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LUZERN: Dringend gesucht: Schwimmlehrer

Schwimmen lernen: Solche Kurse liegen im Trend. Schwimmschulen haben jedoch Mühe, genügend Leiter zu rekrutieren. Braucht es eine anerkannte Berufslehre?
Die Kinder streben das Schwimm-Abzeichen «Krebs» an: Kursleiterin Nalin Pettersson von der Nebikoner Schwimmschule Aqua-Vision beim gestrigen Unterricht im Freibad Zofingen. (Bild Pius Amrein)

Die Kinder streben das Schwimm-Abzeichen «Krebs» an: Kursleiterin Nalin Pettersson von der Nebikoner Schwimmschule Aqua-Vision beim gestrigen Unterricht im Freibad Zofingen. (Bild Pius Amrein)

Yasmin Kunz

An diesen Hitzetagen kann man draussen fast nur eine Sportart betreiben: Schwimmen. Ein Sport, der gelernt sein will. Deshalb sind viele Schwimmschulen in der Region regelmässig ausgebucht. Von rund 80 000 Kindern im Vorschulalter besuchen heuer ungefähr 50 000 einen Schwimmkurs, wie Barbara Moosmann, Geschäftsführerin von Swiss Swimming, dem nationalen Fach- und Dachverband für die Bewegung im Wasser, auf Anfrage sagt. «Die Nachfrage ist sehr gross. Prozentual allerdings nicht höher als in den Vorjahren. Doch weil die Bevölkerung ständig wächst, gibt es auch mehr Kinder.»

Hilfsleiter springen in Bresche

Kinder und Jugendliche, die jetzt in einer Schwimmschule Kurse belegen, können sich glücklich schätzen. Denn: Luzerner Schwimmschulen haben Mühe, Schwimmleiter zu rekrutieren.

Gabriella Herzog (54), die seit 14 Jahren als Schwimmleiterin auf dem Campus Sursee, in Rathausen und Nottwil arbeitet, sagt: «Man findet kaum mehr jemanden, der diesen Job machen will.» Ähnlich tönt es aus Nebikon von Uschi Zust (47), die Gründerin und Mitinhaberin der Schwimmschule Aqua-Vision: «Es ist vor allem ausserhalb der Sommersaison schwierig, genügend Schwimmlehrer zu finden.» Im Sommer könne sie beispielsweise auf Studenten zurückgreifen, die als Hilfsleiter einen Sommereinsatz tätigen. Michel Fumali (43), Zusts Lebenspartner und Geschäftsführer von Aqua-Vision, sagt zur aktuellen Situation: «Wir könnten an unseren 15 Standorten in der Zentral- und Deutschschweiz noch vier bis fünf Schwimmlehrer gebrauchen, doch der Markt ist ausgetrocknet.» Während der Sommerferien erwartet die Schwimmschule rund 300 Kinder, und auch externe Schwimmlehrer stehen im Einsatz.

Landesweit gibt es rund 400 Schwimmschulen. Im Kanton Luzern sind es mehrere Dutzend, eine genau Auflistung gibt es nicht. Schwimmlehrer werden in der Regel im Stundenlohn bezahlt. Dieser variiert von Schule zu Schule, ist abhängig vom Ausbildungsniveau und bewegt sich zirka zwischen 30 und 60 Franken.

Warum ist es derart schwierig, Schwimmlehrer zu finden? Den Grund für das fehlende Interesse an dieser Tätigkeit vermutet der neu gegründete Verband Schwimmschulen Schweiz (VSCH) in der Ausbildung. «Wir haben keine Berufsanerkennung», sagt Verbandspräsidentin Gabriella Herzog dazu. Es gebe lediglich Weiterbildungen in diesem Bereich. So könnten gemäss VSCH auch Personen ohne Schwimmkenntnisse Kinder unterrichten. Dass dies möglich ist, bestätigt auch Michel Fumali. Er und seine Partnerin stellen aber, sofern möglich, nur ausgebildete Schwimmlehrer ein. Aufgrund des mangelnden Angebots, stellen sie auch Neulinge ein. Diese müssen aber mindestens das Brevet der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) besitzen, bevor sie ein Praktikum absolvieren können. Anschliessend verlangt Aqua-Vision, dass sie eine Ausbildung zum Schwimmlehrer absolvieren.

Neuer Verband will Lehre anbieten

Obschon es mehrere Wege gibt, Schwimmlehrer zu werden, plant der VSCH noch einen weiteren Ausbildungsweg: Er will eine Lehre Fachfrau/Fachmann Betreuung Schwimmen EFZ aufgleisen. Gabriella Herzog argumentiert: «Der Verband Swiss Swimming existiert seit fast 100 Jahren und noch immer gibt es keine einheitliche Ausbildung für Schwimmleiter. Das muss sich ändern.»

Barbara Moosmann von Swiss Swimming entgegnet: «Wir haben bereits anerkannte Ausbildungen. Demzufolge braucht es nichts Neues.» So kann man beispielsweise bei Swiss Swimming das Diplom zum eidgenössischen Schwimmsportlehrer absolvieren. Der VSCH ist allerdings der Ansicht, dass diese Ausbildung nicht tiefgründig genug ist «und deshalb braucht es eine Lehre», so die Präsidentin. Dass der VSCH in die Bildung investieren will, findet Moosmann löblich, doch sieht sie geringe Chancen für diese neue Lehre: «Im Alleingang ist es praktisch unmöglich, etwas Derartiges auf die Beine zu stellen.» Der nationale Verband werde dieses Vorhaben jedenfalls nicht unterstützen, so Moosmann.

Beim neuen Verband Schwimmschulen Schweiz ist man indes überzeugt, dass sich das Schwimmleiter-Image dank Lehre verbessern würde. Doch noch steht das Projekt auf wackligen Beinen. Grund: Der Bund hat bis dato noch kein grünes Licht gegeben. Dennoch hat der Verband für das Schuljahr 2015/16 bereits vier Lehrlinge am Start. Einer davon ist Ardijan Shehu (17) aus Emmen. «Ich liebe die Arbeit mit Kindern, und zudem schwimme ich sehr gerne.» Dass es noch offen ist, ob er diese Lehre je starten wird, macht ihm Sorgen. «Ich hoffe fest, dass es klappt.» Trotzdem habe er einen Plan B, falls das Projekt ins Leere läuft. Auch Deniel Cortes (15) aus Luzern ist etwas besorgt. «Ich würde mich mega freuen, wenn ich diese Lehre machen könnte. Ansonsten muss ich was anderes suchen.»

Verschiedene Ausbildungswege

Swiss Swimming bietet eine vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation anerkannte Ausbildung an: der eidgenössisch diplomierte Schwimmsportlehrer. Als Voraussetzung für den Beginn einer Ausbildung gilt eine gültige Wasserrettungsausbildung. Der Verband Swiss Swimming bietet zusätzlich, zusammen mit dem Bund, eine Ausbildung für Leistungssporttrainer an.

Weiter kann bei der Vereinigung Swimsports unter anderem die Ausbildung zum Schwimminstruktor gemacht werden, welche im Kanton Zürich sogar dem Lehrdiplom gleichgestellt wird.

Auch Jugend und Sport, die Sportförderung des Bundes, bietet verschiedene Lehrgänge: vom Leiterkurs bis hin zum Diplom-Trainerlehrgang.

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