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LUZERN: Ein Förster ist «Ameisen-Papst»

Nur wenige wissen mehr über die Waldameise als Revierförster Martin Filli. Die winzigen Insekten üben eine grosse Faszination auf ihn aus – die er gerne teilt.
Revierförster Martin Filli ist fasziniert von den Ameisen im Äschwald. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Revierförster Martin Filli ist fasziniert von den Ameisen im Äschwald. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Sonnengegerbte Haut, Multifunktionshosen, schweres Schuhwerk: Dass sich Revierförster Martin Filli (47) oft in der freien Natur aufhält und sich dort zurechtfindet, ist augenfällig. Mit sicherem Schritt stapft er durchs Unterholz des Äschwalds in Ufhusen. Schmetterlinge flattern durch die Luft, von Tannenwipfeln singen Vögel. Für all das hat Filli offene Augen und Ohren. Sein aufmerksamer Blick sucht nach etwas anderem: nach Ameisenhügeln. «Hier ist wieder einer!» Tatsächlich, unweit einer imposanten Weisstanne haben sich Tannennadeln und Ästchen zu einer rund einen halben Meter hohen Kuppe getürmt. Zahllose Ameisen wuseln scheinbar planlos darauf rum.

Ungewöhnlicher Lebensraum

Nester der hügelbauenden Roten Waldameise gibt es hier zuhauf im rund 58 Hektaren grossen Grenzwald zum Kanton Bern. Sie häufen sich hier wie an keinem zweiten Ort im Kanton Luzern – zumindest auf dieser Höhenlage von rund 650 Metern über Meer. Deutlich wohler fühlt sich die Waldameise eigentlich in höher gelegenen, gebirgigen Gebieten. Etwa im Engadin, wo Filli auch aufgewachsen ist. Weshalb aber mögen die geschaffigen Insekten gerade diese Ecke des Luzerner Hinterlandes so besonders?

Das liegt vor allem an der Beschaffenheit des Bodens. «Die Vergletscherung der letzten Eiszeit vor 15'000 Jahren hat diesen Hügelzug nicht erreicht. Dieser Boden hier ist älter als der tiefer- und umliegende – und vor allem saurer», erklärt Revierförster Filli. Deshalb wachsen hier vor allem Nadelbäume, Weisstannen und Fichten, dafür kaum Laubhölzer. Für den Bau ihrer Hügel benötigt die Waldameise vor allem Nadeln. «Laub vermodert zu schnell. Nadeln überdauern immerhin vier bis fünf Jahre.» Zudem sind Nadelwälder besser lichtdurchflutet. «Das ist für die Waldameisen überlebenswichtig.»

Richtige Tausendsassas

Stimmen die Bedingungen, dann bleiben die Bauwerke der kleinen Insekten ziemlich lang bestehen. «Die Hügel können bis zu hundert Jahre alt werden.» Aber auch die Ameisen selbst sind ziemlich ausdauernd. Eine Arbeiterameise lebt bis zu fünf Jahre. Eine Königin wird sogar 10 bis 15 Jahre alt. Demgegenüber stirbt das Männchen nach dem Begattungsakt im Frühling. Revierförster Filli weiss viel Interessantes, Faszinierendes und Erstaunliches über die nur auf den ersten Blick unscheinbaren Tierchen zu berichten.

Wer hätte gedacht, dass die Ameisen die erste Schicht ihres Hügels mit kleinen Harzteilchen wasserdicht halten? Oder dass sie die Temperatur im Innern konstant bei 28 bis 30 Grad halten? Die Waldameisen sind richtige Tausendsassas. Und auch wenn er bemüht ist, unaufgeregt, sachlich zu erklären, Filli vermag seine Begeisterung nicht zu verbergen. Ein befreundeter Jäger bezeichnete ihn unlängst gar als Ameisen-Papst. «Was ich keineswegs negativ sehe!»

