LUZERN: Diebold-Schilling-Chronik kommt in die Stube

Das berühmte Werk des Luzerner Chronisten Diebold Schilling war bisher nur wenigen Betrachtern zugänglich. Doch schon bald kann jedermann das 500-jährige Buch studieren – bei sich zu Hause.

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Eines von 450 Bildern aus der Diebold Schilling Chronik: Heimkehr der Luzerner Knaben vom Schiessen in Uri. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ (Archiv))

Eines von 450 Bildern aus der Diebold Schilling Chronik: Heimkehr der Luzerner Knaben vom Schiessen in Uri. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ (Archiv))

1513 vollendet der Luzerner Diebold Schilling die legendäre Eidgenössische Chronik. Dabei schuf er mit dem reich illustrierten Werk (mit 450 Bildern) eine einzigartige Quelle spätmittelalterlichen Lebens. Gerade die Bilder belegen als historische Quelle alles, was Menschen jener Epoche bewegt hat: Antisemitismus, ländliches Bauen und Wohnen, Verhör- und Hinrichtungsmethoden, Musik, Freizeit, Spiel, Sport sowie der Umgang mit Liebe, Krankheit und Tod.

Ein halbes Jahrtausend später zählt die Chronik zu den berühmtesten, schönsten und bekanntesten Chroniken der Schweiz zählen. Schade nur, dass das kostbare Werk bisher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Seit langer Zeit wird das kostbare Eigentum der Korporation in der Zentral- und Hochschulbibliothek bewahrt.

Ab April im Internet durchblättern

Nun haben die ZHB und die Korporation für die Digitalisierung der Chronik gesorgt und damit einen wesentlichen Schritt bei der Sicherung des Luzerner Dokumentenerbes realisiert. Ab Anfang April steht die Chronik als digitales Vollfaksimile bei e-codices.ch, der virtuellen Handschriftenbibliothek, für die allgemeine Benutzung zur Verfügung. Was bislang in Form der Faksimile-Edition von 1978 wenigen vorbehalten war, wird nun für ein breites Publikum greifbar.

Das bewegte Leben des Diebold Schilling

Schilling stammt aus einer Familie von Schreiben und Buchmalern. Sein Onkel – auch er mit Namen Diebold Schilling – schuf die Berner und die Spiezer Chronik. Diebold Schilling, der Jüngere, führt ein bewegtes Leben als Soldat, Priester, Schreiber, Dolmetscher und – ab 1497 – als Agent, Geheimberichterstatter im Dienste des Mailänders Herzogs Ludovico «il Moro» Sforza (1452-1508). Und weil er überdies als Parteigänger des römisch-deutschen Kaisers Maximillian I. (1459-1519) fungiert, ergreift Schillings Chronik im Konflikt zwischen dem Kaiser und dem französischen König Partei für Maximillian.