LUZERN: Er machte Theater im Historischen Museum

Heinz Horat ist vor 12 Jahren geholt worden, um das Historische Museum in Luzern zu entstauben. Jetzt geht er in Pension – und hinterlässt einen leeren Stuhl.

Stefan Roschi
Drucken
Teilen
Der abtretende Direktor Heinz Horat (65) in «seinem» Historischen Museum Luzern. (Bild Pius Amrein)

Der abtretende Direktor Heinz Horat (65) in «seinem» Historischen Museum Luzern. (Bild Pius Amrein)

Heinz Horat (65) wird am Freitag sein Büro mit Blick auf den Kasernenplatz zum letzten Mal abschliessen. Nach 12 Jahren geht er in Pension und gibt sein Amt als Direktor des Historischen Museums Luzern ab. An wen, ist unklar. Denn die Stelle ist durch den Kanton noch nicht ausgeschrieben worden (siehe Box). Das ärgert Horat zwar, aber sein Team könne vorübergehend auch so weiterarbeiten. Gemeinsam hat man die kommenden Sonderausstellungen bis September 2014 festgelegt. Und so endet Horats Zeit als Direktor so, wie sie begonnen hat: mit Turbulenzen.

Verlockung: USA

In Schwyz aufgewachsen, Studium in Freiburg (englische Literatur und Kunstgeschichte), landete Heinz Horat in den Achtzigerjahren bei der Luzerner Denkmalpflege. Dann erhielt er ein Angebot für eine Professorenstelle in den USA, dachte darüber nach und entschied sich doch für die Schweiz. Heute bezeichnet er dies als beruflichen Leitentscheid. In Zug konnte er daraufhin die Leitung der Denkmalpflege übernehmen, mit Frau und zwei Kindern zügelte er nach Weggis. Erst ein weiterer «brüsker Wechsel» 2001 änderte dies.

Der Kanton Luzern suchte zu dieser Zeit einen neuen Direktor fürs Historische Museum und fragte Heinz Horat an. «Ich hätte mich selber nicht beworben», sagt er. «Aber mit der Anfrage hat sich die Situation geändert.» Ihn reizte speziell die Zusatzaufgabe, die man dem neuen Direktor stellte – die Umstrukturierung des Museums. Dieses galt als verstaubt, die Besucherzahlen dümpelten bei 25 000 Leuten pro Jahr. Neue Ideen waren gefragt.

Die Vitrinen rausgeschmissen

Und Heinz Horat veränderte etwas. Mehr, als manchen lieb war. Eineinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt wurde auf seine Initiative hin ein neuer Platz vor dem Eingang realisiert, eine Bar eröffnet und ein Durchgang zum benachbarten Natur-Museum geschaffen. Für die Ausstellung wählte Horat ein neues Betriebskonzept. Dafür wurde das ehemalige Zeughaus wieder zurück in ein Depot verwandelt. Statt Vitrinen gabs ein Schaulager und Strichcodes für die Ausstellungsstücke. Besucher konnten so neu mittels eines elektronischen Geräts die Infos selber auf ihren Bildschirmen nachlesen. Doch nicht genug: Der neue Direktor stellte eine fixe ­Theatertruppe ein, die in täglichen Führungen den Besuchern Geschichte vorspielte. «Schweizweit war das eine ­völlig neue Art von Museum.»

Ideen am Kaffeetisch

Kritiker waren schnell zur Stelle. Unter anderem in der Person des Präsidenten der Freunde des Historischen Museums, der aufgrund der Differenzen zurücktrat. Aber auch die Besucher mussten sich an die neue Geschichtsaufbereitung gewöhnen. Horat sagt: «Wenn man so umkrempelt, stösst man traditionell orientierte Leute vor den Kopf.»

Kurz vor der Pensionierung blickt Heinz Horat mit Genugtuung zurück. Seit der Umstellung sind die Besucherzahlen stetig angestiegen – auf durchschnittlich 35 000 Eintritte. Die Theaterführungen geniessen einen guten Ruf, und die Sonderausstellungen der letzten Jahre, etwa über die Musikszene der Sechzigerjahre oder über Schokolade, waren sehr erfolgreich. Die Ideen seien meist am Kaffeetisch mit dem Team entstanden. «Ich hatte das Glück, immer das tun zu können, was mich interessiert.» Die Vorteile eines Museums­direktors: «Dieser Job bot alle Freiheiten. Niemand hat mir reingeredet.»

Und doch musste auch er sich einem Faktor unterwerfen – dem Geld. Inzwischen hätten die Sparaktionen des Kantons dazu geführt, dass ein kosten­deckender Betrieb nicht mehr gewährleistet werden könne. Er selber wird sich damit nicht mehr herumschlagen müssen. Horat will sich stattdessen wieder der publizistischen Arbeit im kunsthistorischen Bereich widmen und auf eine Reise mit seiner Frau gehen. Dem einen oder anderen Museum werde er auch künftig einen Besuch abstatten.