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LUZERN: Ein Netzwerk aus Lügen enttarnt

Ein Kreditvermittler hat einen regelrechten Betrügerring aufgebaut, um seinen Kunden Geld zu beschaffen. Während er auf den Prozess wartet, wurde einer seiner Komplizen bereits verurteilt.
Lena Berger
Ein Kreditbetrüger treibt in der Region sein Unwesen. (Symbolbild Nick Soland / Keystone)

Ein Kreditbetrüger treibt in der Region sein Unwesen. (Symbolbild Nick Soland / Keystone)

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Es war eines dieser Ladenlokale in der Stadt Luzern, bei denen man schon beim Vorbeilaufen das Gefühl hat, dass dort krumme Geschäfte gedreht werden. Die Gegend ist zu heruntergekommen, die Website zu handgestrickt und die Werbeanzeige zu grell, als dass man an ein seriöses Unternehmen glauben könnte. Der Geschäftsführer der Kreditvermittlungsfirma betrieb denn auch einen Kundenservice der besonderen Art: Er verschaffte Personen Kredite, die auf legale Weise keine bekommen hätten.

Der mutmassliche Kreditbetrüger selber stand bislang nicht vor Gericht, die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchungen gegen ihn noch nicht abgeschlossen. Die Verhandlung eines Komplizen, der kürzlich vor dem Kriminalgericht stand, gibt aber einen Eindruck in dessen Geschäftspraktiken. Zu verantworten hatte sich der ehemalige Betreiber einer Pizzeria in der Region. Seine Beiz war bis Anfang dieses Jahres sein ganzer Stolz. Das Restaurant zu führen, war ein Traum, den er sich zusammen mit seiner Frau erfüllt hatte. Leider lief es nicht gut. Im Jahr 2011 stand der Betrieb kurz vor dem Konkurs. Der Restaurantbetreiber hatte Schulden – er wusste weder ein noch aus. Da kam es ihm vor wie ein Geschenk des Himmels, als eines Tages der Luzerner Kreditvermittler den Laden betrat und ihn fragte, ob er an einem Kredit interessiert sei. «Ich habe das Geld nicht für Luxusgüter gebraucht. Wir wollten unsere Pizzeria retten. Es war eine sehr blöde Situation», sagte der Mann an der Verhandlung.

Allerdings gab es da ein Problem: Der Restaurantbetreiber konnte aufgrund zahlreicher Einträge im Betreibungsregister unter seinem Namen keinen Privatkredit bei Banken beantragen. Zusammen mit seiner Ehefrau beschloss er daher, dass sie das Formular ausfüllen sollte. Allerdings verfügte die Frau zu dem Zeitpunkt als Mitbetreiberin des Restaurants über kein nachweisbares Einkommen und war somit ebenfalls nicht kreditwürdig.

Kreditvermittler riet dazu, Lohnausweise zu fälschen

Da kam der Kreditvermittler ins Spiel. Als geschäftstüchtiger Geldorganisator riet er dem Ehepaar, fiktive Lohnabrechnungen von Drittfirmen zu organisieren, um eine Kreditbewilligung zu bekommen. Der Plan war, mit Falschangaben und fiktiven Lohnabrechnungen doch noch an Geld zu kommen. Dass dies nicht rechtens ist, dürften die Eheleute zwar gewusst haben. Aber sie waren derart verzweifelt, dass sie dem Vorgehen dennoch zustimmten – und den Kreditvermittler mit der Beschaffung von 50 000 Franken beauftragten. Um an glaubwürdige Lohnausweise zu kommen, wandte sich der Restaurantbetreiber an einen ehemaligen Arbeitskollegen, der eine eigene Firma hatte. Er fragte ihn, ob er in dessen Namen Lohnausweise erstellen dürfe, um an den Kredit zu gelangen. Der Kollege war damit einverstanden und stellte ihm das entsprechende Briefpapier zur Verfügung.

Nachdem diese Unterlagen durch den Kreditvermittler eingereicht worden waren, erkundigte sich die Bank beim angeblichen Arbeitgeber, ob die Angaben stimmen würden. Nach dessen Bestätigung wurde der Kredit schliesslich ausbezahlt.

Wie sehr sich der Kreditvermittler für seine Kunden ins Zeug legte, zeigt sein weiteres Vorgehen. Nachdem er dem Restaurantbesitzer kurzfristig aus der Patsche geholfen hatte, verlangte er nun eine Gegenleistung. Er gab dem Beizer den Auftrag, weitere fiktive Lohnabrechnungen herzustellen – von angeblichen Mitarbeitern des Restaurants. In Tat und Wahrheit handelte es sich um Kunden des Kreditvermittlers, die – wie der Restaurantbetreiber selber – ebenfalls nicht kreditwürdig waren. Die Dokumente dienten dem Zweck, trotzdem Geld von der Bank zu bekommen. So entstand ein Netzwerk von Kleinunternehmern und Menschen mit Geldproblemen, die vom Kreditvermittler zusammengebracht wurden.

Der Ring platzte, als die Staatsanwaltschaft im Juli 2014 gegen den Kreditvermittler eine Strafuntersuchung wegen Verdachts auf Betrug eröffnete. Inzwischen laufen Ermittlungen gegen insgesamt 24 weitere Personen. Der geständige Restaurantbesitzer wurde derweil zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

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