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LUZERN: Er räumt den Abfall vom Dach

Fussbälle, Flaschen und Drogenspritzen: Auf den Dächern von Bushaltestellen landet alles Mögliche. Besonders schlimm ist es nach Grossanlässen.
Gabriela Jordan
Manfred Stirnimann mit Gegenständen, die er kürzlich von den Dächern der Bahnhofperrons geräumt hat. (Bild Manuela Jans-Koch)

Manfred Stirnimann mit Gegenständen, die er kürzlich von den Dächern der Bahnhofperrons geräumt hat. (Bild Manuela Jans-Koch)

Gabriela Jordan

Der gröbste Abfall ist bereits verschwunden. Mit einem Besen wischt Manfred Stirnimann (65) etwa fünf Meter über dem Boden noch den letzten Dreck zusammen. Er steht auf dem Dach des Busperrons unmittelbar neben der Hauptpost in Luzern.

Auf den ersten Blick wirkt die braune Masse in der Dachrinne wie nasses Laub. Bei genauerem Hinsehen merkt man aber, dass es sich um Papier handelt. «Das könnte vielleicht ein Überbleibsel des Fötzeliregens von der Fasnacht sein», vermutet Stirnimann, der hauptberuflich Schlosser ist. Egal, was es ist, es muss raus aus der Dachrinne. Denn sie wird regelmässig verstopft, weil das Dach immer wieder mit Gegenständen beworfen wird. In der Folge tropft es bei Regen auf die Leute, welche unter dem schützenden Dach auf den Bus warten.

Was nach einer Lappalie klingt, bedeutet für die Stadt Luzern Tausende von Franken für die Reinigungskosten. Ein- bis zweimal pro Jahr muss Stirni­mann auf die Dächer beim Busbahnhof steigen – und holt Pullover, Turnschuhe, Flaschen oder sogar Fussbälle runter. Dafür benutzt er einen Hebekran von Energie Wasser Luzern (EWL), weil das Aufsteigen mit einer Leiter in diese Höhe zu gefährlich wäre. Um die zwei Dächer zwischen dem Torbogen und der Post zu säubern, benötigte Stirnimann drei Tage. Kostenpunkt: rund 4000 Franken.

«Leute tragen weniger Sorge»

Auch wenn die Aussicht von der Plattform nicht schlecht ist, findet es Stirni­mann bedauerlich, dass er immer öfter zu solchen Einsätzen gerufen wird. Seit ungefähr einem Jahrzehnt säubert er in der Stadt die Dächer von öffentlichen Bauten oder repariert öffentliche Toiletten. In den letzten Jahren hätten sich die Aufträge gehäuft. Kaum flicke er etwas, machten es Randalierer wieder kaputt. «Mir scheint, dass Leute heute einfach weniger Sorge zu den Sachen tragen.»

Er glaubt, dass sich einige einen Spass daraus machen, Gegenstände auf die Dächer zu werfen. Besonders nach Grossanlässen wie dem Luzerner Fest oder der Fasnacht komme dies häufig vor. «Gegen diese Anlässe habe ich aber nichts, ich bin selbst ein Fasnächtler», fügt Stirni­mann hinzu. Doch die Sachen, die er auf den Dächern findet, würden ihn immer wieder zum Staunen bringen. Meistens sind es leere Bierdosen, Weinflaschen oder Portemonnaies. Manchmal liegen auch Kleider und Schuhe dort – letztes Mal ein einzelner Turnschuh, der noch wie neu aussah.

Demolierte Toiletten

Das Kurioseste, was Stirnimann aber jemals fand, war ein Kasten voll leerer Drogenspritzen. Dieser lag bis vor zwei Wochen noch auf dem Dach des Busperrons am Bahnhof, bei dem etwa der 1er-Bus Richtung Maihof hält. Solche Kästen hängen in öffentlichen Toiletten, damit Drogenabhängige die gebrauchten Spritzen nicht auf den Boden werfen. Verunstaltete Toiletten geben Stirni­mann sogar noch mehr zu tun als Dächer. Erst am vergangenen Dienstag fand er bei der Lidowiese ein demoliertes WC vor, auf dessen Boden ein kleiner Kanaldeckel lag. Der Übeltäter hatte ihn aus einer Strasse in der Nähe des Verkehrshauses entfernt.

Weil öffentliche Toiletten jederzeit zur Verfügung stehen sollen, muss Stirni­mann jeweils schnell ausrücken, auch am Wochenende.

Um die lange bestehende Zusammenarbeit ist Karl Brassel, Leiter Objektmanagement der Stadt Luzern, deshalb froh. «Heutzutage jemanden zu finden, der am Wochenende einspringt, ist nicht so einfach.» Wie teuer all diese Arbeiten die Stadt jährlich zu stehen kommen, will Brassel nicht beziffern. In der Regel würde das Beheben solcher Schäden aber zwischen 200 und 5000 Franken kosten – im Einzelfall auch einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich.

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