LUZERN: Eltern sollen mehr Schulgeld zahlen

Neuster Streich der Regierung beim Sparkurs in der Bildung: Das Schulgeld für Mittelschüler soll von 465 auf 765 Franken pro Jahr erhöht werden. Damit wäre Luzern einer der teuersten Kantone.

Alexander von Däniken
Merken
Drucken
Teilen
Biologieunterricht an der Kanti Musegg in der Stadt Luzern. (Archivbild Pius Amrein)

Biologieunterricht an der Kanti Musegg in der Stadt Luzern. (Archivbild Pius Amrein)

Alexander von Däniken

Nach der Schliessung der Fachklasse Grafik und einer Woche Zwangsferien für Gymnasien und Berufsschulen wird jetzt eine weitere Sparmassnahme der Luzerner Regierung im Bildungsbereich bekannt. Das Schulgeld für staatliche Gymnasien und Mittelschulen ab der 10. Klasse (Sekundarstufe II) soll von derzeit 465 Franken pro Jahr auf 765 Franken erhöht werden. Mehrere Quellen aus Schulkreisen bestätigen Recherchen unserer Zeitung. Das ist ein Aufschlag von 300 Franken oder satten 64,5 Prozent. Der Regierungsrat will sich wie bei den bereits an die Öffentlichkeit gelangten Sparmassnahmen derzeit nicht dazu äussern.

Weniger Schüler – weniger Entgelte

Mit den zusätzlichen 300 Franken pro Mittelschüler und Jahr soll der leichte Rückgang an Schulgeldeinnahmen kompensiert werden. So schreibt die Regierung im aktuellen Jahresbericht 2014: «Weniger Schulgeldeinnahmen durch den Rückgang von Lernenden bewirken einen Minderertrag bei den Entgelten (0,3 Millionen Franken).» Konkret hat der Kanton letztes Jahr rund 8,7 Millionen Franken an Entgelten eingenommen – 1 Million weniger als 2013. Parallel dazu ist die Zahl der Mittelschüler auf Sekundarstufe II (Gymnasien und Fachmittelschulen) leicht gesunken: zwischen 2009 und 2015 um 51.

Der Verband der Luzerner Mittelschullehrer verweist auf laufende Gespräche; eine Stellungnahme sei darum derzeit nicht möglich.

Pikant: Im jüngst veröffentlichten Legislaturprogramm 2015 bis 2019 schrieb die Regierung zum Stellenwert des Gymnasiums, dass die Mittel «zur Erfüllung der vielfältigen Bildungsbedürfnisse möglichst wirksam eingesetzt» werden sollen: «Wir prüfen deshalb, wie sich die bestehende Organisation des Gymnasialwesens weiter verbessern lässt.» Generell soll das Gymnasium «als Marke und als Garantin der allgemeinen Studierfähigkeit positioniert» werden.

Massnahme bringt rund 1 Million

Wie viel Mehreinnahmen die Massnahme dem Kanton bescheren wird, ist unklar. Einfach geschätzt dürfte die Schulgelderhöhung bei aktuell 3398 Mittelschülern der Sekundarstufe II rund 1 Million Franken zusätzlich in die klamme Staatskasse spülen. Die Kosten pro Gymischüler (Vollzeit) belaufen sich für den Kanton gemäss Jahresbericht auf 24 000 Franken pro Jahr. Lehrer und Infrastruktur inklusive.

Doch auch die Eltern greifen für ihren Gymi-Nachwuchs tief in die Tasche, wie eine Zusammenstellung der Kanti Musegg vom Mai zeigt: Im ersten Jahr nach dem Übertritt von der obligatorischen Schule werden rund 1735 Franken fällig: für Bücher, Sonderwochen, Kopien – und die Schulgeldpauschale. Im zweiten Jahr wird mit rund 1075 Franken gerechnet, im dritten mit 1275 Franken. Das vierte Jahr ist wegen der Maturaprüfungsgebühr mit 1830 Franken das teuerste. Macht für vier Jahre knapp 6000 Franken. Diese Summe verdoppelt sich bei zwei Kindern im Gymnasium auf 12 000 Franken. Mehr noch: Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) will demnächst flächendeckend an allen Kantis das Projekt Pegasus einführen. Die Schüler müssen dann einen eigenen Laptop in den Unterricht mitbringen.

Viele Kantone ohne Schulgeld

Mit den 765 Franken Schulgeld pro Mittelschuljahr wäre Luzern einer der teuersten, wenn nicht der teuerste Kanton. Dies zeigt ein Vergleich mit verschiedenen anderen Kantonen. Überhaupt erstaunt, wie viele Kantone überhaupt kein Schulgeld verlangen. Dazu zählen Zürich, Bern, Zug, St. Gallen, Nidwalden, Aargau, Appenzell Ausserrhoden, Solothurn und Basel-Stadt.

In Freiburg bezahlen Eltern 375 Franken pro Gymnasiast oder Fachmittelschüler und Jahr, in Graubünden 460. In Schwyz, Obwalden und Uri wird jeweils eine Pauschale von 500 Franken erhoben. In Schwyz hat die SP kürzlich angekündigt, sich für das Streichen des Schulgelds einzusetzen. Auch in Nidwalden gibt es Widerstand: Gegen den Plan der Regierung, ein Schulgeld von 500 Franken einzuführen, haben die Grünen das Referendum ergriffen. Am 29. November entscheidet die Bevölkerung darüber. Ob mit Schulgeld oder ohne: Alle Kantone kennen die Regel, dass für ausserkantonale Schüler eine höhere Pauschale erhoben wird.

Die Mittelschulen sind in Luzern nicht zum ersten Mal im Fokus von Sparmassnahmen. Die letzten Beispiele liegen gerade einmal ein Jahr zurück. Damals wollte der Regierungsrat das Langzeitgymnasium abschaffen und die Kanti Beromünster und Schüpfheim schliessen. Das Kantonsparlament verhinderte indes diese Sparmassnahmen.