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LUZERN: Eigenes Haus angezündet: Staatsanwalt fordert 3,5 Jahre für Brandstifter

Ein Familienvater hat in einer schwachen Minute sein eigenes Haus angezündet. Als er wieder bei Sinnen war und seine Tat realisierte, hat er mit einem Feuerlöscher den Brand erfolgreich bekämpft – wie er glaubte. Ein fataler Irrtum.
Roger Rüegger
Der Besitzer zündete das Haus am 8. Oktober 2015 in einer Kurzschlussreaktion an. (Bild: PD)

Der Besitzer zündete das Haus am 8. Oktober 2015 in einer Kurzschlussreaktion an. (Bild: PD)

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Das Leben eines Familienvaters hat am 8. Oktober 2015 innerhalb weniger Minuten eine tragische Wende genommen. Der damals 53-jährige Disponent aus einer Luzerner Landgemeinde hat in einer Kurzschlusshandlung sein eigenes Haus mit einer angebauten Scheune angezündet. Der Staatsanwalt zitierte den Beschuldigten an der gestrigen Verhandlung des Luzerner Kriminalgerichts wie folgt: «Er sagte bei den Vernehmungen, es sei ein Tag zum Vergessen. Doch er wird diesen Tag wohl nie vergessen.» Für die Brandstiftung und eine Reihe weiterer Straftaten beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren. Obwohl die Tat nicht von langer Hand geplant gewesen sei und es eine unglückliche Kaskade sei, müsse der Mann angemessen bestraft werden.

Der Beschuldigte erzählte, wie das Drama seinen Lauf nahm. Die Haare kurz und gepflegt nach hinten gekämmt, Jacke und Hose aus Jeans, sass der vierfache Vater vor den Richtern. Er sprach leise, gab aber deutlich und klar Antworten auf sämtliche Fragen. Als eine Richterin wissen wollte, wann er sich dazu entschlossen habe, das Gebäude anzuzünden, sagte er: «Die Situation war beschissen. Zuvor hatte ich mein Auto in einem Selbstunfall eingedrückt und die Beziehung mit meiner Partnerin war zerrüttet. Es war alles kaputt in dem Moment.» Er habe fünf Minuten lang nichts studiert, ein Stück eines Papiersacks angezündet und dieses im Heustock auf den Boden gelegt. «Dann kam ich wieder zu Verstand, holte einen Staubfeuerlöscher und löschte den Brand. Ich dachte, dass ich doch nicht mein Haus anzünden kann, in dem meine Kinder aufwachsen sollen. Ich bin sonst ein vernünftiger Mensch.» Nach dem Vorfall habe er das Haus in der Annahme verlassen, das Feuer sei gelöscht. Ein fataler Irrtum. Beide Gebäude brannten ab und es entstand Totalschaden.

Drohung und Tätlichkeit gegenüber der Partnerin

Die Tat hatte eine Vorgeschichte. Der Beschuldigte hat gemäss Anklage und nach eigenen Aussagen seine damalige Partnerin mindestens einmal geschlagen und ihr gegenüber Drohungen ausgesprochen. Laut Staatsanwalt drohte der Beschuldigte zum Beispiel, die Hütte anzuzünden, der Partnerin die Kinder wegzunehmen und ihre Pferde mit einem Bolzenschuss zu erlegen. Hintergrund der Drohungen: Die Frau soll eine nähere Beziehung zu einem gemeinsamen Bekannten gehabt haben.

Am Tag der Brandstiftung spitzte sich die Situation zu. Der Beschuldigte – er war alkoholisiert – traf etwa um 18 Uhr zu Hause ein und erfuhr von seiner Tochter, dass der andere Mann am Nachmittag zu Besuch gewesen sei. Daraufhin kam es zwischen dem Beschuldigten und seiner Partnerin in Anwesenheit der Kinder zum Streit und Beschimpfungen. In der Folge schlug der Mann laut Anklage seine Partnerin. Die Frau verliess daraufhin die Liegenschaft und fuhr zur Sozialvorsteherin. Auch der Beschuldigte verliess das Haus. Nach zwei Stunden, in denen er mindestes eine weitere Flasche Bier getrunken hatte, kehrte er zurück und zündete das Papier im Heustock an. Zuvor hatte der Mann unter Alkoholeinfluss und aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit einen Unfall verursacht.

Eine ganze Palette von Straftaten

Damit nicht genug. Der Nachbar des Beschuldigten beschwerte sich später, dass sein Trinkwasser durch die Löscharbeiten und den Fortbestand der Brandruine verunreinigt wurde. Zudem wurde der Beschuldigte von der Gemeinde beauftragt, die Ruine bis 16. März 2016 zu räumen. Diesen Termin liess er verstreichen. Zu Brandstiftung, Tätlichkeiten, Drohungen und Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen kamen diverse Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz hinzu. Der Verteidiger setzte sich in einem energisch und gestenreich vorgetragenen Plädoyer für seinen Mandanten ein. Er beantragte eine bedingte Strafe von höchstens 15 Monaten oder 150 Tagessätzen zu 80 Franken. Der Beschuldigte sagte zum Schluss: «Am meisten bereue ich, dass ich meine Partnerin geschlagen habe, und das erst noch vor den Kindern.» Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.

Das abgebrannte Haus in einer Luzerner Landgemeinde. (Bild: PD)

Das abgebrannte Haus in einer Luzerner Landgemeinde. (Bild: PD)

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