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LUZERN: Ehemaliger Feuerwehrmann legte 17 Brände

Ein heute 58-jähriger Mann hat jahrlang als Brandstifter gewütet - meist im Auftrag von Familienmitgliedern. Die Polizei kam ihm nicht auf die Schliche.
Lena Berger
Die Karte zeigt, wo der ehemalige Feuerwehrmann zwischen den Jahren 2000 und 2008 Brände gelegt hat. (Bild: Grafik Neue LZ)

Die Karte zeigt, wo der ehemalige Feuerwehrmann zwischen den Jahren 2000 und 2008 Brände gelegt hat. (Bild: Grafik Neue LZ)

Eine Feuersbrunst nach Mass: Dieses Angebot hat der ehemalige Feuerwehrmann seiner Familie und seinen Bekannten gemacht. Insgesamt 17 Brände legte er vorwiegend auf Stadtgebiet (siehe Karte). Zweimal steckte er sogar seine eigene Wohnung an. Gestern musste sich der heute 58-Jährige vor dem Kriminalgericht verantworten.

Das Motiv: Versicherungsgeld. Wenn der Beschuldigte knapp bei Kasse war, legte er Feuer. Anfangs waren es Wohnungen von Verwandten seiner damaligen Frau, die ihm einen Anteil versprachen. Mit der Zeit kamen jedoch weitere Anfragen von Bekannten und deren Arbeitskollegen hinzu. Ein Feuer legte er gar für den Besitzer eines Ladens, in dem er Stammkunde war.

Das Vorgehen war immer gleich. Er verstand es, den Brand so aussehen zu lassen, als wäre ein technischer Defekt die Ursache. Dabei kam ihm seine jahrelange Erfahrung als Feuerwehrmann zugute. Fenster öffnete er so, dass durch die beschränkte Sauerstoffzufuhr zwar viel Rauch, aber nur wenig offenes Feuer entstand. Dadurch wollte er erreichen, dass zwar ein grosser Schaden entstand, sich das Feuer aber nicht auf andere Wohnungen ausweiten konnte. Die Branddetektive wurden nicht misstrauisch auch wenn sich die Brandfälle in jener Familie immer mehr häuften.

Ein Fehler hat ihn überführt

Auf die Schliche kam man ihm jahrelang nicht. Erst als er 2006 eines Nachts den zweiten Brand in der eigenen Wohnung legte, beging er einen Fehler. Da er bereits fünf Jahre zuvor vorgetäuscht hatte, Opfer eines technischen Defekts geworden zu sein, wollte er sein Tun diesmal als Racheakt tarnen: Er brach in die eigene Wohnung ein und deponierte fingierte Drohbriefe. Anschliessend zündete er sein Sofa an, liess das Einbruchswerkzeug in der Reuss verschwinden und erstattete Anzeige gegen unbekannt. Das Problem: Er hatte beim Einbruch DNA-Spuren am Türgriff hinterlassen. Als die Polizei ihn damit konfrontierte, gestand er seine Tat blieb jedoch vorerst auf freiem Fuss. Dreist: Noch während die Untersuchung gegen ihn lief, legte er 2008 einen weiteren Brand.

Was die Polizei nicht wusste: Der Beschuldigte hatte weit mehr auf dem Kerbholz, als sie ahnte. Neben seiner Tätigkeit als professioneller Brandstifter betätigte sich der Familienvater ab 2002 intensiv als Einbrecher. Binnen eineinhalb Jahren beging er in wechselnder Zusammensetzung mit Bekannten – 310 Einbruchdiebstähle.

Auftraggeber sind verurteilt

Zum Verhängnis wurde dem Beschuldigten schliesslich eine Zeugenaussage in einem ganz anderen Fall. Durch sie geriet er in Verdacht, in Suhr AG ein Haus angezündet zu haben. Als die Polizei den Mann daraufhin im Jahr 2008 verhörte, legte er ein umfassendes Geständnis ab. Er erzählte von den 15 anderen Bränden, die er gelegt hatte und die längst als Unfall taxiert und zu den Akten gelegt worden waren. Zur Aufarbeitung wurde die Polizeiaktion ZIP ins Leben gerufen. Die Auftraggeber für die Brände wurden inzwischen vom Kriminalgericht verurteilt genau wie die Komplizen bei den Einbrüchen. Die verhängten Freiheitsstrafen reichen von 18 Monaten bis zu 8,5 Jahren.

500 bis 1000 Franken pro Auftrag

Gestern nun musste sich der Brandstifter, der sich im vorzeitigen Massnahmenvollzug befindet, vor dem Kriminalgericht verantworten. Der rundliche, harmlos wirkende Mann mit weissem Haar leidet unter einer Sprachstörung und beantwortete die Fragen daher leicht stotternd. «Oft habe ich von den Auftraggebern kein Geld bekommen.» Manchmal aber erhielt er 500 oder 1000 Franken. «Ich tat es, weil ich zur Familie gehören wollte und gerne in ihrer Mitte stand.» Die Frage, wie schwer die Schuld des Beschuldigten wiegt, beantworteten Anklage und Verteidigung anders. «Der Mann hat skrupellos Menschenleben in Gefahr gebracht. Als er sich vom Brandort entfernte, hatte er keine Kontrolle mehr darüber, ob jemand zu Schaden kommen könnte», so die Staatsanwältin. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren. Ganz anders sah es der Verteidiger: «Mein Klient ist nicht irgendein Brandstifter. Er hat über 300 Feuerwehreinsätze bewältigt und gewusst, was er tat. Er hat die Brände akribisch so geplant, dass sie sich nicht ausbreiten konnten. Die Argumente der Staatsanwältin klingen wie Mani Matters Lied ‹Zündhölzli›, das ad absurdum führt, was bei einem Brand alles passieren könnte.» Zudem habe das Geständnis die Strafuntersuchung erst möglich gemacht. Das müsse berücksichtigt werden, weshalb eine Freiheitsstrafe von acht Jahren angemessen sei. Das Urteil steht noch aus.

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