LUZERN: Droht Verteilkampf um KKL-Nutzung?

Einheimische Ver­anstalter dürfen das KKL zu Sonder­konditionen nutzen – und sparen dadurch viel Geld. Doch diese Privilegien könnten künftig aufgeweicht werden.

Hugo Bischof
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Das World Band Festival fühlt sich von der Stadt alleingelassen: Bild von einem Konzert vor zwei Jahren. (Archivbild Neue LZ)

Das World Band Festival fühlt sich von der Stadt alleingelassen: Bild von einem Konzert vor zwei Jahren. (Archivbild Neue LZ)

An einer genau festgelegten Anzahl von Tagen können Luzerner Vereine und Konzertveranstalter das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) zu stark vergünstigten Bedingungen mieten (siehe Kasten). Das System der speziellen Nutzungsrechte existiert seit Bestehen des KKL. Es ist eine Gegenleistung für die finanzielle Unterstützung der Stadt Luzern bei Bau und Unterhalt des KKL. Profitieren davon können in erster Linie Veranstalter mit Bezug zur Stadt ohne kommerzielle Interessen.

Lucerne Festival grösster Profiteur

Wer alles in den Genuss der KKL-Nutzungsrechte kommt, ist im Detail nicht bekannt. «Die Nutzerliste ist nicht öffentlich», sagt dazu Rosie Bitterli, die Kulturchefin der Stadt Luzern. Kein Geheimnis ist aber, wer der grösste Nutzniesser ist. Es ist, wie im Reglement explizit festgehalten, das Lucerne Festival, das die KKL-Säle jährlich während rund sieben Wochen zu vergünstigten Konditionen nutzen darf. Auch das Luzerner Sinfonieorchester erhält pro Jahr während total 24 Tagen vergünstigten Zugang. Weitere nutzungsberechtigte Vereine sind die Stadtmusik Luzern, die Brass Band Bürgermusik Luzern, die Feldmusik Luzern oder das Stadtorchester Luzern. Aber auch Veranstaltungen wie zum Beispiel das Europa-Forum können Nutzungsrechte im KKL beanspruchen.

Die vergünstigten Nutzungsrechte sorgten bei vielen Luzerner Vereinen zu einem richtigen Aufschwung. Während einige im früheren Kunsthaus oft ein Defizit erwirtschafteten und deshalb auf eine konservativere Programmierung setzten, können sie sich nun im KKL auch anspruchsvollere Projekte erlauben.

Nutzung wird ausgeschrieben

Dass das Nutzungsrechtesystem weiter bestehen soll, ist deshalb unbestritten – auch bei den Verantwortlichen der städtischen Kulturförderung. Dennoch lässt ein Passus in der Kulturagenda 2020, dem 46-seitigen Planungsbericht des Stadtrats zur städtischen Kulturpolitik der kommenden Jahre, aufhorchen. Das heutige System solle «vor allem für Berechtigte, die Veranstaltungsreihen durchführen, durch ein ausschreibungsbasiertes System ersetzt werden», steht hier geheimnisvoll. Was heisst dies konkret? «Es geht darum, Nutzungsrechte für Veranstaltungsreihen künftig auszuschreiben, anstatt sie wie bisher fest zu vergeben», sagt dazu Kulturchefin Rosie Bitterli.

Welche Auswirkungen dies genau hätte, darüber lässt sich nur spekulieren. Für Veranstalter grösserer Konzertserien könnte es bei der Vergabe von Nutzungsrechten vermehrte Konkurrenz bedeuten – vielleicht gar eine Reduktion der bisherigen Privilegien. Nicht betroffen davon wären laut Bitterli die zwei grossen klassischen Konzert-ver­anstalter Lucerne Festival und LSO.

Auswirkungen haben könnte es aber für andere einheimische Veranstalter von Konzertreihen, etwa das World Band Festival, das Blue Balls Festival, den Jazz Club Luzern, die Musikhochschule und die Festival Strings Lucerne, mit denen zurzeit spezielle Vereinbarungen bestehen. «Ein Teil ihrer Nutzungsrechte müsste dann neu ausgeschrieben werden», bestätigt Bitterli. Sie warnt aber vor verfrühten Ängsten. «Entschieden ist noch nichts, alles ist noch in der Planungsphase.»

World Band Festival will mehr

Beim World Band Festival Luzern reagiert man wenig erfreut auf die geplante Änderung. «Wir möchten nicht weniger, sondern mehr Nutzungsrechte im KKL als bisher», sagt Festival-Direktor Werner Obrecht. Zurzeit darf das World Band Festival für insgesamt drei Konzerte das KKL vergünstigt mieten. «Wir möchten zwei mehr», sagt Obrecht, «und zwar im grossen Konzertsaal, nicht im Luzerner Saal; nur so zahlt sich das für uns auch wirklich aus.» Das Anliegen sei bei der Stadt seit einigen Jahren deponiert – bisher ohne Erfolg.

