Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Drohnen: Fliegende Augen im Gesetzesnebel

Hobbypiloten stehen immer leistungsfähigere unbemannte Fluggeräte zur Verfügung. Auf den ungebrochenen Trend zur Freizeitdrohne reagiert der Bund mit Gesetzen. Ein Luzerner Profi klärt auf, was noch erlaubt ist.
Urs-Ueli Schorno
Jemand fliegt eine Foto-/Film-Drohne im Gebiet Allmend in Luzern. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein (Luzern, 13.06.15))

Jemand fliegt eine Foto-/Film-Drohne im Gebiet Allmend in Luzern. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein (Luzern, 13.06.15))

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Der stark wachsende Absatz von Drohnen hat in den vergangenen Jahren zu gesetzlichen Anpassungen geführt. Etwa durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), das kürzlich eine Drohnenkarte publiziert hat, die bewilligungspflichtige und verbotene Flugzonen eindeutig ausweist (siehe Box). Neben der Flugsicherheit geht es im Privatrecht und beim Datenrecht auch darum, den Ärger mit Nachbarn und Anwohnern zu regeln, die sich in ihrer Privatsphäre von surrendem Hightech-Spielzeug gestört fühlen. Beim Datenschutz wiederum geht es um das Anfertigen von Bild- und Tonmaterial, dessen Speicherung und Veröffentlichung – etwa in den sozialen Medien. Zwischen Freizeit- und Profipiloten wird dabei vom Gesetzgeber nicht unterschieden.

Emanuel Ammon ist von der zweiten Sorte. Der 66-jährige Luzerner gehört mit seiner Firma Aura zu den Pionieren der professionellen Drohnenfotografie. Er konnte von den technischen Eckdaten moderner Fluggeräte nur träumen, als er vor zehn Jahren zum ersten Mal ein mit einer billigen Kamera ausgestattetes Fluggerät über der Stadt Luzern aufsteigen liess. «Unsere erste Drohne kostete damals rund 40000 Franken. Sie ist heute in unserem Büro als Dekoration aufgehängt.» Kaufen wird das Gerät niemand mehr. Denn heute bekommt man bereits für 1000 Franken eine Drohne mit GPS, automatischen Stabilisierungs- und Distanzmessungssensoren und hochauflösender, stabilisierter Kamera. Im Prinzip kann diese ohne Sichtkontakt und bis in 1000 Meter Höhe geflogen werden – erlaubt sind aber je nach Zone nur zwischen 150 und 300 Meter auf Sicht. «Die Geräte sind heute derart hoch technisiert, dass der Pilot nicht mehr fliegen können muss», sagt Ammon. Die Konsequenz: «Versagen für einmal die automatischen Flughilfen, dann stürzt die Drohne ab.» Ammons Ansicht nach hängt die aktuelle Gesetzesflut damit zusammen, dass das Hightech-Spielzeug frei erworben und ohne entsprechende Ausbildung und Schulung geflogen werden darf.

Stadt Luzern bleibt Profis vorbehalten

So sind Aufnahmen in der Stadt Luzern, mit denen für Ammon damals alles begann, nur mehr mit einer Bewilligung möglich, die für jeden einzelnen Flug eingeholt werden muss. Wie Sarnen, Erstfeld, Triengen oder Beromünster liegen weite Teile der Stadt Luzern im Umkreis von 5 Kilometer eines Flugplatzes, wo grundsätzlich Bewilligungspflicht herrscht. Zwar habe er sich zuvor bei den zuständigen Stellen im Voraus informiert, es sei aber komplizierter geworden. «Oft dauert es dann 14 Tage, bis man eine Bewilligung bekommt. Gerade für die Pressefotografie ist das oft viel zu lang.»

Schade findet Ammon auch, dass bei Sportveranstaltungen kaum mehr Luftaufnahmen möglich sind – wegen des gesetzlichen Mindestabstands von 100 Metern zu grossen Menschenansammlungen. Allerdings hatte dort auch ein Berufskollege Ammons seiner Zunft einen Bärendienst erwiesen: Bei einem Skirennen 2015 in Italien verlor ein Kameramann seine Drohne, die knapp hinter Skirennfahrer Marcel Hirscher einschlug. Daraufhin schränkten viele Veranstalter den Einsatz ein. Wenn selbst Profis gewisse Risiken nicht ausschliessen können, dann eigneten sich solche Anlässe für Hobbyflieger kaum.

Rücksicht und Weitsicht beim Fliegen

Doch Ammon sieht durchaus Raum für private Anwendungen. «Auch ich bin oft für private Projekte unterwegs», betont er. Wichtig ist ihm dabei, einige Grundregeln zu beachten: «Mich sieht man nie an einem Sonntagnachmittag in der Nähe von Wohngebieten fliegen, wenn alle Leute zu Hause sind.» Gleiches gelte für laue Sommerabende, wenn die Menschen in den Gärten ihren Feierabend geniessen. Es sei zwar nicht möglich, immer alle Personen zu informieren, aber als Pilot sei man ja ansprechbar. «Zudem reagieren viele auch positiv, wenn sie einen Flieger sehen, und unterhalten sich gerne mit dem Piloten.»

Er notiert sich auch die Namen von fotografierten Personen. So kann er sie bei einer allfälligen Veröffentlichung im Vorfeld kontaktieren. Denn gerade bei kommerzieller oder gewerblicher Verwendung ist es Pflicht, dass eindeutig erkennbare Personen ihr Einverständnis geben. Auch Besitzer überflogener Grundstücke müssen informiert werden. Für gewerbliche Aufnahmen gilt zudem vielerorts eine Bewilligungspflicht. «Das gilt auch für Hobbyflieger, die einem Unternehmen ihre Aufnahmen gratis zur Verfügung stellen.» Wenig Bedenken hat er bei Luftaufnahmen auf dem Land, zum Beispiel auf einer freien Wiese. Ambitionierten Amateuren empfiehlt er auch den Drohnensport, wo im geschützten Rahmen auch das Fliegen per Display oder Brille trainiert werden kann. Dies ist sonst nur erlaubt, wenn ein zweiter Pilot mit Sichtkontakt in den Flug eingreifen kann.

Allerdings gibt es auch auf menschenleeren Landflächen Regeln. Das Bazl musste gerade seine Gefahrenkarte nachbessern: So sind dort neu auch Jagdbanngebiete eingezeichnet. In einigen Kantonen gab es Vorfälle, bei denen die Wildruhe verletzt wurde. Nicht so in Luzern: «Im Eidgenössischen Jagdbanngebiet Tannhorn haben wir bisher noch keine Drohnenflüge feststellen müssen», sagt Wildhüter Daniel Schmid. Man will jedoch die Entwicklung weiter beobachten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.