Wichtige Überzeugungsarbeit

Mit Waldameisen beschäftigte sich Filli ein erstes Mal eingehender noch zu seiner Schulzeit. «Mein Interesse hielt sich damals aber in Grenzen», gesteht er schmunzelnd. An die sechsbeinigen Krabbler verschwendete er danach wenig Gedanken. Bis zum Jobantritt vor 13 Jahren als Revierförster bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, zuständig für das Waldgebiet der Gemeinden Willisau, Luthern, Ufhusen und Hergiswil. Der Schutz dieses wichtigen Mosaiksteinchens im Ökosystem Wald sollte fortan integraler Teil seiner Arbeit werden.

Unzählige Kurse über Ameisen hat er seither besucht, etliche Fachartikel gelesen. Vor vier Jahren dann hat er schliesslich den Ameisenlehrpfad initiiert – und unlängst ausgebaut (siehe Box). Sein Wissen vermittelt er aber auch direkt an Schulklassen oder Vereine der Region. Alleine in diesem Jahr hat Filli schon vier halbtägige Kurse zum Thema Waldameise durchgeführt. Für das Wohlergehen der Waldameise unverzichtbar ist aber auch der ständige Dialog mit den Waldeigentümern, die mitunter grosses Verständnis für die kleinen Waldbewohner aufbringen müssen.

«Oft sind es schöne, erntereife Tannen, die nicht geerntet werden dürfen, weil sie für eine Ameisenkolonie in unmittelbarer Nähe als Mutterbäume lebenswichtig sind.» Finanzielle Entschädigung könne er aber keine aussprechen. Und trotzdem: «Auch wenn nicht alle den Ameisen das gleiche Interesse entgegenbringen, die Schutzanordnungen werden respektiert», weiss sich Filli dankbar zu schätzen.

Der Bestand ist angestiegen

Und tatsächlich zeigen die Bemühungen zum Schutz der Waldameise Wirkung. Obschon Klimaerwärmung und Luftverschmutzung vor allem den Waldameisen in tieferen Lagen im Mittelland empfindlich zusetzen, haben sich die Bestände im Äschwald in den letzten Jahren erholt und sogar vergrössert. «In den letzten Jahren haben wir immer wieder neue Haufen entdeckt.» Und dies trotz oder gerade weil die Nutzung schonend intensiviert wurde. Denn so gelange wieder mehr Licht auf den Waldboden. Ein Umstand, den die Waldameise zu ihren Gunsten zu nutzen wisse.

Auch wenn der Schutz der Waldameise wichtig ist, Filli hat nebenbei als Revierförster noch eine Vielzahl anderer Aufgaben – und darüber hinaus auch noch ein Leben nebst seinem Beruf. Die Freude am Sport (Langlauf, Joggen und Schwimmen) und an der Jagd treibt den Vater von zwei Töchtern immer wieder in die Natur – ob in der Luzerner Wahlheimat oder «oben» im Engadin. Seit seinem Jobantritt im Unterland sieht Filli aber auch seine ursprüngliche Heimat mit anderen Augen. «Die vielen Ameisen und Naturelemente, die es dort überall gibt, kann ich nicht mehr übersehen!»

Alles über Ameisen

Der Ameisenlehrpfad Ufhusen ist im Juni mit neuen Informationstafeln erweitert worden. Die Besucher erfahren darauf Wissenswertes über den Wald, und warum es sich lohnt, Waldameisen und ihre Hügel zu erhalten. So wird erklärt, welche Aufgaben – von der Königin über die Arbeiterin bis zum Ameisenmännchen – jedes einzelne Tier im Staat übernimmt. Weiter ist zu lesen, wie ein Ameisenhaufen aufgebaut und mit seiner Umwelt vernetzt ist. Um den Äschwald zu erreichen, folgen Sie in Hüswil der Kantonsstrasse in Richtung Huttwil und biegen im Gebiet Moos links in die Engelprächtigenstrasse ab. Der Ameisenlehrpfad verläuft dann rechts in den Wald hinein.

Raphael Zemp

Im Ameisenstaat herrscht emsiges Treiben, jede Ameise hat ihre Aufgabe. (Bild: Christian Bernasconi)

Im Ameisenstaat herrscht emsiges Treiben, jede Ameise hat ihre Aufgabe. (Bild: Christian Bernasconi)

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