LUZERN: Droht ein zweiter Fall «Gütsch»?

Die Credit Suisse will das Hotel Palace loswerden. Das weckt Erinnerungen an das Trauerspiel mit dem «Gütsch». Der Stadtpräsident hofft nun auf einen Mäzen.

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Innenaufnahme aus dem Hotel Palace in Luzern. Das Fünfsternehaus steht zum Verkauf. (Bild Roger Grütter)

Innenaufnahme aus dem Hotel Palace in Luzern. Das Fünfsternehaus steht zum Verkauf. (Bild Roger Grütter)

Robert Knobel und Sandra Monika Ziegler

Die Credit Suisse (CS) plant, das Luzerner Fünfsternehotel Palace zu verkaufen («Zentralschweiz am Sonntag» vom 4. Oktober). Das «Palace» ist eines von mehreren Hotels in einem CS-Immobilienfonds – und diesen «Beherbergungs-Anteil» wolle man nun verkleinern, heisst es bei der Grossbank. Der Hintergrund ist klar: Als Renditeobjekte sind grosse Luxushotels zu wenig interessant, die Erträge zu unsicher. Tatsächlich gilt das «Palace» Luzern seit Jahren als Sorgenkind der Betreiberfirma Victoria Jungfrau Collection, die neben dem «Palace» noch drei weitere Schweizer Luxushotels betreibt. Die Victoria Jungfrau Collection, welche für das Hotel Palace jährlich 2 bis 3 Millionen Franken Miete bezahlt, sah sich sogar veranlasst, bei der CS um eine Mietreduktion zu ersuchen.

Für das Hotel Palace gibt es bereits mehrere Kaufinteressenten, die Angebote im mittleren zweistelligen Millionenbereich einreichten. Die Verkaufsabsichten für eines der altehrwürdigsten Luxushotels der Stadt Luzern haben inzwischen auch Stadtpräsident Stefan Roth auf den Plan gerufen. Er wolle sich für eine «Luzerner Lösung» einsetzen, erklärt er auf Anfrage. Die leidigen Erfahrungen mit dem Château Gütsch, das jahrelang geschlossen blieb, wolle man nicht nochmals erleben, so Stefan Roth. «Aus diesem Grund luden wir die Verantwortlichen der CS zu einem konstruktiven Gespräch nach Luzern ein.» Dabei habe man den Vertretern der Grossbank dargelegt, dass das «Palace» nicht irgendein Immobilienobjekt unter vielen sei, sondern für die Identität der Stadt Luzern von grosser Wichtigkeit.

Vorbild Samih Sawiris

«Investoren sollen sich mit dem Spirit unserer Stadt identifizieren und im Hotel Palace nicht nur ein Renditeobjekt sehen», so Stefan Roth. Wie das geht, zeigen laut dem Stadtpräsidenten die Beispiele von Samih Sawiris in Andermatt und Peter Pühringer in Vitznau. «Dort sind Investoren am Werk, die sich finanziell langfristig und auch gesellschaftlich und kulturell engagieren. Das stellen wir uns auch fürs ‹Palace› vor.» Was ein mögliches Engagement von Sawiris in Luzern betrifft, winkt Orascom-Verwaltungsrat Franz Egle allerdings gleich ab: «Das Hotel Palace passt nicht ins Geschäftsmodell von Samih Sawiris.» Der ägyptische Investor habe sich darauf spezialisiert, ganze Gebiete touristisch zu entwickeln.

Neue Vorschriften als Hindernis?

Doch für wen könnte das «Palace» überhaupt attraktiv sein – zumal die CS das Hotel ja gerade wegen mangelnder Rendite loswerden will? Im Fall des «Palace» kommt für potenzielle Investoren neuerdings ein weiteres Hindernis dazu: Mit der neuen Bau- und Zonenordnung (BZO), die seit 2014 in Kraft ist, befindet sich das Hotel in der sogenannten Tourismuszone. Das heisst: Der Besitzer des Gebäudes ist verpflichtet, immer einen Hotel- und Gastrobetrieb aufrechtzuerhalten. Eine teilweise Umnutzung, etwa für Luxuswohnungen, ist zwar erlaubt, aber nur auf maximal 20 Prozent der Fläche. Die betroffenen Hotelbesitzer äusserten im Vorfeld der BZO die Befürchtung, dass dies den Wert ihrer Immobilien mindere. Denn ein Kaufinteressent wäre wohl eher bereit, tiefer in die Tasche zu greifen, wenn die Option besteht, die Hotelzimmer irgendwann in lukrative Privatresidenzen umzuwandeln. «Die Käufer wissen, woran sie sind. Die BZO schafft klare Verhältnisse», sagt dazu Daniel von Arx, stellvertretender Direktor der Luzerner Kantonalbank.

Luzerner Investor bot zu tief

Allerdings: Im Falle von noblen Fünfsternehäusern liege der Fokus von Kaufinteressenten oftmals gar nicht auf der reinen Rendite, sagt Markus Schmidiger, Studienleiter und Immobilienspezialist am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ. «Wer in Fünfsternehotels investiert, hat oft andere Motive.» Gerade alte, traditionsreiche Häuser seien dem Prestige des Besitzers förderlich. «So ein Hotel bietet eine gute Plattform, sich zu präsentieren.» Das würde dann in Richtung des «Mäzens» gehen, den sich Stadtpräsident Roth für Luzern wünscht. Ein solcher ist beim «Palace» auch tatsächlich als Kaufinteressent aufgetreten. Es handelt sich um einen bekannten Luzerner Unternehmer, der aber in diesem Fall anonym bleiben will. Die Grossbank CS lehnte sein Gebot allerdings ab – es war ihr zu tief.