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LUZERN: Dringend gesucht: Förderlehrer

Schulen finden nur mit Mühe Lehrerinnen für die Integrative Förderung. Über die Hälfte unterrichtet ohne Diplom. Das darf nicht zur Regel werden, warnt ein Experte.
Yasmin Kunz
Im Kanton Luzern werden die meisten Schüler von regulären Lehrerinnen betreut – auch im Förderunterricht (Symbolbild). (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Im Kanton Luzern werden die meisten Schüler von regulären Lehrerinnen betreut – auch im Förderunterricht (Symbolbild). (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Während für das kommende Schuljahr alle Klassenlehrerstellen an den Schulen des Kantons Luzern besetzt sind (Ausgabe vom Montag), gestaltet sich die Suche nach ausgebildeten Lehrpersonen für die Integrative Förderung (IF) schwierig. Um die Stellen trotz Fachkräftemangel zu besetzen, übernehmen reguläre Lehrerinnen – in der Regel sind es Frauen – diese Aufgabe. IF-Lehrerinnen betreuen Kinder mit besonderen Bedürfnissen wie sprachlichen Defiziten oder Verhaltensauffälligkeiten. Dabei arbeiten sie eng mit den Klassenlehrern zusammen (siehe Box).

Die Schule in Neuenkirch hatte beispielsweise für das kommende Schuljahr ein 60-Prozent-Pensum ausgeschrieben. Auf diese Stelle seien zehn Bewerbungen eingegangen, wie die Schulleiterin des Kindergartens und der Primarstufe, Ruth Stofer, auf Anfrage sagt. «Kein Bewerber hatte die entsprechende Ausbildung», fügt sie an. Ähnlich tönt es aus Hochdorf. Rektor Werner Ottiger sagt: «Wir erhalten verhältnismässig wenig Bewerbungen auf IF-Stellen – und sehr wenig von Lehrern mit der passenden Ausbildung.»

Bedarf: 238 Vollzeitstellen

Die aktuellen Zahlen bestätigen, dass es im Kanton Luzern zu wenig ausgebildete IF-Lehrerinnen gibt. Nur 41 Prozent der IF-Pensen auf der Primarstufe werden von Fachkräften besetzt. In der Oberstufe ist die Situation noch angespannter: Dort verfügt nur rund ein Drittel aller IF-Lehrerinnen über ein entsprechendes Diplom. Im Kindergarten sowie auf der Basis- und der Primarstufe werden noch 192 Vollzeitstellen für Integrative Förderung benötigt, auf der Oberstufe sind es noch 46, damit alle IF-Lehrpersonen vollständig ausgebildet wären.

Roger Dettling hat eine Erklärung für diese tiefen Zahlen in der Oberstufe. Er ist Leiter des Weiterbildungsstudiengangs für Integrative Förderung an der Pädagogischen Hochschule Luzern und erklärt: «Erst seit dem Schuljahr 2015/16 wird an allen Oberstufen des Kantons Luzern die Integrative Förderung flächendeckend umgesetzt.» Dass ausgebildete IF-Lehrerinnen fehlen, liegt also auf der Hand.

Gemäss Charles Vincent, Leiter der Dienststelle für Volksschulbildung, sind im Gegensatz zum letzten Jahr die Zahlen der ausgebildeten IF-Lehrerinnen sogar etwas rückläufig. Dies liege daran, dass in mehreren Gemeinden nun auch die Stunden für Deutsch als Zweitsprache – vorher separat geführt – unter IF laufen. Diese Zusammenlegung schaffe mehr Stellenprozente pro Klasse.

Ausbildung dauert bis zu 7 Jahre

Für den Mangel an IF-Lehrpersonen gibt es gemäss Vincent mehrere Gründe: «Bei den IF-Stellen handelt es sich oft um Teilzeitpensen, und die Ausbildung erfolgt berufsbegleitend.» Will heissen: Eine Lehrerin kann die Ausbildung erst beginnen, wenn sie eine entsprechende Anstellung hat. Die Auszubildenden werden in der Statistik deshalb nicht aufgeführt. Zudem stellt Vincent fest, dass aktuell vermehrt IF-Lehrerinnen pensioniert werden.

