LUZERN: Emmi mit Preiserhöhungen und Kostensenkungen

Der Milchverarbeiter Emmi hat im ersten Halbjahr die Gewinnmarge steigern können. Die Verkäufe waren dagegen in allen Regionen rückläufig. In der Schweiz machte dem Konzern vor allem der Einkaufstourismus zu schaffen.

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Das Logo am Hauptsitz von Emmi in Luzern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Das Logo am Hauptsitz von Emmi in Luzern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Emmi nennt den Einkaufstourismus als Hauptgrund für den rückläufigen Umsatz in der Schweiz. Die Verkaufserlöse betrugen hierzulande in den Monaten Januar bis Juni noch 874,2 Millionen Franken. Das sind 3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Mit knapp 56 Prozent am Gesamtumsatz ist die Schweiz immer noch der wichtigste Absatzmarkt von Emmi.

Zwar konnte der Konzern den negativen Effekt des Einkaufstourismus auf Anfrage nicht beziffern. Doch eine Untersuchung der Universität St. Gallen kam jüngst zum Schluss, dass die hiesige Lebensmittelbranche am stärksten unter den Einkäufen im benachbarten Ausland leidet. Gemäss einer Hochrechnung entgehen der Branche so jährlich 2,8 Milliarden Franken.

Obwohl Emmi damit rechnet, dass sich die Umsatzeinbussen im Zuge der Frankenstärke im zweiten Halbjahr vergrössern werden, plant der Konzern keine Stellenstreichungen und Produktionsauslagerungen. Auch in Zukunft würden alle Produkte, die in der Schweiz unter dem Namen Emmi verkauft würden, hierzulande produziert, sagte Konzernsprecherin Esther Gerster gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Zusätzlich unter Druck gerieten die Umsätze in der Schweiz auch durch den Preiskampf im Industriegeschäft, das die Belieferung von Schokoladenherstellern und Grossbäckereien mit Milchpulver umfasst. Zudem machen Emmi die steigenden Importe von billigem ausländischen Käse, allen voran von Mozzarella, zu schaffen.

Im Ausland läuft es besser

In der Division Americas, mit knapp einem Viertel am Gesamtumsatz der zweitwichtigste Absatzmarkt, konnte Emmi dagegen zulegen. Währungseffekte und Verkäufe herausgerechnet, resultierte ein organisches Wachstum von 3,0 Prozent. Vor allem das Käsegeschäft in den USA florierte. Die Division umfasst neben den USA, Kanada und Chile, auch Spanien, Frankreich und Tunesien.

Weniger gut lief es in Italien und Deutschland, wo der Export von AOP-Käse aus Schweizer Produktion, allen voran von Emmentaler, harzte. So musste Emmi in der Division Europa,    zu der auch Grossbritannien, Österreich und die Benelux-Länder gehören, einen organischen Umsatzrückgang von 0,7 Prozent hinnehmen.

Im Auslandgeschäft profitiert Emmi aber grundsätzlich davon, dass lediglich 30 Prozent der verkauften Ware aus dem Export stammen. Der Grossteil wird im Ausland produziert, zum Beispiel in Italien. Dadurch bleiben die negativen Währungseinflüsse auf das Geschäft begrenzt.

Mehr Gewinn trotz Umsatzrückgang

Trotz der rückläufigen Verkaufszahlen - der Gesamtumsatz fiel um 3,8 Prozent auf noch 1,56 Milliarden Franken - verdiente Emmi unter dem Strich mehr als noch vor einem Jahr. Der um Verkäufe und Wertberichtigungen bereinigte Konzerngewinn belief sich auf 46,6 Millionen Franken, gegenüber 45,2 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Das verbesserte Ergebnis sei auf Kostensenkungen sowie auf Preiserhöhungen in den Divisionen Europa und Americas zurückzuführen, wird Konzernchef Urs Riederer in der Mitteilung zitiert. In der zweiten Jahreshälfte gelte es nun die Umsatzrückgänge in einem vernünftigen Rahmen zu halten - vor allem in der Schweiz.

Analysten zeigten sich erfreut ob der Gewinnentwicklung. Bei der UBS hiess es etwa, die Zahlen von Emmi liessen vor allem auf ein gutes Kostenmanagement schliessen. Die Verbesserung der EBIT-Marge von 4,6 auf 5,4 Prozent nennt der zuständige Analyst gar als beeindruckend, zumal der Milchverarbeiter auch unter Währungseinflüssen leide.

Entsprechend positiv war auch die Reaktion an der Börse. Die Emmi-Titel legten einen Kurssprung hin und notiertem am Mittag knapp 6 Prozent im Plus.

sda