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LUZERN: Ein weiteres Traditionsgeschäft in Luzern schliesst

Vor kurzem ging die Pfistergass-Metzg zu. Nun folgt die Schär-Metzgerei an der Spitalstrasse – aber nicht, weil der Besitzer die Freude am Beruf verloren hätte.
Metzgermeister Erwin Schär beim Fleischen. Ab dem 9. Juli ist die Metzg zu. (Bild Nadia Schärli)

Metzgermeister Erwin Schär beim Fleischen. Ab dem 9. Juli ist die Metzg zu. (Bild Nadia Schärli)

Erwin Schär (56) ist kein Kind von Traurigkeit. Beim Betreten der Metzgerei an der Spitalstrasse lächelt er aufgestellt. «Jetzt ist die Zeit reif für etwas Neues. Am Samstag, 9. Juli, mit Beginn der Schulferien wird die Metzgerei geschlossen», sagt Schär. Und fügt an: «Ein durchaus positiver Entscheid. Schön ist auch, dass alle Angestellten untergekommen sind. Es steht niemand auf der Strasse.»

Keine Laufkundschaft

Zum Entscheid beigetragen haben zwei Dinge, so Schär. «Es fehlt die Hausfrau beziehungsweise der Mittagstisch und damit die Kundschaft für den Laden. An der Spitalstrasse hat es keine Laufkundschaft mehr», beschreibt er die aktuelle Situation. Und ein Blick auf die Spitalstrasse gibt ihm Recht: Auto reiht sich an Auto, die Spitalstrasse ist zur Durchgangsstrasse mutiert. Das ist auch der Grund dafür, dass aus dem Grosshandel mehr Ertrag kam. Der Laden allein hätte in den letzten zehn Jahren zu wenig hergegeben. Deshalb habe er auf Engros gesetzt und beliefert Grosskunden wie Heime, Spitäler und Schulen.

«Das letzte Jahr war im Engrosverkauf mein bestes. Doch der Platz wird eng, und es braucht neue Investitionen. Besonders für die Bereitstellung der Fleischwaren», führt Schär aus. Investitionen, die schnell mal 200 000 Franken übersteigen würden. Auch hätten sich die Personalkosten seit Beginn verdoppelt und die Margen halbiert.

«Von allen Seiten Verständnis»

Schär bevorzugt, künftig ein Angestellter zu sein. Er sucht nun einen neuen Job, will aber der Fleischbranche treu bleiben. Bereits vor zehn Jahren sei er an diesem Punkt gewesen und habe über eine Schliessung nachgedacht, erzählt Schär. Er liebe seinen Beruf und habe sich die Entscheidung nicht einfach gemacht. «Wir haben viel darüber in der Familie und mit anderen Metzgern gesprochen. Von allen Seiten habe ich nur Verständnis für die Entscheidung erhalten», sagt Schär.

Die Metzgerei Schär ist ein Familienbetrieb in dritter Generation. Erwin Schär und Team bedienten die letzten 22 Jahre die Kundschaft an der Spitalstrasse. Sieben Teenager, davon zwei Frauen, machten die Lehre bei ihm. Eine Weiterführung in vierter Generation stand laut Erwin Schär nie zur Diskussion. Denn von seinen beiden Kindern ist keines daran interessiert, in die Fussstapfen des Vaters zu treten.

Von der Metzg zur Post

Bei Erwin Schär haben neben ihm und seiner Frau auch eine Angestellte und ein Lehrling gearbeitet. Der Lehrling konnte bereits im Februar wechseln und beendet seine Berufsausbildung nun in Bern. Die Angestellte Regina Steiger steigt bei der Post ein. «Ab dem 2. August verteile ich die Post in einer Luzerner Vorortsgemeinde», sagt Steiger. Und auch Ehefrau Monika Schär freut sich auf die Zeit, die kommt: «Ab Juli haben wir auch mehr Zeit für einander.» Dem stimmt Erwin Schär kopfnickend zu. Der Zeitaufwand für die Metzgerei in dieser Grösse sei gross gewesen. Pro Woche arbeitete der Metzgermeister jeweils 50 bis 60 Stunden. Schär: «Nach der Arbeit hier beim Fleisch kam immer noch der ‹Papierkrieg› im Büro. Also eine Extraschicht nach Feierabend.»

Die Vorschriften und Deklarationen nahmen Jahr für Jahr zu. So müssen Protokolle unter anderem für die Reinigung, fürs Lehrlingsamt oder die Lebensmittelkontrolle geführt werden. Das sei schon gut, brauche aber auch seine Zeit, so Erwin Schär. Zwar habe sich der Fleischkonsum in der Schweiz stabilisiert, doch der Einkaufstourismus habe sich auch in seiner Branche bemerkbar gemacht. Schär schmunzelt:«Es ist hart, mit solch einem Kleinbetrieb zu überleben. Man wird zwar nicht reich, hat aber genug, um zu leben, und sicher jeden Tag Fleisch auf dem Teller.»

Sandra Monika Ziegler

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