Annamarie Bürkli, die Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands, ergänzt: «Oft ist die finanzielle Belastung zu gross, um nach der Lehrerausbildung noch die IF-Weiterbildung zu absolvieren.» Das Studium für Lehrpersonen der Integrativen Förderung dauert je nach Arbeitspensum zwischen drei und sieben Jahren. Erschwerend sei der Fakt, dass sich die Rahmenbedingungen für die IF-Lehrerinnen verschlechtert hätten, sagt Bürkli. «Die Arbeit ist äusserst anspruchsvoll, da bei der Betreuung der Kinder das familiäre Umfeld eine gewichtige Rolle spielt – das erfordert auch zahlreiche Gespräche mit den Klassenlehrern und den Eltern.» Ausserdem hätten diese Lehrerinnen je nach Grösse der Schule «oft einen zerstückelten Stundenplan, weil sie in mehreren Klassen eingesetzt werden».

Lehrer springen in Bresche

Finden Schulleitungen keine ausgebildeten IF-Lehrpersonen, werden meistens reguläre Lehrer dafür eingesetzt. So auch in Neuenkirch. Ruth Stofer sagt zur aktuellen Situation: «Erfahrene Oberstufenlehrpersonen übernehmen die Stelle. Das 60-Prozent-Pensum wurde auf verschiedene Lehrer aufgeteilt.» Das ist auch in Hochdorf der Fall. Von 70 Lektionen konnten 45 nicht mit ausgebildeten IF-Lehrerinnen besetzt werden, wie Rektor Werner Ottiger sagt. «Wir konnten erfahrene Lehrer einstellen, die schon mit der IF-Ausbildung gestartet haben oder sich bereiterklärten, diese zu beginnen.»

«Keine Lösung auf Dauer»

Integrative Förderung bedeutet, dass Schüler, die beispielsweise Lernschwächen aufweisen, Verhaltensauffälligkeiten zeigen oder hoch begabt sind, zusätzlich unterstützt werden, damit sie in einer Regelklasse unterrichtet werden können. Die Begleitung dieser Kinder im schulischen Umfeld setzt heilpädagogisches Wissen voraus. Dies ist gemäss Roger Dettling von der PH Luzern ein Teil der regulären Lehrerausbildung, «jedoch werden in den Ausbildungsstudiengängen in der Regel erst die Grundlagen dafür vermittelt». Darum stellt sich die Frage: Ist es heikel, wenn diese Kinder von ungenügend ausgebildeten Lehrern unterrichtet werden? Dettling: «Viele Lehrpersonen machen einen guten Job. Dass nicht für IF ausgebildete Lehrpersonen IF-Stunden halten, ist jedoch nur eine Lösung auf Zeit und nicht auf Dauer.» Ihnen fehle beispielsweise vertieftes Wissen im Umgang mit Kindern mit Migrationshintergrund oder Hochbegabungen.

Mehr Hintergrundwissen verlangt

Annamarie Bürkli vom Lehrerverband findet es grundsätzlich nicht bedenklich, wenn Regellehrpersonen IF unterrichten. Sie sagt: «Lehrpersonen bringen viel Erfahrungen mit lernschwachen Kindern mit – punktuell können sie also unterstützen. Einige Lehrer wünschten sich aber mehr heilpädagogisches Hintergrundwissen, um den Förderauftrag professionell erfüllen zu können.»

Gemäss Dienststellenleiter Charles Vincent sind Schulleitungen dazu angehalten, Lehrer, die IF unterrichten, für die entsprechende Ausbildung zu verpflichten. Dies geschehe aber erst zu einem Teil, ergänzt PH-Experte Dettling. Für die Schulleitungen habe dies keine konkreten Folgen, so Vincent. IF-Lehrerinnen und -lehrer ohne Ausbildung würden jedoch nicht die volle Besoldung erhalten. Ein Beispiel: Eine Primarlehrerin, die IF unterrichtet, aber die Ausbildung nicht hat, ist eine Lohnklasse tiefer eingestuft als eine Lehrerin mit Diplom. Das heisst, sie verdient jährlich zwischen 3000 und 4000 Franken weniger als eine ausgebildete Lehrerin für die Integrative Förderung.

Yasmin Kunz

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