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LUZERN: Eine Schnelldenkerin dank vieler Sprachen

Ellinor Thelander hat die Matura am Alpenquai in Deutsch und Englisch absolviert und spricht noch weitere Sprachen. Doch studieren wird sie etwas ganz anderes.
Von Lausanne über Singapur nach Luzern: Ellinor Thelander lebt erst seit ein paar Jahren in der Stadt Luzern. (Bild: Pius Amrein (11. Juni 2017))

Von Lausanne über Singapur nach Luzern: Ellinor Thelander lebt erst seit ein paar Jahren in der Stadt Luzern. (Bild: Pius Amrein (11. Juni 2017))

Hey! Hello! Bonjour! Hallo! Zu Hause spricht Ellinor Thelander mit ihren Eltern und Geschwistern eine Mischung aus Schwedisch, Französisch, Deutsch und Englisch. Da ist es selbstredend, dass die 18-Jährige die zweisprachige Matura absolvierte. Die junge Frau hat einen sehr internationalen Hintergrund: «Meine Eltern sind aus Schweden, doch mein Vater ist in Australien aufgewachsen. Ich bin in Lausanne geboren. Nach kurzer Zeit zogen wir nach Singapur, dann wieder zurück nach Lausanne, wo ich 13 Jahre eine Privatschule besuchte», erzählt Ellinor Thelander.

Als ihr Vater den Job wechselte, zog die Familie nach Luzern. «Ich kam in die zweite Klasse der Kantonsschule Alpenquai und musste rasch Deutsch lernen.» Die vielen Sprachen, die Ellinor Thelander in ihrem Leben lernen musste, haben ihr auch in anderen Fächern geholfen. «Ich glaube, ich habe eine sehr gute Auffassungsgabe», sagt sie, die nun die Fächer Mathematik, Geschichte, Biologie und Physik auf Englisch abgeschlossen hat. Je nachdem, welche Sprache sie spricht, fühlt sich Ellinor Thelander anders: «Wenn ich schwedisch rede, fühle ich mich wie mich selber. Schreiben und lesen tu ich am liebsten auf Englisch». Weil ihre Eltern kein Schweizerdeutsch sprechen, hat sie ihrem Vater eben erst ein Dialektwörterbuch geschenkt.

Briefe nach Polen, getippt auf alter Schreibmaschine

Natürlich wird Ellinor Thelander nach der Matura Sprachen studieren – möchte man meinen. Aber weit gefehlt: Die frischgebackene Maturandin will sich an der ETH zur Chemieingenieurin ausbilden lassen. Auch ihr Vater ist nämlich Ingenieur. «Mich interessieren die Produktionsprozesse. Ausserdem vereint das Studium alle Fächer, die ich gern mag: Mathe, Physik, Chemie und Informatik.» Für dieses Studium hat sie sich vor zwei Jahren entschieden, als sie in Oxford einen Ingenieurkurs absolvierte. Dort lernte sie auch ihren polnischen Freund kennen, dem sie auf einer alten Schreibmaschine Briefe schreibt. «Mein Umfeld unterstützt mich völlig in meiner Studienwahl. Eine Freundin sagte mir, dass sie mich nur an der ETH sähe.» Nur ein Viertel der dortigen Absolventen seien Frauen: «In Schweden ist man in Sachen Geschlechtergleichheit etwas weiter.»

Nicht nur daheim und an der Schule geht es bei Thelander multikulturell zu und her: Dreimal hat sie mit einem Team beim European Youth Parliament mitgemacht, wo man für oder gegen eine Sache argumentieren muss. «Mir hat das immer viel Spass gemacht, weil ich gern neue Menschen kennen lerne. Darum bin ich auch froh, dass ich viele Sprachen beherrsche», sagt die Luzernerin. Durch das Jugendparlament hat sie vor allem Redeerfahrung gewonnen, als sie vor 170 Leuten ihre Argumente vorlegen musste. Dennoch sei die Politik nichts für sie: «Das geht mir zu langsam. Sich zu informieren und sich zu engagieren, ist aber schon wichtig.»

In ihrer Freizeit geht Ellinor Thelander gern golfen, squa­shen oder Ski fahren. «Ich bin sehr ehrgeizig und motiviert – das habe ich von meinem Vater. Aber es ist auch wichtig, ein guter Verlierer zu sein und beim Verlieren etwas zu lernen», sagt sie. Thelander hat noch einen Bruder (16) und eine Schwester (11). Den Kindern sei das viele Umziehen einfacher gefallen als den Eltern. «Ich mag Abwechslung und finde es gut, wenn man das Neue akzeptiert.» Zielstrebig, wie Ellinor Thelander ist, hat sie auch die nächste Zeit nach der Matura schon verplant. «Erst kommt die ganze Familie aus Schweden für die Maturafeier her. Da gibt es ein grosses Fest», freut sie sich. Danach macht die angehende Chemie­ingenieurin ein fünfwöchiges Praktikum in Buenos Aires, bei dem sie vor allem im Labor arbeiten wird. Dort wird sie natürlich auch gleich Spanisch lernen. Dann kommt noch «Hola!» dazu.

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

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