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LUZERN: Er sorgt beim Klavier für den richtigen Klang

Sie sind schweizweit eine Rarität: Klavierbauer und -stimmer. Marco Schranz (40) aus Emmenbrücke ist einer von ihnen. Er stimmt an drei Tagen pro Woche bis zu zwölf Klaviere – und findet zum Teil Kurioses.
Yasmin Kunz
Freut sich, das «Sauter» wieder auf Vordermann zu bringen: Klavierstimmer Marco Schranz. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmenbrücke, 9. Februar 2018))

Freut sich, das «Sauter» wieder auf Vordermann zu bringen: Klavierstimmer Marco Schranz. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmenbrücke, 9. Februar 2018))

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Er schlägt an: C-E-G. Was in ungeübten Ohren nach einem reinen C-Dur-Akkord tönt, erklingt in Marco Schranz’ Ohren etwas schief. Das Klavier, welches in seiner Werkstatt in Emmenbrücke steht, hat er gekauft, um es wieder herzurichten. Dazu gehört vor allem das Stimmen des Instruments. 230 Saiten. 88 Tasten. Die meisten Tasten bringen drei Saiten zum Schwingen. Um den Klang einer Saite zu isolieren, schiebt der 40-Jährige den grünen Filzbändel zwischen die Saiten. Dann spannt er die Saite, bis der Klang stimmt.

«Ich verlasse mich immer auf mein Gehör, das ist nach 16 Jahren als Klavierstimmer geschult.» Er habe auch ein Stimmgerät, um die Tonhöhe des Kammertones abzunehmen. Klingen die Töne stechend oder flau, sticht Schranz mit einer Nadel in den Filzkopf am Hammer, der wiederum beim Anschlagen der Taste an die Saite schlägt. «Klavierbau ist keine exakte Wissenschaft, sondern eher ein Bäschtele», sagt Schranz zu seiner Aufgabe. Ist die letzte Saite gespannt, steht das Klavier der deutschen Marke Sauter für 2000 Franken zum Verkauf bereit.

In 1930er-Jahren gehörte Klavier zum guten Ton

Dass Schranz ein Klavier kauft, repariert und wieder verkauft, ist eher die Ausnahme. In der Regel ist er als Stimmer und Techniker unterwegs. Dieses Exemplar in seiner Werkstatt ist sozusagen ein Schnäppchen. In der Regel kosten gute, neue Instrumente zwischen 8000 und 180000 Franken, abhängig vom Hersteller und der Art des Instruments. Der Klavierbau erlebte weltweit und auch auf dem Schweizer Markt ab zirka 1880 bis in die 1930er-Jahre die goldenen Zeiten. Musik hatte während dieser Zeit einen hohen Stellenwert, der Fernseher setzte sich erst später durch. Ausserdem war das Klavier in den 30er-Jahren ein Prestigeobjekt. «Es gehörte zum guten Ton, ein solches Instrument in der Stube zu haben.» Nach den Boomjahren nahm die Zahl der Hersteller und der produzierten Instrumente stetig ab. Heute gibt es in der gesamten Schweiz keine Firmen mehr, die Klaviere bauen. Hochwertige Instrumente würden dieser Tage vorwiegend in Deutschland hergestellt.

Der Boom der 30er-Jahre ist also abgeklungen. Heute werden schweizweit über 26 000 elektronische Pianos eingeführt, dazu gut 2000 Klaviere und zirka 300 Flügel. Bangt Marco Schranz um seinen Job? Er verneint. «Klavier ist nach wie vor jenes Instrument, das beispielsweise in der Musikschule am meisten gewählt wird.» Zudem steht noch heute in etlichen Haushalten ein Piano. Auch in der Stube bei Schranz steht ein schwarzer «Grotrian». Er selber spiele nicht mehr oft, aber seine beiden Töchter würden gerne die Tasten anschlagen. Die Tasten sind über exakt eine Oktave mit pinken Post-Its beschriftet – eine Stütze für das jüngere Kind.

Schranz, der mit seiner Partnerin und den drei Kindern in Emmenbrücke lebt, hat im Jahr 2002 die Ausbildung zum Klavierbauer in Egerkingen bei Piano Herzig absolviert. Damals zählte die Klasse sechs Lehrlinge. Das war viel im Gegensatz zum Jahr 2017, als nur ein Lehrling diese vierjährige Ausbildung begann. Das sei allerdings ein einmaliger Ausreisser gewesen, wie Beni Sigrist, Vorsitzender des Schweizer Klavierbauer- und -stimmerverbands, gegenüber unserer Zeitung sagt (siehe Nachgefragt). Normalerweise starten zwischen drei und sechs Jugendliche jährlich eine Lehre als Klavierbauer. Derzeit befinden sich acht Schüler in der Ausbildung.

Marco Schranz habe bis zur Ausbildung keine Affinität zu diesem Instrument gehabt, die seine Berufswahl begründet hätte. Lange liebäugelte er mit einer Schreinerausbildung. «Doch nur Möbelstücke herstellen, erschien mir dann doch etwas öd», sagt er und schmunzelt. Spannender erschien ihm dann die Lehre zum Klavierbauer und -stimmer. Da habe er dann gelernt, auf den 88 Tasten schöne Lieder zu spielen. Klavierunterricht ist ein Teil der Ausbildung.

Vor rund vier Jahren hat sich Schranz selbstständig gemacht. Zuvor arbeitete er bei Musik Hug. Den Schritt zur Selbstständigkeit bereut er nicht. Er habe sich vorwiegend über Zeitungsinserate und seine Homepage einen Kundenstamm aufbauen können. An drei Tagen der Woche stimmt er in diversen Haushalten in der Zentralschweiz Pianos.

Wenn Mäuse und Motten die Arbeit erschweren

An drei Tagen die Woche stimmt Schranz bis zu zwölf Klaviere. Die anderen zwei Tage ist er Hausmann. Zu seinen Kunden gehö­ren mehrheitlich Hobby-Pianisten. «Die müssen in der Regel alle 12 bis 24 Monate den Stimmer kommen lassen.» Vor allem zu Beginn, wenn die Instrumente neu sind oder längere Zeit nicht gestimmt wurden, sei regelmässiges Stimmen wichtig. «Wenn man die Saiten am Anfang im Jahresrhythmus stimmt, verziehen sie sich mit jedem Stimmen weniger. So bleibt die Stimmung länger erhalten.»

Gewöhnlich dauert eine Stimmung ungefähr anderthalb Stunden. Doch es gibt Ausnahmen: etwa dann, wenn der Klavierstimmer Mäuse unter den Tasten entdeckt. Oder dann, wenn Motten die Hämmer zerfressen haben und diese ersetzt werden müssen. Es sei auch einmal vorgekommen, dass Kunden seinem Gehör nicht trauten und nach der Stimmung mit Hilfe eines Stimmgeräts nach Misstönen suchten. Letztlich, so Schranz, sei der Ton auch eine subjektive Wahrnehmung. Erklingen die Töne wieder rein und richtig, freut das den Kunden. Wird dem Stimmer als Dank manchmal auch ein Lied vorgespielt? Schranz: «Oft sind es Kinder, die mir ein Stück vorführen. Erwachsene tun das weniger.»

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