Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Eine Arztpraxis sorgt für sichere Strassen

Gleich neben dem Bahnhof betreibt die Universität Zürich einen Stützpunkt der Verkehrsmedizin. Zu den Klienten gehören vor allem Lenker, die alkoholisiert gefahren sind und Senioren – die meisten von ihnen gehen nicht freiwillig hin.
Roseline Troxler
Kristina Keller entnimmt eine Haarprobe im Stützpunkt der Verkehrsmedizin der Universität Zürich. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 18 Februar 2018))

Kristina Keller entnimmt eine Haarprobe im Stützpunkt der Verkehrsmedizin der Universität Zürich. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 18 Februar 2018))

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Die Verkehrsmedizin der Universität Zürich ist seit rund zehn Jahren in der Zentralschweiz präsent. Der Grund ist ein tragischer: Im Juli 2007 raste ein Mann auf der A2 in Emmen in eine Baustelle. Vier Personen wurden dabei getötet, weitere wurden schwer verletzt. «In der Zentralschweiz hat sich dann der Wunsch verstärkt, dass wir Personen auch hier verkehrsmedizinisch untersuchen können», erklärt Kristina Keller, Leiterin Verkehrsmedizin der Universität Zürich.

In der Folge hat das Institut für Rechtsmedizin (IRM-UZH), dem die Verkehrsmedizin angegliedert ist, in Luzern einen Aussenstandort aufgebaut. War dies in den ersten Jahren ein Provisorium, hat er sich seit vergangenem August fix an der Zentralstrasse, gleich neben dem Bahnhof, eingerichtet.

Von Abstinenzkontrollen bis zum Prüfen der Fahreignung

Wer die Behandlungsräume betritt, stellt kaum einen Unterschied zu einer normalen Arztpraxis fest. Auch hier gibt es eine Untersuchungsliege und Instrumente wie ein Blutdruckmessgerät und Stethoskop.

Die Verkehrsmediziner führen in Luzern drei Mal wöchentlich Abstinenzkontrollen durch oder erstellen Gutachten zur Fahreignung. Darf der 80-jährige Herr noch Auto fahren oder nicht? Hat die 40-Jährige, die mehrmals mit zu viel Alkohol am Steuer kontrolliert wurde, ihren Konsum wieder im Griff? Solche Fragen beschäftigen Verkehrsmediziner. Die Aufträge für die Gutachten kommen primär von den Strassenverkehrsämtern. Je nach Anlass können verkehrsmedizinische Untersuchungen auch vom Hausarzt durchgeführt werden, etwa Seniorenuntersuchungen oder solche von Berufschauffeuren. Bei gewissen Delikten aber kommen die Verkehrsmediziner des IRM-UZH zum Zug. Gleiches gilt, wenn das Urteil des Hausarztes nicht eindeutig war. Bei rund 600 Zentralschweizern werden am Standort in Luzern regelmässig Abstinenzkontrollen durchgeführt. Dabei wird alle sechs Monate eine Haarprobe genommen. Sie ist eine Langzeitaufzeichnung der konsumierten Stoffe. Für die Probe wird eine etwa bleistiftminendicke Strähne abgeschnitten und im Labor untersucht. Laut Kristina Keller gelten die Auflagen für die Abstinenzkontrollen meist ein bis zwei Jahre. Gewisse Personen brauchen mehrere Anläufe. 2017 wurden ausserdem 350 Gutachten zur Fahreignung erstellt. Tendenz steigend. Dies ist vor allem auf Via sicura, dem Programm des Bundes für mehr Sicherheit im Strassenverkehr, zurückzuführen. Dieses schreibt eine medizinische Abklärung der Fahreignung für alle vor, die mit einer Blutalkoholkonzentration ab 1,6 Promille oder unter Drogeneinfluss kontrolliert wurden. Gleiches gilt, wenn aus anderen gesundheitlichen Gründen Zweifel an der Fahreignung bestehen. Die Kosten der Untersuchungen müssen die Klienten aus der eigenen Tasche zahlen.

Kristina Keller erklärt: «Die Arbeit bedarf viel Fingerspitzengefühl. Die Betroffenen kommen nicht freiwillig zu uns.» Viele Personen hätten einen starken emotionalen Bezug zum Auto. Da werde es während eines Gesprächs schon mal lauter. Gerade Senioren oder Personen, die mit Alkohol am Steuer erwischt wurden, seien oft nicht einsichtig. «Viele denken: Die Leute in meinem Umfeld trinken noch mehr als ich.»

Wo Alkohol im Spiel war, fehlt oft die Einsicht

Grundsätzlich stellt Kristina Keller fest: «In der Innerschweiz werden wir mehrheitlich mit der Alkoholproblematik konfrontiert.» Anders verhält es sich in Zürich: Laut der Fachfrau haben dort Drogen bei den Kontrollen einen höheren Stellenwert. Ausserdem zeige sich, dass bei jungen Verkehrsteilnehmern Kampagnen und Nulltoleranz Früchte tragen.

Keller rechnet damit, dass der Stützpunkt in Luzern in den nächsten Jahren mehr Gutachten erstellen wird. Blickt sie noch weiter in die Zukunft, erwartet sie durch selbstfahrende Autos tief greifende Veränderungen. «Wir sind daran, uns einen Fahrsimulator zu beschaffen. Wir wollen unter anderem untersuchen, wie sich ein Lenker in einem teilautomatisierten Auto verhält.» Keller glaubt aber, dass es immer Personen geben wird, die selber fahren wollen. «Töfffahrer etwa suchen den Adrenalinkick.»

Gerade im Mischverkehr sieht sie jedoch Gefahren und ist überzeugt: «Uns Verkehrsmediziner wird es weiter brauchen. Doch das Berufsbild verändert sich komplett.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.