LUZERN: Ein Betonbau erstrahlt in neuem Licht

Künstler Stefan Knor hat bereits den Stephansdom in Wien beleuchtet. Heute widmet er sich der Johanneskirche. Das bunte Licht soll ein Konzert begleiten – ohne die Kirche zur Disco zu machen.

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Blick in die beleuchtete Johanneskirche an der Schädrütistrasse 26 im Würzenbachquartier. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 4. Januar 2017))

Blick in die beleuchtete Johanneskirche an der Schädrütistrasse 26 im Würzenbachquartier. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 4. Januar 2017))

Die Johanneskirche im Luzerner Würzenbachquartier ist ein markanter Betonbau. Doch heute kommt er ganz anders daher – zumindest im Innern. Gemeinsam mit dem deutschen Lichtkünstler Stefan Knor hat die Pfarrei in den letzten Tagen rund 40 Scheinwerfer in der Kirche installiert. Sie kommen heute Abend während eines Konzerts zum Einsatz.

«Das Licht soll ein Zusammenspiel mit der Musik ergeben», sagt Knor. Dazu kann er von einem Steuerpult aus das Licht dimmen und die Farbtöne wechseln. Der grösste Teil des Konzerts wird improvisiert. «Es soll ein sinnliches Erlebnis sein.» Gibt es dahinter auch eine theologische Aussage? Man könne Gott im Schönen erahnen, sagt Knor, der selbst Theologe ist

«Licht soll nicht aufreisserisch sein»

Knor beleuchtet seit 17 Jahren Innenräume von Kirchen. Er hat bereits den Wiener Stephansdom, die Kathedrale von Canterbury oder den Aachener Dom in Szene gesetzt. «Die Arbeit in der Johanneskirche ist einfacher als etwa in einer grossen gotischen Kirche.» So sei der Raum eher klein, was den technischen Aufwand vermindere. Zudem gebe es weniger Verzierungen und Gemälde. Zentral sei aber bei allen Kirchen, dass man «mit dem und nicht gegen den Raum arbeitet», sagt Knor. Sensibilität sei wichtig. «Das Licht soll nicht aufreisserisch sein.» So käme der Einsatz von grellem Licht oder Blitzlicht sowie einer Nebelmaschine nicht in Frage. «Es handelt sich schliesslich nicht um eine Disco.» Weiter achte er darauf, dass die Lampen und die Kabel so diskret wie möglich platziert würden.

Man müsse bedenken, dass Kirchenräume «emotional aufgeladen» sind. «Wer den Raum betritt, verändert automatisch sein Verhalten, beispielsweise ­redet man leiser», sagt Knor. So gebe es teils auch Leute, die sich an den Lichtinstallationen stören. «Daher handelt es sich auch nicht um Dauerinstallationen.» Nach dem Konzert heute Abend wird die Johanneskirche wieder normal beleuchtet. «Ist etwas immer verfügbar, verliert es auch an Einzigartigkeit.»

Die Idee, mit farbigen Lichtern zu arbeiten, sei aus der Beschäftigung mit der Lichttherapie entstanden, sagt Knor. «Man kann mit Farben kommunizieren und Wirkungen erzielen.» Je nach Licht könne ein Gefühl der Kälte oder der Wärme entstehen.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Konzert heute um 19 Uhr, Eintritt frei. Es spielen Beat Heimgartner (Orgel, Piano) und Edwin Küttel (Oboe). Das Konzert markiert den Auftakt zum Themenjahr «Klangwelten» der Pfarrei St. Johannes.