LUZERN: Eine «Highspeed-Baustelle» mitten in der Stadt

Seit dem Frühjahr wird das Hirschmattquartier im intensiven Baustil saniert. Warum es schnell gehen muss, erklärt Baustellenchef Roger Schürmann an einer Führung.

Stephan Santschi
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Projektleiter Roger Schürmann (links) begutachtet mit Polier Peter Stadelmann die Baustelle im Hirschmattquartier, wo im Eilzugstempo Leitungen erneuert werden. (Bild Dominik Wunderli)

Projektleiter Roger Schürmann (links) begutachtet mit Polier Peter Stadelmann die Baustelle im Hirschmattquartier, wo im Eilzugstempo Leitungen erneuert werden. (Bild Dominik Wunderli)

«Hier arbeitet ja niemand.» So oder ähnlich lauteten die erstaunten Reaktionen am Freitagabend bei der öffentlichen Begehung der Baustelle im Hirschmattquartier. Die ganze Sempacherstrasse ist derzeit gesperrt, auf mehr als 400 Metern werden hier Kanalisation, Wasser-, Gas- und Telekommunikationsleitungen erneuert. Alles im intensiven Baustil, so heisst es. Tatsächlich sind zu dieser Stunde aber nur eine Handvoll Arbeiter am Werk. Wie kommt das? «Der Grossteil der Arbeiten wird am Tag gemacht, dann stehen bis zu 30 Leute im Einsatz. Die Spätschicht dient als Reservezeit, falls wir in Verzug sein sollten», antwortet Roger Schürmann. Der Projektleiter der Stadtverwaltung ist verantwortlich für die Baustelle und stellt zufrieden fest: «Dank dem guten Wetter in diesem Sommer kommen wir sehr gut voran.»

In Luzern eine Premiere

Seit April wird das Hirschmattquartier von der Stadt Luzern und von Energie Wasser Luzern (EWL) umfangreich saniert. Die Arbeiten an der Franken- und der Morgartenstrasse sind abgeschlossen, jene an der Sempacherstrasse dauern noch bis Anfang Oktober. Nächstes Jahr macht man das Gleiche an der Winkelriedstrasse, am Kauffmannweg und an der Dornacherstrasse. Noch nie wurde in der Stadt ein Projekt in einer intensiven Bauweise umgesetzt, das Know-how holte man sich aus Zürich und Bern. Anstatt im Einschichtbetrieb sind vier bis acht Equipen im Zweischichtbetrieb im Einsatz. Gearbeitet wird von 6 bis 23 Uhr, am Samstag von 7 bis 17 Uhr. Weshalb? «Weil die Arbeiten sehr umfangreich sind. Und weil sie in einem Gebiet stattfinden, das stark genutzt wird», erklärt Schürmann. Den Denkanstoss gaben Anwohner und Geschäfte, die sich erfolgreich gegen eine mehrjährige Grossbaustelle wehrten. Im konventionellen Stil würden die Arbeiten bis zu sechs Jahre dauern. Nun könne man die Bauzeit bei etwa gleich teuren Kosten auf zwei Jahre verkürzen.

Nur wenige Reklamationen

Die Anwohner sind so nicht allzu lange, dafür aber einer starken Lärmbelastung ausgesetzt. Insgesamt habe es aber erstaunlich wenige Reklamationen gegeben. Warum das so ist, sagt Cédric Huwyler (31), der mit seiner Partnerin Viviane Hasler (31) an der aktuellen Baustelle wohnt: «Man darf nicht vergessen, dass dies alles für uns gemacht wird.» Der Lärm sorge zwar phasenweise schon für Schreckmomente, «doch es ist nicht so schlimm, dass ich hier nun nicht mehr wohnen möchte». Bemerkenswert: An Stromausfälle oder ähnliches können sich beide nicht erinnern. Schürmann erklärt: «Die Hauptleitungen werden umgeleitet. Nur beim Umhängen kann es zu kurzen Unterbrüchen kommen.»

Könnte die intensive Bauweise nun Schule machen? Schürmann reagiert mit Skepsis: «Es gibt kein Patentrezept, jede Baustelle muss individuell betrachtet werden.» Für grosse Projekte, wie jenes im Hirschmattquartier, könnte sie aber auch in Zukunft eine Alternative sein.

Stephan Santschi