Die 16. Ausgabe des World Band Festival Luzern ist eben erst mit grossem Erfolg über die KKL-Bühne gegangen: 20 000 Besucher an 14 Konzerten mit einer durchschnittlichen Auslastung von 90 Prozent. Die Nutzungsrechte seien für das Gesamtbudget der Veranstaltung wichtig, sagt Obrecht. Er nennt eine konkrete Zahl: «An einem Abend mit Nutzungsrecht sparen wir rund 8000 Franken an Saalmiete.»

«Das kostet uns einiges»

Wenn schon von Zahlen die Rede ist, muss die Frage gestellt werden: Was sagt der World-Band-Festival-Direktor dazu, dass sein Festival auch kommerziell ausgerichtet ist – was dem Grundgedanken der KKL-Nutzungsrechte eigentlich widerspricht? «Wenn wir keinen Gewinn generieren, können wir nicht in die Zukunft investieren, und dann gibt es uns in einigen Jahren nicht mehr», antwortet Werner Obrecht. Es sei wichtig, dem Publikum immer wieder Neues zu bieten. «Dieses Jahr hatten wir Formationen aus Neuseeland, Russland, Kanada, den USA und aus China; das ist spannend, kostet uns aber einiges.»

Obrecht spart in diesem Zusammenhang nicht mit Kritik an der Stadt: «Luzern präsentiert sich bei jeder Gelegenheit als Festivalstadt, doch wenn es um die konkrete Unterstützung geht, hapert es oft.» Erst gerade vor zwei Jahren habe die Stadt den jährlichen Beitrag ans World Band Festival von 141 000 auf 71 000 Franken gekürzt – künftig sollen die Subventionen allerdings wieder ansteigen. Das World Band Festival gehört zu den neun Topevents der Stadt Luzern – zusammen mit den anderen grossen Musikfestivals und einigen Sportevents wie etwa der Ruderwelt Luzern.

Ob und wie genau die Systemanpassung bei den Nutzungsrechten erfolgen wird, steht noch nicht fest. Luzerns Stadtparlament nahm die Kulturagenda 2020 zwar vor kurzem zustimmend zur Kenntnis. Die einzelnen darin enthaltenen Massnahmen müssen aber im Detail noch ausgearbeitet werden.

3188 Franken für KKL-Miete

Nutzungsrechte hb. Einheimische Vereine und Veranstalter dürfen das KKL zu vergünstigten Konditionen nutzen. Berechtigt sind «Organisationen mit Sitz in der Stadt Luzern, die kulturelle und/oder gesellschaftliche Leistungen im öffentlichen Interesse erbringen, keine kommerziellen Interessen haben und aufgrund ihrer Tätigkeit und Trägerschaft eng mit der Stadt Luzern verbunden sind», wie es im Reglement heisst. In der Regel geht es um eine Veranstaltung pro Jahr. Es gibt aber Grossveranstalter, die während Tagen oder gar Wochen in den Genuss von Vergünstigungen kommen – etwa das Lucerne Festival.

Dauer

An total 108 Tagen im Jahr steht der KKL-Konzertsaal Stadtluzerner Vereinen und Organisationen zum vergünstigten Tarif zur Verfügung. Im Luzerner Saal sind es 36 Tage und im Auditorium 18.

Preise

Für Nutzungsberechtigte kostet die Miete des KKL-Konzertsaals pro Abend 3188 Franken (Freitag/Samstag 3611 Franken). Im Luzerner Saal sind es 2089 Franken (Freitag/Samstag 2476 Franken), im Auditorium 990 Franken (Freitag/Samstag 1135 Franken). Dazu kommen Zusatzkosten für weitere Leistungen wie die Nutzung von Geräten. Externen Veranstaltern ohne Nutzungsberechtigung werden deutlich höhere Mietkosten verrechnet. Genaue Zahlen dazu sind beim KKL nicht erhältlich.

Wer darüber entscheidet

Zuständig für die Vergabe der Nutzungsrechte ist eine vom Stadtrat gewählte Kommission. Präsidiert wird sie zurzeit vom Luzerner Rechtsanwalt Franz Fischer. Derzeitige Mitglieder sind neben den zwei Vertretern der Stadt (Kulturchefin Rosie Bitterli und Verena Omlin von der Kulturförderung) Michael Häfliger (Intendant Lucerne Festival), Hans E. Koch (Direktor KKL), Numa Bischof (Intendant Luzerner Sinfonieorchester), Armin Meienberg (Präsident IG Kultur), Bernhard Etienne (Unternehmer/Kunstförderer) und Max Tschopp (Vertreter/Blasmusikcorps/Chöre).