine Person, die eine gemässigte Opposition vertritt, tut einer Regierung, die immer rechtslastiger wird, nur gut.»
Franz Grod, Kapuziner, Luzern

«Konkordanz und Frauenverständnis dienen als fadenscheinige Begründung. Ich kenne keine emanzipierte Frau, die sich durch eine beliebige Vertreterin ihres Geschlechts vertreten lassen möchte, nur weil sie auch eine Frau ist. Massgebend für das Wohlergehen von uns allen ist doch, Persönlichkeiten in der Regierung zu wissen, die ihre Aufgabe mit Sachverstand und Führungskompetenz im Sinne von uns Wählern wahrnehmen.»
Hans Rudolf Imbach, Unternehmer, Nebikon

«Wer jetzt immer noch behauptet, Felicitas Zopfi habe keine Führungserfahrung beziehungsweise -qualitäten, der desavouiert unter anderem sämtliche Führungspersonen unseres Vereins- und Verbandswesens, eine der ganzen grossen Stützen unserer Gesellschaft. Man kann politisch anderer Meinung sein, aber hinsichtlich der Qualifikation von Felicitas Zopfi für einen Regierungsratssitz ist eine Diskussion überflüssig.»
Margaretha Reichlin, SP, Luzern

«Im altehrwürdigen Regierungsgebäude zu Luzern wird in diesem Jahrhundert noch mancher Sessel frei, auch für Frauen.»
Hans Kuhn, Malters

«Der klare Vorschlag der CVP, jetzt die beiden grossen Parteien rechts und links in die Regierung einzubinden, scheint mir klug, weitsichtig und entspricht guter Luzerner Tradition.»
Paul Rosenkranz, Alt Gemeindepräsident CVP, Horw

«SP-Kantonsrätin Felicitas Zopfi vertritt die Frauen, sie vertritt die Linke. Sie vertritt die Arbeitnehmenden. Das ist ja gut und recht. Meiner Meinung nach brauchen wir aber keine ‹Vertreterinnen› in der obersten Exekutivbehörde des Kantons Luzern. Wir brauchen Macherinnen und Macher.»
Elsbeth Lang, Unternehmerin und Vorstandsmitglied Gewerbeverband Kanton Luzern, Nebikon
«Bei einer Regierung mit ausschliesslich Männern wird eine Mehrheit ausgegrenzt. Bekanntlich ist der Frauenanteil im Volk höher als jener der Männer. Eine echte Demokratie besteht aus Männern und Frauen und aus unterschiedlichen Meinungen. Mit der Wahl von Felicitas Zopfi fallen wir nicht in das letzte Jahrhundert zurück, wo das Volk bis 1971 ausschliesslich durch die Männer regiert wurde.»
Rosmarie Dormann, Alt Nationalrätin CVP, Rothenburg

«Seit Marcel Schwerzmann Finanzdirektor ist, hat er von acht Jahresrechnungen sieben sehr erfreulich abgeschlossen und musste nur einmal rote Zahlen präsentieren. Falsch wäre, jetzt auf halbem Wege umkehren zu wollen.»
Guido Egli, VR-Präsident Kursaal-Casino Luzern, ehemaliger CEO Mövenpick, Meggen

«Wenn sich Felicitas Zopfi mit viel Herzblut für die Schwächeren, Jugendlichen, Schüler und gegen überrissene Projekte einsetzt, ist sie zu aggressiv. Es ist für sie allerdings schwierig, konsensfähig zu sein, wenn die Partner stur auf ihrer Meinung beharren.»
Monica Gross, Luzern

«Kein erfolgreiches, vernünftiges Unternehmen würde es sich in dieser Situation leisten, den bewährten Finanzdirektor in der Mitte seines Lebens und Schaffens auszuwechseln. Alternativvorschläge halten diesen Voraussetzungen nicht stand.»
Rudolf Freimann, ehemaliges Mitglied der LUKB-Geschäftsleitung, Luzern

«Eine Regierung ohne Frau – das wäre für den Kanton Luzern ein bedauerlicher Rückschritt.»
Hans Moos, CVP, Ballwil

«Nur die Kandidaten von etablierten Parteien für die Wahlen zu berücksichtigen, ist einseitig. Die Parteilosen sind meines Erachtens die grösste Partei. Sie haben auch Anspruch auf eine Vertretung.»
Bruno Bacher, Parteilos, Luzern

«Das Recht der Frauen, mindestens einen Sitz im Regierungsrat einzunehmen, wird schlicht ignoriert.»
Stefan Odermatt, SP, Adligenswil

«Statt Fragen zur fachlichen Eignung jetzt den freiwilligen Parteienproporz für die Regierungswahlen vorzuschieben, zeugt nicht gerade von Stärke. (...) Ich schlage vor, dass wir bürgerlich wählen.»
Bernhard Alpstaeg, Unternehmer und FCL-Investor, St. Niklausen
«Fast könnte man meinen, im Regierungsrat seien künftig nur noch 5:0-Entscheide gewünscht. Einstimmigen Resultaten haftet aber oft der Makel an, dass nicht vertieft über die Problematik nachstudiert wurde. Männer sind, wohl testosterongesteuert, eher darauf erpicht, Entscheide so rasch wie nur möglich zu fällen.»
Franz Baumann, SP, Kriens

«Der Kanton Luzern hat seine Positionierung im nationalen und internationalen Steuerwettbewerb in den letzten Jahren erfolgreich gestärkt. Eine bewährte Schlüsselperson wie Marcel Schwerzmann nun aus Konkordanz- oder Parteiüberlegungen auszuwechseln, wäre unklug.»
Bernhard Kobler, Verwaltungsratspräsident der B. Braun Medical AG, Ehemaliger CEO der Luzerner
Kantonalbank, Meggen

«Mit Felicitas Zopfi haben wir eine dossierfeste Kandidatin, die für soziale und umweltpolitische Anliegen ebenso wie für einen lebenswerten Wohn- und Arbeitskanton einsteht.»
Monique Frei, Kantonsrätin Grüne, Emmen

«Die CVP besitzt allein zwei Sitze im Luzerner Regierungsrat. Wenn schon, dann wäre es in erster Linie an ihr, einen der beiden Sitze für eine Frau zu sichern. Also: unehrliche Forderung. Kommt hinzu, dass die Abwahl von Herrn Schwerzmann die Steuerzahler hoch belasten würde. Für ihn müssten jährlich über 200 000 Franken für eine Überbrückungsrente aus Steuermitteln bezahlt werden.»
Max Rudolf Koch, Emmenbrücke

«Frau Zopfi ist die einzige Kandidatin, der man zutrauen kann, dass sie sich für gesellschaftliche und grüne Aspekte starkmacht.»
Michèle Graber, Kantonsrätin, Fraktionspräsidentin Grünliberale, Udligenswil

«Wer Felicitas Zopfi portiert, spricht von Quoten (Frau und Linke). Wer Marcel Schwerzmann und Paul Winiker portiert, spricht von Führungserfahrung und Leistungsausweis. Unsere Regierung braucht fähige Köpfe, welche die eingeschlagene erfolgreiche Vorwärtsstrategie des Kantons mittragen. Das ist bei Frau Zopfi definitiv nicht der Fall.»
Hans Aregger, Unternehmer und Alt Kantonsrat CVP, Buttisholz

«Könnte es sein, dass das Volk einfach die fähigsten Persönlichkeiten wählt und weniger mit dem Rechenschieber die Sitze zuteilt?»
Arno Thürig, Rechtsanwalt, Kriens«

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