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Dieser Hochschul-Absolvent dirigiert zwischen den Kulturen

Demian Coca Guzman (27) liess sich in Luzern zum Komponisten ausbilden. Seine Abschlussarbeit hat es in sich.
Stephan Santschi
Demian Coca Guzman strebt in seinem Schaffen nach einer Symbiose aus Jazz und traditioneller Volksmusik aus Bolivien. (Bild: PD)

Demian Coca Guzman strebt in seinem Schaffen nach einer Symbiose aus Jazz und traditioneller Volksmusik aus Bolivien. (Bild: PD)

Komponieren – ist das überhaupt lernbar? Beruht nicht vieles auf Intuition? Demian Coca Guzman lacht ob der Fragestellung und hält fest: «Das Bild des Komponisten, der auf Spaziergängen die grosse Eingebung findet und dann ein Meisterwerk erstellt, trifft meiner Meinung nach überhaupt nicht zu.» Selbstverständlich seien Kreativität und ein offener Geist wichtig. «Doch um das Handwerk zu erlernen, gibt es viele Übungen – auch solche, um die Inspiration nach vorne zu holen.» Gezieltes Improvisieren, so laute jedenfalls sein eigenes Credo, wenn er Stücke komponiere.

Der 27-jährige Aarauer ist einer von 165 Absolventen im Departement Musik der Hochschule Luzern, die gestern feierlich ihre Diplome entgegengenommen haben. Schwerpunkt seines Masterstudiums war Komposition. Wenn er Studienkollegen aus anderen Abteilungen erklärte, dass seine Masterarbeit lediglich zehn Seiten umfasste, wurde er zuweilen belächelt. Solange jedenfalls, bis er das grosse «Aber» folgen liess. Seine Abschlussarbeit beinhaltete nämlich die Gründung des Orchesters «Constelar», sowie die Komposition, Probe und Aufführung eines 60-minütigen Konzertprogramms. «Der Aufwand hat sich aber definitiv gelohnt. Das Konzert im Theaterpavillon in Luzern kam sehr gut an – sowohl bei den Zuhörern als auch bei den Experten», erzählt Coca Guzman, der als Dirigent auftrat.

Jamsessions des Vaters inspirierten ihn

Demian Coca, so verrät bereits der Name, hat seine Ursprünge nicht nur in der Schweiz. Während seine Mutter Aargauerin ist, stammt sein Vater aus Cochabamba, der mit 630000 Einwohnern viertgrössten Stadt Boliviens. «Sie liegt in einem Tal des Hochlands, wobei auch das Tal bereits auf 2500 Metern Höhe liegt», erzählt Coca. «Geboren und aufgewachsen bin ich in der Schweiz. Alle zwei Jahre besuche ich meine zweite Heimat für etwa einen Monat.»

Diese doppelte Verwurzelung schlägt sich auch in seinem musikalischen Schaffen nieder. Einerseits seien seine Kompositionen das Resultat von Schweizer Tugenden wie Nachdenken, Ausprobieren und Verbessern. Andererseits beruft er sich auf die südamerikanische Kunst der Improvisation und die Fähigkeit, aus dem Nichts etwas entstehen zu lassen. «Das übernahm ich von meinem Vater. Er ist auch Musiker und traf sich zu Hause oft mit Freunden und Verwandten zu Jamsessions», erklärt Coca. Er selber wagte sich am Klavier aktiv in die Welt der Musik und stellte dann während der Gymnasialzeit fest, dass es für ihn keine Alternative zum Musikstudium gibt.

Seinen Stil, oder wie er es lieber nennt, «seine Ästhetik», pendelt ebenfalls zwischen den Kulturen. «Ich strebe nach einer Symbiose aus Jazz und der traditionellen Volksmusik aus Bolivien.» Dass ihm dies bereits gut gelingt, zeigen die beiden Studenten-Awards, die er vom renommierten US-Jazz-Magazin «Down Beat» erhielt.

Die Studentenzeit ist nun allerdings vorbei, jetzt beginnt für Demian Coca ein neuer Lebensabschnitt. Privat zog er diese Woche mit seiner Freundin Daniela Martínez zusammen, die ebenfalls aus Cochabamba stammt. Beruflich stützt er sich auf drei Standbeinen ab: Er gibt Klavierunterricht, komponiert und arrangiert auf Auftrag und er geht mit seinen eigenen Ensembles auf Tournee.

Bald steht die nächste Reise nach Bolivien an

Letzteres tut er das nächste Mal im Herbst, wenn er mit der Big Band der Kanti Wattwil, dem bolivianischen Gitarristen Willy Claure und seiner Freundin als Sängerin in Bolivien ein selber arrangiertes Konzertprogramm aufführt. Auch das Septett «Paykuna», welches Coca als Musikalischer Direktor leitet, plant Auftritte im Ausland.

Wohin ihn seine musikalische Reise noch führen soll, lässt Demian Coca offen: «Ich möchte die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern intensivieren. In der langfristigen Planung halte ich es aber mit den Bolivianern», sagt er lachend. Das heisst: «Mal schauen, was sich ergibt.»

Weitere Informationen finden Sie hier: www.paykuna.com

Das sind die 
Luzerner Absolventen:

Chiara Alario, Emmenbrücke; Linus Arnet, Entlebuch; Maja Sophia Bader, Luzern; Sonja Blumer, Horw; Stefanie Burgener, Eschenbach LU; Damian Ehrler, Triengen; Raphaela Felder, Schüpfheim; Janina Fink, Luzern; Flavia Frey, Schötz; Judith Galliker, Sursee; Nikola Jan Gross, Rothenburg; Fabio Guglielmo, Ebikon; Delia Haag, Ebikon; Alexandra Häfliger, Rickenbach LU; Michelle Häfliger, Ruswil; Jonas Künzli, Büron; Tobias Künzli, Büron; Jan Kurmann, Luzern; Nora Ly, Luzern; Alban Müller, Sempach; Pirmin Müller, Luzern; Magdalena Rosenberg, Gisikon; Gregory Schärer, Luzern; Livio Schmid, Adligenswil; Joel Spitaleri, Schenkon; Nicolas Stettler, Rothenburg; Patrick Widmer, Udligenswil; Christian Zemp, Knutwil.

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