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LUZERN: Eine Ausstellung, in der «nix passiert»

Heute gastiert der Pavillon «Bruder Klaus unterwegs» vor der Jesuitenkirche. Darin fehlen Infotafeln oder Audioguides. Stattdessen sollen die Besucher die Einsamkeit eines Eremiten am eigenen Leib spüren.
Urs-Ueli Schorno
Otto Steiner, hier bei der Eröffnung, hat die Wanderausstellung über Bruder Klaus entworfen. (Bild: Corinne Glanzmann (Flüeli-Ranft, 27. Juni 2017))

Otto Steiner, hier bei der Eröffnung, hat die Wanderausstellung über Bruder Klaus entworfen. (Bild: Corinne Glanzmann (Flüeli-Ranft, 27. Juni 2017))

Als «Experiment» und seine bisher radikalste Ausstellung bezeichnet der Sarner Otto Steiner den Pavillon «Bruder Klaus unterwegs». Heute macht dieser Halt auf dem Jesuitenplatz in Luzern. Steiner ist unter anderem bekannt für die Gestaltung des Museums der Glasi Hergiswil, des Besucherzentrums der Vogelwarte Sempach oder das touristische Gesamtkonzept am Pilatus.

Der Standort ist kein Zufall: «Ein Rock des Bruder Klaus wird in der ihm gewidmeten Seitenkapelle aufbewahrt», sagt Hansruedi Kleiber, Präfekt der Jesuitenkirche. Die Geschichte des Gewands steht exemplarisch dafür, wie sich rund um Niklaus von Flüe Fakt und Mythos die Hand geben: «Wir wissen, dass das braune Gewand aus der Zeit von Bruder Klaus, also aus dem 15. Jahrhundert, stammt», sagt Kleiber. Der Rock befand sich in privatem Besitz, bevor das Relikt in die Obhut der Luzerner Jesuiten kam. «Die Erzählung besagt, dass es sich um das Gewand handelt, welches Bruder Klaus 1481 vom Luzerner Rat geschenkt bekommen hat.» Naheliegend wäre, dass dem Eremiten damit für seine Verdienste zum Stanser Verkommnis gedankt wurde, das im selben Jahr zu Stande kam. Doch ob das mehr ist als eine Legende, wisse man nicht, so Kleiber.

Erzählt wurde im mittelalterlichen Luzern auch, Bruder Klaus habe regelmässig an Prozessionen rund um die Museggmauer teilgenommen – historisch überprüfbar ist auch dies kaum. Klar ist: Die Klausenkapelle mit dem Gewand existiert seit dem Bau der Jesuitenkirche im 17. Jahrhundert. «Es ist der Ort, an dem auch heute noch am meisten Leute zum Beten kommen», sagt Kleiber. Zur besagten Seitenkapelle gehört noch ein weiteres Relikt, nämlich ein Stock des Heiligen, der hinter Glas auf einem Sockel über dem Altar liegt.

Ausstellung lässt Erzählungen aus

Zurück zur Ausstellung: Otto Steiner haben die vielen Erzählungen rund um Bruder Klaus – jene des Luzerner Rocks ist nur eine davon – lange abgeschreckt, sich des Eremiten anzunehmen. «Obwohl das mein Beruf ist, finde ich diese Geschichte nicht erzählbar», sagte er anlässlich des Tour-Starts im Sachsler Flüeli-Ranft. Sie liege lange Zeit zurück, sei so weit weg von unserer Realität, von unserer Erfahrungswelt, sei absurd und passe nicht in die aktuelle Zeit.

Steiner hat sich daher entschieden, die Erzählungen gleich ganz wegzulassen. Dafür fordert er die Besucher auf, die Geschichten selbst zu schreiben und sich der Gestalt des Niklaus von Flüe ohne Infotafeln oder Audioguides zu nähern.

Es sei eine Ausstellung zum Obwaldner Heiligen, bei der, so Steiner, «nix passiert». Denn die Besucher erfahren – ganz im Sinne des Einsiedlers – während rund 25 Minuten Kargheit, Abgeschiedenheit, Stille – und eine spezielle Begegnung.

Ihre Eindrücke halten sie im Anschluss mit Stift und Papier fest, geben die Zettel in eine Kugel, die für 100 Jahre verschlossen bleibt. Erst die Nachwelt soll erfahren, wie wir heute auf einen Menschen blicken, der lange vor unserer Zeit lebte. Bis zum September ist der Pavillon weiter auf Tournee.

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Heute (6. 7.) steht der Pavillon auf dem Jesuitenplatz in Luzern; 11. 7. Zug, Platz vor Pfarrei Guthirt; 12. 7. Altdorf, Lehnplatz; 15. 7. Schwyz, Parkplatz der Victorinox; 23.–25. 9. Sachseln, vor Pfarrkirche, jeweils 12 bis 19 Uhr.

Infos: www.mehr-ranft.ch

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