LUZERN: Ein Loblied auf 100 Jahre Pro Senectute

Seit einem Jahrhundert unterstützt die Organisation ältere Menschen. Früher ging es «ums nackte Überleben» von Senioren, heute sind die Herausforderungen eher digitaler Natur.

Matthias Stadler
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Die Pro Senectute feiert mit Volksmusikerin Monique und Besuchern ihr 100-Jahr-Jubiläum beim KKL Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (23. Mai 2017))

Die Pro Senectute feiert mit Volksmusikerin Monique und Besuchern ihr 100-Jahr-Jubiläum beim KKL Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (23. Mai 2017))

Zuerst ein Blick zurück ins Jahr 1917: Die Lebenserwartung in der Schweiz für Männer beträgt 54 Jahre, für Frauen 57. Eine Altersvorsorge existiert nicht. Zehn Männer gründen am 23. Oktober unter dem Patronat der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft die Stiftung «Für das Alter». Ihr Ziel: «In unserem Lande die Teilnahme für Greise beiderlei Geschlechts ohne Unterschied des Bekenntnisses zu wecken und zu stärken». Zudem sollen fortan die nötigen Mittel zur Fürsorge «für bedürftige Greise und zur Verbesserung ihres Loses» gesammelt werden.

Heute, hundert Jahre später, ist das Wort «Greis» aus dem Vokabular gestrichen und die Stiftung unter dem Namen Pro Senectute bekannt. Während ihres Jubiläumsjahres ist sie in der ganzen Schweiz unterwegs. Gestern machte sie auf dem Europaplatz in Luzern Halt, wo das Jubiläum gefeiert wurde. Am Festanlass trat unter anderem Damian Müller, Ständerat und Vizepräsident des Stiftungsrats der Pro Senectute Kanton Luzern, auf. Er sagte in seiner Rede: «Dass es uns in der Schweiz so gut geht, ist dem Engagement unserer Väter und Mütter, unserer Grossväter und Grossmütter zu verdanken.» Allerdings gebe es auch heute ältere Personen, die auf Unterstützung angewiesen seien.

Demografische Entwicklung fördert Wandel

Ruedi Fahrni, Geschäftsleiter der Pro Senectute Kanton Luzern, fasst die Geschichte der Dachorganisation so zusammen: «Die ersten fünfzig Jahre standen im Zeichen der wirtschaftlichen Not von älteren Menschen. Es ging ums nackte Überleben.» Grosse Erfolge waren schliesslich die Einführungen der AHV 1947 und der beruflichen Vorsorge 1985.

Fahrni betont, dass heutzutage ein grosser Wandel stattfinde. Wegen der demografischen Entwicklung entstünden andere Ansprüche: «Das Leben in der dritten und der vierten Lebensphase soll sinnvoll gestaltet werden.»

Er führt aus, dass auch künftig die wirtschaftliche und persönliche Hilfe eine Kernkompetenz der Pro Senectute sein werde. So sei es wichtig, dass «wir mit unseren Angeboten erreichen können, dass ältere Menschen länger in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können». Zudem gelte es, Verständnis zwischen den Generationen zu schaffen. Dies sei wichtig, weil die ältere Bevölkerung zahlenmässig überhand nehmen werde. Ausserdem habe die Technologisierung einen starken Einfluss auf das Alterswesen. So biete die Pro Senectute Kurse für Billettautomaten an oder helfe bei Umstellungen auf neue Telefone. Die grösste Herausforderung sei aber die Finanzierung der Stiftung. So werde momentan ein neuer Leistungsvertrag mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen ausgehandelt.

Derweil hat auch die Pro Senectute Kanton Luzern bereits 98 Jahre auf dem Buckel und zählt unter anderem 50 Festangestellte und 1300 freiwillige Mitarbeiter. Ruedi Fahrni ist zuversichtlich, dass die Organisation fit für die Zukunft ist.

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch