LUZERN: Dringend gesucht: Höfe für junge Bauern

Die Nachfrage übersteigt das Angebot: Nur gut ein Dutzend Höfe stehen im Kanton pro Jahr zum pachten oder kaufen frei. Das geht auf Kosten der Jungbauern.

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Nach langem Warten hat er seinen Traum verwirklichen können. Seit einigen Monaten besitzt David Bühlmann (24) in Altishofen einen 15 Hektaren grossen Hof. (Bild Eveline Beerkircher)

Nach langem Warten hat er seinen Traum verwirklichen können. Seit einigen Monaten besitzt David Bühlmann (24) in Altishofen einen 15 Hektaren grossen Hof. (Bild Eveline Beerkircher)

Betriebe verschwinden, Bauern klagen. Es fehlt der Nachwuchs. Doch es gibt auch die andere Seite der Landwirtschaft: Junge Landwirte wollen bauern, träumen von der Selbstständigkeit und suchen über Monate nach Bauernhöfen. Doch finden tun sie keine.

Pro Jahr verschwinden 50 Höfe

Im Kanton Luzern erhalten derzeit rund 4600 Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen, jedes Jahr verschwinden über 50 aufgrund von Schliessungen oder Zusammenlegungen. «Nur ein paar wenige Bauernhöfe kommen allerdings auf den freien Markt zum Verkauf oder zur Pacht», sagt Markus Höltschi, Prorektor des Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung Hohenrain. Jährlich seien es im Durchschnitt vielleicht gut ein Dutzend. Doch die Nachfrage ist grösser: Zwischen 100 und 110 Luzerner lassen sich pro Jahr zu Landwirten ausbilden – und träumen von einem eigenen Betrieb. «Die grosse Mehrheit unserer Schüler macht zwar mit der Absicht die Ausbildung, einmal den Familienbetrieb des Vaters oder Onkels weiterzuführen», sagt Höltschi. Doch auf 20 bis 30 Abgänger trifft dies nicht zu. Sie sind gezwungen, sich auf dem freien Markt den Traum vom eigenen Hof zu erfüllen. «Ganz wenigen gelingt dies, vielleicht zweien oder dreien pro Jahrgang.»

David Bühlmann (24) hat es geschafft. Der Rothenburger fand im vergangenen Jahr in Altishofen einen Bauernhof. 30 Kühe, 50 Schweine, 15 Hektaren Land sind sein Eigentum. Vier Jahre hat er zuvor schon für den Betrieb gearbeitet.

«Es braucht das nötige Kleingeld»

«Es war ein Riesenzufall», sagt Bühlmann, der dieses Jahr die eidgenössische Berufsprüfung bestand und sich nun zum Meisterlandwirt ausbilden lässt. Er kenne Gleichaltrige, die seit Jahren nach einem «solchen Glückstreffer» suchen. Landwirtschaftsflächen und Höfe seien im Kanton Luzern vor allem eins: Mangelware. Die Gründe dafür kennt Markus Höltschi. «Bei uns dominiert die Tierhaltung. Die Landwirte sind darauf angewiesen, eine grosse Landfläche zu haben, um die Gülle zu verteilen.» Auch darum würden Höfe oft gar nicht auf den freien Markt kommen, sondern unter Nachbarbetrieben aufgeteilt. «Oder es findet sich in der Familie ein geeigneter Nachfolger.»

Auch Bühlmann ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Doch für ihn und seine zwei Brüder – beide Landwirte – gibt der Betrieb zu wenig her. Also machte sich der Älteste auf die Suche.

Wird im Kanton Luzern ein Bauernhof zur Pacht oder zum Verkauf ausgeschrieben, melden sich laut Höltschi gut und gerne bis zu 50 Interessenten. Dass es da für Jungbauern schwierig wird, liegt auf der Hand. «Es braucht das nötige Kleingeld.» Zwar lege der Kanton für jeden Hof beim Preis eine Obergrenze fest. Unter anderem sind für die Berechnung die Ertragskraft und die Grösse entscheidend. Die Obergrenze soll verhindern, dass landwirtschaftliche Betriebe zu Investitionsgütern werden. «Doch auf dem freien Markt kostet ein Hof samt Inventar schnell mal 1,5 oder 2 Millionen Franken oder mehr.» Und dann hat man noch lange nichts Pompöses gekauft.

Denn die Preise für Höfe, die nicht innerhalb der Familie verkauft werden, richten sich nach dem Verkehrswert der Liegenschaft. Also nach jener Summe, für die eine Liegenschaft gleicher oder ähnlicher Grösse und Lage in der betreffenden Gegend verkauft werden kann. Dieser Wert liegt in etwa drei oder vier Mal höher als der Ertragswert, welchen Familienmitglieder für den gleichen Hof zahlen würden.

Doch, was geschieht mit jenen Jungbauern, die keinen Hof für sich finden? Arbeitslose Schulabgänger gebe es nicht, sagt Höltschi. «Einige machen eine zweite Lehre, andere bilden sich weiter, etwa an Hochschulen oder Fachhochschulen.» Auch seien viele gelernte Landwirte in landwirtschaftsnahen Betrieben beschäftigt, im Futtermühlenbereich oder im Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten. Dies heisst aber auch, dass sie ihren Traum vom Bauern aufgeben müssen? «Nicht zwingend», sagt Höltschi. «Auf den landwirtschaftlichen Grossbetrieben hat es genügend Arbeit.

Verband: Angst vor Hobbybauern

Dass Höfe im Kanton gesucht sind, ist auch Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands bekannt. Dennoch habe man nach wie vor zu wenig Betriebsnachfolger, sagt er. Pro Jahr würde in etwa bei 130 Betrieben ein Generationenwechsel anstehen. Ausgebildet würden aber derzeit nur gut 120 neue Landwirte. «Von denen wiederum bleiben nicht alle in der Landwirtschaft», sagt Heller. Dass Jungbauern also keine Betriebe finden, erachte er weniger als Problem. «Die Frage ist mittelfristig vielmehr, ob wir genügend professionelle Landwirte haben, die nicht nur nebenbei diesem Job nachgehen.»

Christian Hodel