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LUZERN: Entlastungsstrasse im Norden von Luzern wird deutlich teurer

Das Strassenprojekt Spange Nord, das das Zentrum Luzerns vom Autoverkehr entlasten soll, dürfte ein Drittel teurer werden als angenommen. Das überarbeitete Vorprojekt geht von Kosten von 200 Millionen Franken aus. Bislang wurden diese auf 150 Millionen Franken veranschlagt.
Morgendlicher Stau am Pilatusplatz: Die Spange Nord soll dereinst die Verkehrssituation in der Stadt Luzern entschärfen helfen. (Archivbild: Remo Naegeli/LZ)

Morgendlicher Stau am Pilatusplatz: Die Spange Nord soll dereinst die Verkehrssituation in der Stadt Luzern entschärfen helfen. (Archivbild: Remo Naegeli/LZ)

Der Weg ist lang, aber das Ziel ist klar: Der Durchgangsverkehr soll künftig auf einem neuen Autobahnabschnitt durch Luzern geleitet werden, dem Bypass. Dieser ist Sache des Bundes, derzeit mit knapp 1,5 Milliarden Franken veranschlagt und dürfte frühestens 2030 gebaut werden. Der bestehende Autobahnabschnitt zwischen der Verzweigung Rotsee und Kriens würde entlastet und stünde dem regionalen Verkehr offen, was wiederum das Stadtzentrum entlastet. Dafür braucht es einen neuen Autobahnzubringer: die Spange Nord mit dem Anschluss Lochhof zwischen Schlossberg und Fluhmühle auf der anderen Seite der Reuss.

Von 150 über 185 auf 200 Millionen Franken

Für die Planung der Spange Nord mit Massnahmen für den öffentlichen Verkehr ist der Kanton Luzern verantwortlich. Dieser hat gestern eine überarbeitete Version des Vorprojekts präsentiert und dem Bund und den betroffenen Gemeinden zur Vernehmlassung unterbreitet. Gemäss der aktuellen Planung, die jetzt in die zweite Vernehmlassung geht, kostet die Spange Nord rund 200 Millionen Franken. Lange galt ein Betrag von 150 Millionen, ehe Mike Siegrist, Leiter der kantonalen Dienststelle Raumentwicklung, im letzten März die Summe auf 185 Millionen Franken bezifferte. Einer der damaligen Gründe gilt auch heute: der Tunnel im Friedental.

Jetzt soll der Tunnel um 200 Meter auf rund 365 Meter verlängert werden. Diesen Wunsch hatte unter anderem der Luzerner Stadtrat geäussert. Eine weitere Massnahme dürfte dem Stadtrat weniger gefallen: Anders als gewünscht soll die Fluhmühlebrücke auf vier Spuren verbreitert werden. «Das ist nötig, um eine optimale Leistungsfähigkeit zu erreichen. Davon profitiert insbesondere auch der öffentliche Verkehr auf der Baselstrasse», erklärt Beat Hofstetter, Abteilungsleiter Planung Strassen der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur.

Die 174 Meter lange und knapp 21 Meter breite Brücke bildet die Anbindung an den neuen Autobahnanschluss Lochhof, der heute nur den Blaulichtorganisationen und dem Werkverkehr offensteht. Von der Brücke führt die Spange stadteinwärts über den dreispurigen Tunnel auf die offene Friedentalstrasse. Dort ist nördlich der Strasse ein kombinierter, viereinhalb Meter breiter Velo-/Gehweg geplant. Für die Autos stehen auf der Höhe Rosenberg drei Fahrspuren zur Verfügung. Am Einbahnring Schlossberg will der Kanton festhalten; dafür soll die Vallasterstrasse begradigt werden – aus städtebaulichen Gründen. Zwar will der Kanton «nach Möglichkeit» auf den Abbruch von Gebäuden verzichten. Trotzdem seien Abbrüche im Bereich Lochhof und am Schlossberg «unvermeidlich», wie es im Bericht des Kantons heisst. Konkret müssten drei Häuser an der St.-Karli-Strasse weichen, drei in der Reussmatt und eines an der Friedentalstrasse.

Lift statt separate Rampe über Reuss

Laut Beat Hofstetter haben neben dem längeren Tunnel und der breiteren Brücke auch Optimierungen an den Velowegen und Trottoirs zur Kostensteigerung beigetragen. Ein weiteres Beispiel: Anders als vom Stadtrat gewünscht erhalten Velofahrer und Fussgänger bei der neuen Fluhmühlebrücke auf der westlichen Reussseite keine separate Rampe. Stattdessen ist ein Lift- und Treppenturm geplant.

Die Genauigkeit der Kosten ist laut Hofstetter abhängig vom weiteren Verlauf der Projektphase. Änderungen aufgrund von Stellungnahmen seien noch möglich. Der Luzerner Stadtrat will sich derzeit nicht zu den neuen Plänen äussern, wie es auf Anfrage heisst. Man wolle die Stellungnahme im Rahmen der Vernehmlassung nicht vorwegnehmen. Auch sonst halten sich verschiedene Exponenten, die sich bisher für den Bypass und den Zubringer aussprachen, mit einer Meinung zurück. Offensichtlich schwindet die anfängliche Begeisterung. So gibt es zwar ein Komitee gegen den Bypass – und damit gegen die Spange –, aber kein Pro-Komitee. Hinter vorgehaltener Hand ist von Skepsis die Rede, ob die Spange, so wie sie jetzt geplant ist, bei einer kantonalen Volksabstimmung durchkommt. Die Skepsis bestätigt Monique Frey, Geschäftsleiterin der VCS-Sektion Luzern, Kantonsrätin der Grünen und Mitglied des Nein-Komitees: «Ein längerer Tunnel macht das Projekt nicht automatisch besser, sondern nur teurer. Nach wie vor werden die Gebiete rund um den Schlossberg zusätzlich mit Verkehr belastet. Es mangelt an der eigentlichen Verlagerung hin zu ÖV und Langsamverkehr.»

Nach der Vernehmlassung, die bis Januar 2017 dauert, wird das Bauprojekt erarbeitet. Die Stimmberechtigten des Kantons werden an der Urne über das Projekt entscheiden. Die Realisierung soll dann abgestimmt auf den Bypass Luzern erfolgen.

avd/sda

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