LUZERN: Er hat das gute Benehmen im Blut

Ein Luzerner Butler bringt Kindern in Kursen gutes Benehmen bei. Er selbst gehört einem aussterbenden Berufszweig an.

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Der Luzerner Butler David Nessar (33) gibt Kindern Tipps für den höflichen Umgang mit Mitmenschen. (Bild Nadia Schärli)

Der Luzerner Butler David Nessar (33) gibt Kindern Tipps für den höflichen Umgang mit Mitmenschen. (Bild Nadia Schärli)

«Kinder glauben ihren Eltern heute oft nicht, wenn diese ihnen Benehmen beibringen wollen. Manchmal wissen es auch Mutter und Vater nicht besser», erklärt der Butler David Nessar (33). Darum bietet er Knigge-Kurse für Kinder im Hotel Gütsch an.

Adolph Knigge, der die bekannten Benimmregeln aufgestellt hat, lebte im 18. Jahrhundert. «Er wollte das Zusammenleben einfacher machen. Was damals für den Umgang miteinander galt, gilt auch 2015 noch. Aber es kommt heute noch das Moderne dazu, zum Beispiel das Smartphone», sagt David Nessar. Knigge machte keinen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern – Nessar auch nicht. «Manche Kinder wissen schon sehr viel, haben mit den Eltern geübt», erzählt er. Es kommen ebenso Kinder aus Bauernfamilien in den Knigge-Kurs wie auch Kinder aus bürgerlichen Familien. Hinterher gibts ein Büchlein und ein Diplom.

«Das ist fast wie Magie»

Der Luzerner hatte schon als Jugendlicher Interesse an der Hotellerie. «Auch die Berufsberatung hat mich in der Gästebetreuung gesehen. Dann sah ich am Fernsehen einen Beitrag über einen Schweizer Butler. Da wusste ich: Ich will Butler werden. Darauf schrieb ich dem Butler einen Brief und hab mir Rat geholt. Damals war ich 16», erinnert sich Nessar. Nach der Ausbildung bei einem inzwischen verstorbenen Butler in Luzern absolvierte er eine vierjährige Hotelfachschule im Wallis. Danach klappte es sofort mit der ersten Stelle als Butler bei einem Paar in Meggen. «Der Unterschied zwischen einem Butler und zum Beispiel einem Kellner ist, dass ein Kellner etwas tut, wenn man ihn ruft. Ein Butler tut etwas, bevor man ihn ruft», beschreibt David Nessar seine Leidenschaft. Die Herausforderung sei, die Bedürfnisse seines Arbeitgebers so gut zu kennen, dass er 15 Schritte voraus sei. «Ich räume die Hindernisse in seinem Leben aus dem Weg, mache sein Leben einfacher. Das ist fast wie Magie.» Ein Butler organisiert den Teil des Lebens seines Arbeitgebers, den dieser nicht selber bewältigen kann oder will. «Ein Manager kommt nach Hause und kann sich ins gepackte Auto setzen, um in die Ferien zu fahren, weil ich das für ihn erledigt habe», macht David Nessar ein Beispiel. Der Butler lernt seinen Arbeitgeber sehr gut kennen. «Es entsteht eine Beziehung mit klaren Linien. Ich sieze ihn und nenne ihn beim Nachnamen, er nennt mich meist Dave, siezt mich aber. Auch Menschen, die sich einen Butler leisten, sind nur Menschen», betont der 33-jährige Luzerner.

Gutes Benehmen, inklusive Loyalität, fliesst in den Adern des Butlers. Nicht nur im Job, sondern auch im Alltag: Die Tür aufhalten, den Mantel abnehmen, fragen, ob jemand ein Getränk will. Das gehört für ihn dazu.

Keine Waffen, keine Drogen

Loyalität und Verschwiegenheit des Butlers haben allerdings Grenzen. «Butler besorgen keine Waffen, keine Prostituierten und keine Drogen», meint Nessar lachend. Geheimnisse zu bewahren fällt ihm aber nicht schwer: «Wenn man damit ein Problem hat, dann kann man nicht Butler werden.» Probleme mit Hunden sollte man auch nicht haben. «Zu servieren, während der Hund unter dem Tisch die Füsse angreift, ist eine Herausforderung», erzählt Nessar schmunzelnd. Dabei dürfe ein Butler auch keine Reflexe zeigen.

Der Lohn eines Butlers ist Verhandlungssache. Er liegt meist zwischen 6000 und 8000 Franken im Monat – Kost und Logis inbegriffen. Denn der Butler wohnt meist im Haus seines Herrn. Dafür muss er rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Die Knigge-Kurse macht der Butler nur nebenbei, er ist gerade auf Stellensuche. «Das macht man über Agenturen. Es gibt aber in der Schweiz nur wenige Stellen, auch wenn hier viele Reiche wohnen», erzählt Nessar. Er führt das darauf zurück, dass die Schweiz ein Bauernland war, das nach dem Zweiten Weltkrieg plötzlich zur Finanznation wurde. «Nur in wenigen Schweizer Familien haben Butler Tradition. Und die Leute werden immer älter. Im Alter tauschen sie oft die Hausangestellten mit Pflegepersonal aus.»

Natalie Ehrenzweig

Hinweis

Der nächste Knigge-Kurs ist am Samstag im Hotel Gütsch für Kinder von 7 bis 12 Jahren. Der Kurs kostet 135 Franken. Leser der «Neuen Luzerner Zeitung» erhalten 10 Prozent Rabatt für den Kurs (bei der Anmeldung im Feld «Mitteilung» das Stichwort «Neue LZ» angeben). Anmeldung unter www.kuenzle-organisation.ch/kniggkids_anmelden.htm