LUZERN: Eichhof geht in die Offensive

Die Brauerei Eichhof setzt zur Feier ihres 180-Jahr-Jubiläums voll auf lokales Brauchtum. Obwohl sie längst zu einem internationalen Konzern gehört.

Lena Berger
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Sepp Birrer (Mitte) unterhält sich mit Stefano Borghi, CEO Eichhof (rechts), und Toni Schneider, Eichhof-Verkaufsleiter (links), im Schalander der Brauerei Eichhof. (Bild Philipp Schmidli)

Sepp Birrer (Mitte) unterhält sich mit Stefano Borghi, CEO Eichhof (rechts), und Toni Schneider, Eichhof-Verkaufsleiter (links), im Schalander der Brauerei Eichhof. (Bild Philipp Schmidli)

Der Tag der offenen Tür in der Brauerei Eichhof ist gestern ganz im Zeichen der Innerschweizer Brauchtümer gestanden. «Die Brauerei Eichhof gibt es seit 180 Jahren. Die beste Art, das zu feiern, ist ihre intensive Beziehung mit der Region zu unterstreichen und noch zu verstärken», sagt Stefano Borghi, Geschäftsführer der Brauerei. Eichhof sei Teil dieser Region und gehöre in die Zentralschweiz, genauso wie ihre unterschiedlichen Brauchtümer. Darum gehe es in der Jubiläumskampagne. Am gestrigen Tag des Schweizer Bieres konnte deshalb nicht nur der Betrieb besichtigt, sondern erstmals auch das neue Jubiläumsbier «Eichhof Kulturbräu» degustiert werden.

Die Gelegenheit liessen sich mehrere hundert Besucher nicht entgehen. Das Publikum war bunt durchmischt – von Studenten über Büezer, die ein Feierabend-Bier trinken kommen, bis hin zu einer geselligen Gruppe Pensionierter. Die meisten Besucher haben zum Eichhof-Bier eine besondere Beziehung. «Ich habe schon als Schuljunge hier gearbeitet, um mein Sackgeld aufzubessern», erzählte etwa Peter Schnellmann (63). Bei aller Nostalgie, war aber auch in fast allen Gesprächen ein gewisses Bedauern auszumachen. «Dass unsere Brauerei an die Heineken verkauft wurde, finde ich ein Stück weit tragisch», so Schnellmann. Er befürchtet, dass nun im Rahmen einer «Salamitaktik» die Produktion des Biers Stück für Stück aus Luzern wegverlagert wird. «Dass die Flaschen nun in Chur abgefüllt werden, ist wohl nur der Anfang.»

Auch Lutz Schenker (70) trauert der Zeit nach, als die Brauerei noch in Luzerner Händen war. «Ich finde es nicht sympathisch, dass sie jetzt einem internationalen Konzern gehört. Aber das Bier ist mir ans Herz gewachsen – und ich trinke trotzdem seit Jahren kein anderes.» Sein Kollege Sepp Birrer ist gleicher Meinung. «Der Verkauf hat mich traurig gemacht. Aber wenigstens tischen sie uns heute kein Heineken-Bier auf – sonst wäre ich nicht gekommen.»

Stolz auf die Verbundenheit

Auch Eichhof-CEO Stefano Borghi hat sich am Tag der offenen Tür unters Volk gemischt. Der Mailänder spricht noch kein Deutsch und verstand deshalb nicht, was die beiden Herren gesagt haben. «Ich weiss, dass der Verkauf der Brauerei an den Heineken-Konzern für viele langjährige Kunden ein Schock war», sagte er, nach einer kurzen Übersetzung. «Und ich habe Verständnis dafür. Aber wir sind weiterhin eine Schweizer Firma, mit den gleichen Mitarbeitern.» Es habe sich nichts geändert – ausser dem Besitzer. «Dass sich die Luzerner so mit ihrem Bier verbunden fühlen, ist schön. Wir sind stolz darauf.»

Gerade deshalb unterstütze man lokale Brauchtümer – aber auch Anlässe wie etwa die Luga. «Wir müssen mit regionalen Besonderheiten sehr sorgfältig umgehen – weil gerade Brauereien lokal sehr verwurzelt sind. Ihre Herkunft ist Teil der Marke.» Er wolle die lokalen Besonderheiten kennen lernen. «Das muss man, wenn man in dieser Branche erfolgreich sein will.»

Borghi selber trinkt am liebsten Braugold. Er wohnt seit letztem September in Luzern. Eine Besonderheit hat er bereits festgestellt: «Mitten in der Nacht aufzuwachen weil Fasnacht ist – das war ein spezielles Erlebnis. Luzern ist in dieser Woche eine ganz andere Stadt, das finde ich sehr interessant.