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LUZERN: DJ Bobo im KKL – die Perfektion hatte auch Herz

DJ Bobo wurde im KKL vom 21st Century Orchestra sinfonisch umhüllt. Daraus entstand eine weitgehend durchgestylte Show mit auch intimen Momenten.
Es muss nicht immer getanzt werden: DJ Bobo gab sich im KKL auch mal ganz relaxed. (Bild: David Avolio (20. September 2016))

Es muss nicht immer getanzt werden: DJ Bobo gab sich im KKL auch mal ganz relaxed. (Bild: David Avolio (20. September 2016))

Katharina Thalmann
kultur@luzernerzeitung.ch

«Willkommen in der Familie!», begrüsst DJ Bobo jene Besucher im ausverkauften KKL, die zum ersten Mal eines seiner Konzerte besuchen. Dann gehts los: Band, Orchester, Grossleinwand und Nebelmaschine werden zusammengehalten vom bodenständig-freundlichen Entertainer. Er ­finde die Intimität hier wunderschön, sagt er. Muss sich seine Energie in anderen Hallen auf Zehntausende aufteilen, so sitzen im KKL nur knapp zweitausend Zuhörer. Entsprechend nahbar wirkte die Show. Kaum betritt er die Bühne, macht sich ein wohliges Wir-Gefühl breit.

Ist es das, was ihm seit fast 25 Jahren ungebrochenen Erfolg beschert? Die Radio Pilatus Music Night ist Rückblick und Ausblick: Nebst Hits wie «Everybody» (Jahrgang 1994) oder ­«Somebody Dance With Me» (sogar Jahrgang 1992) präsentiert er auch Stücke seiner baldigen Mistoryal-Tour. Eines davon ist «Get On Up», das mit Funk- und Hip-Hop-Einschlägen überrascht und an Oldschool-Hits der späten Siebziger erinnert. Im KKL freilich verpackt in ein glänzendes Arrangement-Gewand in HD-Qualität.

«Beide Hände Richtung Himmel!»

Unterstützt wird der gebür­tige Aargauer dabei von seiner Frau Nancy Baumann und dem Berner Jessie Ritch, der einigen Leuten von «Deutschland sucht den Superstar» ein Begriff sein dürfte. Bobos Erlaubnis ans Publikum, sich auch gerne aus den Sitzen reissen zu lassen, wirkt – die meisten Zuhörer verfolgen das Konzert stehend, und auch Anweisungen wie «Beide Hände Richtung Himmel!» verfehlen ihre Wirkung nicht. Selbst wenn das Orchester mit seinem engagierten Dirigenten Ludwig Wicki bisweilen Staffage zu werden droht, darf festgestellt werden: Popmusik wie jene von DJ Bobo in dieser Form zu erleben, ist selten. Die Sounds auf den Originaltracks sind oft synthetisch.

Dass jedoch das 21st Century Orchestra alle diese Sounds live spielt, ist spannend. Während Schlagzeug-Samples nur ein bisschen Speicherplatz brauchen, füllen die Röhrenglocken, Glockenspiele und Pauken auf der Bühne viele Quadratmeter. Live gespielte Instrumente haben eine analoge Qualität, die unersetzbar ist.

Zu «Life Goes On» (2016) läuft der Videoclip: Bobo ist unglücklich verliebt in Christa Rigozzi, sucht Otto Waalkes als Psychiater auf, und als sich Rigozzi und Waalkes am Traumstrand das Jawort geben, singt Bobo gelassen: Das Leben geht weiter.

Clips wie diese sind mit ein Grund für den ungebrochenen Erfolg des Popstars, der seit den Neunzigern verantwortlich für viele Kindheitserinnerungen ist: Die einen mögen im Video kulturelle Ironie erkennen, andere den Ernst des Lebens. Man fragt sich: Wie sieht das Bobo selber?

Vom Welthunger direkt zu den Vampiren

Ein einziger Stimmungsabfall ist in der ersten Hälfte zu verzeichnen: Bobo erzählt von seiner Tätigkeit als Botschafter des Welternährungsprogramms und widmet einem Projekt in Äthiopien einen Song. Dazu werden Bilder von Kindern aus der ganzen Welt gezeigt. Betroffenheit macht sich breit. Dass darauf nahtlos «Vampires Are Alive» folgt, wo eine Zeile «Sell Your Soul» lautet, entbehrt nicht eines Hauchs von Zynismus. Doch ein «Wo sind die Hände?» von Bobo reicht, und alles ist wieder im Lot.

Es ist eine perfekt getimte Show. Dennoch findet sich kleinräumige Spontaneität; immer wieder gibt es kleine Mitsing-Schulungen, die zwar kaum nötig, aber hochwillkommen sind.

Ein Highlight der zweiten Konzerthälfte ist Bobos Einlage am DJ-Pult: Er bedient das Orchester über die Regler. Damit lässt er die Musiker laut und leise spielen, ganz aufhören, einen Halbton nach oben oder unten rücken, die kleine Phrase in Dur, rückwärts, verlangsamt und in doppeltem Tempo darbieten.

Im orientalisch angehauchten «Around The World» (1998) wird der Chor Teil der Choreografie. Darüber hinaus wirkte der Teil nach der Pause etwas weniger durchkomponiert. Die Emotionen anzusprechen, darauf versteht sich DJ Bobo alias René Baumann aber allemal. Auf Nancys Auftritt als Schneekönigin mit Reifrock folgt eine Swing-Version von «Chihuahua» (2003). Dies ist die Grundlage für den Schlussspurt, der in zwei Zugaben gipfelt.

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