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LUZERN: Durststrecke für Schweinemastbetriebe

Schweinefleisch ist so günstig wie selten — trotz immer besserer Qualität. Schuld ist der gnadenlose Verdrängungsmarkt, vor allem im «Schweinekanton» Luzern.
Schweinezucht bei Bauer Andreas Boog in Rickenbach. (Bild: Dominik Wunderli)

Schweinezucht bei Bauer Andreas Boog in Rickenbach. (Bild: Dominik Wunderli)

Charly Keiser

Der Preis für Schlachtschweine ist mächtig unter Druck. Noch Mitte 2014 lag der Kilopreis bei 4.70 Franken und brach bis Ende Jahr auf nur noch 3.20 Franken ein. Nach einer Preiserholung auf 3.80 Franken im Juli dieses Jahres wird seit dieser Woche erneut nur noch 3.20 Franken pro Kilo auf das Konto der Schweineproduzenten überwiesen. Das ist im Kanton Luzern mit mehr Schweinen als Einwohnern deutlich zu spüren.

«Da spielt der Markt», liefert Ivo Wolfisberg vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband den Grund für den Preiszerfall. Genau genommen sei in der Preisentwicklung deutlich der sogenannte Schweinezyklus zu erkennen. Bei hoher Nachfrage wird die Produktion in der Schweinemast hochgefahren. Bis das Fleisch in der Kühltheke liegt, dauert es aber eine Weile. Die gleiche Verzögerung ist auch bei einer nachlassenden Nachfrage festzustellen: Bis die Produktion von Mastferkeln gedrosselt wird, herrscht auf dem Markt schon längst ein Überangebot, was die Preise drückt. Erst wenn einige Produzenten aufgeben, pendelt sich das Angebot ein. «Der Schweinezyklus hat früher drei Jahre betragen», erklärt Wolfisberg und ergänzt: «Doch heutzutage dauert er eher fünf Jahre. Und dabei sind die Phasen der Tiefpreise länger als die der Hochpreise.»

Immer weniger Schweinehalter

Ein Blick in die Statistik zeigt, warum die Phasen länger werden. Hielten im Kanton Luzern im Jahr 1973 noch 7183 Schweinehalter 386 367 Schweine, waren es 40 Jahre später nur noch 1907 Halter, welche die 413 967 Schweine in ihren Ställen hatten (Tabelle). Das bedeutet: Die Grösse der Schweinemastbetriebe hat zugenommen. Aber nicht nur, wie Wolfisberg erklärt. Denn Zuchtfortschritte führen zu immer mehr Ferkeln pro Muttersau. «Der Zuwachs liegt im Moment bei 0,3 lebendgeborenen Ferkeln pro Jahr.» Die Zucht werde heutzutage kaum mehr ausgebaut, fügt Wolfisberg an – die Investitionen lägen mehrheitlich beim Ersatz von veralteten Mastanlagen. «Klar ist», betont er, «der Schweinemarkt ist ein Verdrängungsmarkt.» Ein Umstieg, zum Beispiel auf die Geflügelzucht, sei nicht so einfach. Denn dafür seien sehr hohe Investitionennötig,und ein Schweinehalter mit viel Know-how gebe nur ungern sein angestammtes Metier auf.

Adrian Schütz, stellvertretender Geschäftsführer beim schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs, erklärt: «Kaum ein Schweizer Betrieb hat mehr als 150 Zuchtschweine, der Durchschnitt liegt bei etwa 40 Zuchttieren. Das sind im Vergleich zum Ausland nur Kleinbetriebe.» Dem Zerfall der Preise will Suisseporcs auf zwei Ebenen begegnen, erklärt Schütz. Einerseits werde versucht, auf die Schweinehalter einzuwirken, dass diese ihre Produktion besser der Nachfrage anpassen. «Und zweitens versuchen wir, mit gezielter Werbung den Konsum anzukurbeln. Schweinefleisch ist gesund und hat wenig Fett. Und das wollen wir den Konsumenten bekannt machen.» Schweinefleisch habe viel Eisen, Zink, Selen und Vitamine der Gruppe B. Im Mass genossen sei Schweinefleisch ein idealer Eiweissträger. Da heutzutage Schweine kaum noch Fett hätten und zudem viel weniger Futter bräuchten als früher, sei das Fleisch ausserdem ein ressourcenschonendes Nahrungsmittel, ergänzt Schütz. «Ein Blick in die Nährwerttabelle zeigt, dass ein Nierstück nur gerade 5 Prozent Fett aufweist.»

Bessere Haltung, schlechterer Preis

Mehr Schweine, die in immer weniger Betrieben sehr gut gehalten werden. Das sei die Situation, die sich mit dem Preis, den die Bauern bekommen würden, nur schlecht vertrage, ergänzt Schütz. «Die Bauern bekommen für das Schweinefleisch aktuell weniger, die Bruttomarge der nachgelagerten Stufen steigt, und der Preis für die Konsumenten ist dadurch fast immer gleich. Die Konsumenten sollen jetzt durch attraktive Produkte und Preise profitieren.» Damit sei die Lage vergleichbar mit der Frischmilch, sagt Schütz. «Auch dort bekommen die Bauern immer weniger für die Milch, die im Laden aber nicht billiger wird. Ein Trend, der leider in der Landwirtschaft sowohl bei offenem wie abgeschottetem Markt zu beobachten ist.»

Ein Besuch auf dem Hof bei der Familie Boog in Rickenbach bestätigt die besagten Fakten. «Wir haben 100 Mutterschweine, deren Ferkel wir nach rund 35 Tagen als Mastschweine verkaufen», erklärt Rita Boog. «50 Mastschweine behalten wir, aus denen mein Mann die besten mit dem geringsten Fettgehalt für die Zucht selektioniert.»

Weniger Halter — mehr Schweine. (Bild: Lustat)

Weniger Halter — mehr Schweine. (Bild: Lustat)

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