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LUZERN: Eine Keramik-Ära geht zu Ende

Nach 42 Jahren gibt Katharina Amrein ihre Töpfereiwerkstatt mit Laden auf. Das ist ein Verlust für das künstlerische Handwerk – sie selbst ist aber nicht pessimistisch, was die Zukunft ihres Metiers betrifft.
Katharina Amrein in ihrem Atelier am St.-Karli-Quai 6. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 20. Dezember 2017))

Katharina Amrein in ihrem Atelier am St.-Karli-Quai 6. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 20. Dezember 2017))

Wer den kleinen Laden am ­St.-Karli-Quai betritt, um ein schönes Keramikobjekt zu erwerben, hat nicht mehr viel Auswahl. Einige Teller und Schalen liegen auf den Gestellen, ein paar ­grosse Vasen stehen im Raum, aber das Angebot hat sich gelichtet. Katharina Amrein musste keine «Ausverkauf»-Schilder im Schaufenster anbringen, um ihre Kreationen loszuwerden. «Ich habe vor ein paar Monaten angekündigt, dass ich auf Ende Jahr aufhöre.» Seitdem ist ihr Laden praktisch leergekauft worden. «Eigentlich», sagt sie, «hätte ich aufgrund des Interesses gleich noch ein Jahr anhängen können.»

Aber einmal ist fertig. Zum ­einen ist die Keramikerin seit zwei Jahren pensioniert. Zum andern ist die Arbeit an der Töpferscheibe so anstrengend wie anspruchsvoll. Nach 42 Jahren spüren das auch die Hände und die Finger. Schliesslich bekundet Amrein wenig Lust, noch mit 70 Jahren im Laden zu stehen. So hat sich, zusammen mit dem Verkauf des Hauses am St.-Karli-Quai, der richtige Zeitpunkt wie von selbst ergeben, um mit dem Keramikbetrieb aufzuhören.

Trockener Humor und Gelassenheit

«Topf hoch!», heisst das Motto, mit dem Amrein ihre Kundschaft über den bevorstehenden Wechsel orientiert hat. Ein Spruch, der zu ihrem trockenem Humor passt. Zu ihrer Gelassenheit, mit der sie den neuen Einschnitt in ihrem Leben angeht. «Ich bin nicht eine Person, die zwingend immer etwas machen muss. Von daher glaube ich nicht, dass ich ohne meine Töpferei in ein Loch fallen werde.» Dessen ungeachtet habe sie das Handwerk geliebt und liebe es noch immer. Sie schliesst nicht aus, dass sie in einer befreundeten Keramik-Werkstatt auch in Zukunft noch gelegentlich vereinzelte Stücke produzieren könnte. Doch – und dabei lächelt sie schelmisch: «Ich mache jetzt einfach mal Pause.»

Anfang der 1970er-Jahre machte Amrein ihre Ausbildung in der Fachklasse Keramik an der Kunstgewerbeschule Bern. Die Keramik boomte. Der Humus der Alternativkultur war noch frisch, das Selbstproduzierte hatte seinen Wert. 1975 zog sie in das charmante Knusperhäuschen am St.-Karli-Quai in Luzern. Hier entstanden Tausende von Tellern, Teeschalen, grosse Schüsseln, Vasen und viele Unikate der sogenannten Gebrauchskeramik, auf die sich Amrein spezialisiert hat. Sie machte alles in Eigenregie, in ihrer ruhigen Unerschütterlichkeit: vom Entwurf zur Produktion über das Design bis zum Verkauf im eigenen Laden.

Die Grenzen zwischen Handwerk und Kunst seien in der Keramik immer fliessender geworden, sagt die Keramikerin, die sich selber als Handwerkerin bezeichnet. Sie hat ausschliesslich mit der Töpferscheibe produziert und mit dem heiklen Werkstoff ­Porzellan gearbeitet. Dabei hat sie durchaus eine künstlerische Handschrift herausgebildet. Mit ihrer vom fernöstlichem Design beeinflussten Ästhetik setzte sie von Anfang an auf Reduktion und klare Formen und konnte sich eine treue Stammkundschaft aufbauen. Ihre Kunden kamen aus der ganzen Schweiz. Stets ging Amrein mit der Zeit, ihre Kreationen blieben trotzdem zeitlos.

Hat das Töpferhandwerk noch Zukunft?

Mit dem Ende von Amreins Keramikbetrieb verliert der Raum Luzern nicht nur ein feines Geschäft, sondern auch eine spezifische Handwerkskunst. Zwar gibt es noch vereinzelte Studiokeramikerinnen, aber sie arbeiten weniger sichtbar und haben keinen eigenen Laden. Mittlerweilen produziert auch die Industrie Keramik, die wie von Hand gemacht aussieht. Hat da ein klassischer Töpfereibetrieb noch eine Chance? Die erfahrene Töpferin ist nicht pessimistisch, was ihr Metier anbelangt. Die Konkurrenz der Industrie habe es schon immer gegeben. Und: «Es gibt auch wieder junge Leute, die mit der Töpferscheibe arbeiten.»

Katharina Amrein konnte sich mit ihrer eigenständigen Nische immer behaupten. Jetzt hat sie den Zeitpunkt gefunden, um aufzuhören. «Ich werde das Handwerk und den Kontakt zu den Kunden vermissen, das ist ganz klar. Aber ich freue mich auch, nicht mehr so angebunden zu sein.» Sie wird mehr lesen können, Ausstellungen und Konzerte besuchen. Mit ihrem Partner, dem Schlagzeuger Fredy Studer, wird sie gezielte Reisen unternehmen. Auch die Keramik will sie weiterverfolgen, genauso wie Kunst, Design und Musik, deren Werke und Entwicklungen sie schon immer inspiriert haben. «Es ist ein schöner Gedanke, dass ich für all das mehr Zeit haben werde.»

Pirmin Bossart

stadt@luzernerzeitung.ch

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