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Luzern: Ein Mann vergreift sich an einem Buben – jetzt soll er ausgeschafft werden

An einem Grillfest vergeht sich ein Serbe an einem Sechsjährigen. Jetzt soll er das Land verlassen. So will es das Luzerner Kriminalgericht. Für den 51-Jährigen war die Tat eine Bagatelle.
Kilian Küttel
Das Kriminalgericht entschied darüber, ob ein Serbe ausgeschafft werden soll. (Bild: Pius Amrein, 6. November 2014, Luzern)

Das Kriminalgericht entschied darüber, ob ein Serbe ausgeschafft werden soll. (Bild: Pius Amrein, 6. November 2014, Luzern)

Dieses Mal handelt die Gutenachtgeschichte vom Respekt, den Kinder Erwachsenen zeigen müssen. Noch während er vorliest, fragt der Sechsjährige seinen Vater: «Gäll Papi, das Gleiche gilt auch für Erwachsene gegenüber Kindern?» Es ist ein Dienstagabend im April 2017. Es ist eine Frage mit einer Vorgeschichte.

Samstag, drei Tage früher: Die vierköpfige Familie ist in Emmenbrücke zu Gast an einem Grillfest. Eingeladen hatte ein befreundetes Ehepaar. Auch der Bruder des Gastgebers ist da, zusammen mit dessen Frau.

Beschuldigter ging mit Buben auf die Toilette

Der damals 49-jährige Serbe spielt mit den Kindern des Besuchs und seines Bruders. Das schreibt das Luzerner Kriminalgericht in seinem begründeten Urteil, das seit heute öffentlich ist. Das Gartenfest wird eine Sache für die Justiz: «Später nahm er den damals Sechsjährigen (...) an der Hand und begab sich mit ihm in die Wohnung», heisst es in der Anklage der Staatsanwaltschaft.

Auf der Toilette habe der Mann dem Sechsjährigen entweder selbst die Hose runtergezogen oder ihm gesagt, er solle das tun:

«Jedenfalls fasste der Beschuldigte dem Knaben anschliessend aus sexuellen Motiven an die nackten Genitalien und knetete daran herum.»

Zudem habe er dem Buben gesagt, er solle das Gleiche auch bei seiner Schwester machen, so die Strafverfolger. Für die Staatsanwaltschaft ist das eine sexuelle Handlung mit einem Kind.

An der Verhandlung vom 1. Mai dieses Jahres fordert sie eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten und einen fünfjährigen Landesverweis für den Serben. Im Gegensatz dazu beantragte die Verteidigung einen Freispruch oder eine Geldstrafe, sollte es zu einem Schuldspruch kommen. Vom Landesverweis sei abzusehen, so der amtliche Verteidiger.

Gefängnis: Nein, Landesverweis: Ja

Die Richter entschieden sich für einen Hybrid aus beiden Anträgen: Sie bestrafen den heute 51-Jährigen mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 130 Franken, also 23 400 Franken. Zusätzlich muss er die Schweiz für fünf Jahre verlassen. Gegen das Urteil wurde Berufung angemeldet, es ist demnach nicht rechtskräftig.

Artikel 66 des schweizerischen Strafgesetzbuchs listet einen Katalog von Delikten auf, bei denen ein Landesverweis ausgesprochen werden kann. Darunter fallen sexuelle Handlungen mit Kindern. Für die Luzerner Richter entscheidend war, dass der Mann erst mit 28 Jahren in die Schweiz gekommen ist, er mit seinem Heimatland tief verwurzelt ist und seine Töchter erwachsen sind.

An der Einvernahme vor der Verhandlung sprach der Beschuldigte von einer Kleinigkeit. Er habe dem Jungen helfen wollen, als er aufs WC ging. Da, wo er herkomme, sei das normal. Es sei peinlich, wie ein Krimineller abgeführt zu werden. Auch vor Schranken hielt er an seiner Version fest. Am Ende stand Aussage gegen Aussage. Das Gericht glaubte dem Buben.

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