LUZERN: Er will Jodel und Büchel in die Mongolei exportieren

Jodelnde und Alphorn spielende Schweizer: Der mongolische Popstar Bayara bricht dieses Klischee – und verblüffte Luzern mit seinem Jodeltalent.

Yasmin Kunz
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Der mongolische Jodler Bayartsengel Purejavel alias Bayara gestern Nachmittag beim Kurzauftritt zusammen mit Franziska und Hanspeter Wigger im Luzerner Hotel Schweizerhof. (Bild Pius Amrein)

Der mongolische Jodler Bayartsengel Purejavel alias Bayara gestern Nachmittag beim Kurzauftritt zusammen mit Franziska und Hanspeter Wigger im Luzerner Hotel Schweizerhof. (Bild Pius Amrein)

Die Mongolei. Da denkt man an wilde Pferde und endlose Steppen – sicher nicht an Jodel. Das könnte sich aber bald ändern. Bayartsengel Purejavel alias Bayara hat sich in der Mongolei das Jodeln selber beigebracht, und zwar mit Hilfe von Videoclips im Internet. In seiner Heimat ist der aus der Hauptstadt Ulan-Bator stammende Bayara bekannt wegen einer Fernsehsendung – einer Art «Die Mongolei sucht den Superstar». Aufmerksamkeit wurde ihm auch am vergangenen Wochenende am Eidgenössischen Jodlerfest in Davos zuteil. Dort wurde er als «Superstar aus der Mongolei» angekündigt. Der Grund für Bayaras Besuch in der Schweiz: Seit 50 Jahren besteht die (Handels-)Beziehung Schweiz–Mongolei. Karin Niederberger, Zentralpräsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbandes: «Diese Beziehungen sind wichtig für das Schweizer Image.»

Zeigen statt reden

Gestern trat der 25-Jährige im Luzerner Hotel Schweizerhof auf. Grund für dieses kurzfristig anberaumte Kurzkonzert: Beim bekannten Luzerner Volksmusik-Ehepaar Franziska und Hanspeter Wigger (beide 44) aus Büron absolvierte Bayara einen «Einheimisch-Jodel-Crashkurs».

Jodlerin Franziska Wigger, die klassischen und modernen Gesang pflegt, erwartete den mongolischen Gast gestern in ihrem Proberaum. «Wir haben ihn am Jodlerfest gesehen und uns riesig über seinen Besuch gefreut», sagt sie. Sie könne Bayara im Bereich Jodeln jedoch nicht mehr viel beibringen, räumt Wigger ein. «Er beherrscht den Jodel perfekt.» Eines gab sie ihm dennoch mit in die Jodlerkarriere: «Wir zeigen ihm die vielen Facetten des Schweizer Jodels.» Dazu gehöre auch ein «Muotathaler» oder ein «Appenzeller», so die versierte Jodlerin. Zeigen ist das richtige Wort: Erklärungen auf Mongolisch sind auch für das Luzerner Ehepaar ein Ding der Unmöglichkeit. Zwar steht ihnen eine Übersetzerin zur Seite, trotzdem ist die verbale Kommunikation – auch für die Journalistin – eine ziemliche Herausforderung: Auch die Dolmetscherin spricht nicht fliessend deutsch. Nichtsdestotrotz profitiert Bayara viel und erzählt, was ihm besonders gefällt bei den Wiggers: «Ich finde es toll, dass ich typisch schweizerischen Jodel lernen kann», sagt der Sänger. Er habe den traditionellen Jodel «Sennisch» aus dem Appenzell einstudiert, den «Ku-Ku-Jodel» etwas vertieft und andere Varianten kennen gelernt.

Erstmals am Alphorn – mit Erfolg

Hansperter Wigger erklärte dem talentierten Jungjodler das Alphornblasen – mit Händen und Füssen, versteht sich. Doch es funktionierte: «Gerade wegen der sprachlichen Barrieren musste er äusserst genau beobachten», sagt Wigger. Sie hätten es ihm einmal gezeigt, und schon setzte er seine Lippen ans Mundstück des Alphorns und kriegte zum Erstaunen aller Töne raus. Der Mongole zu seinem Alphorndebüt: «Das Alphornblasen ist sehr schwierig», räumt er ein. Ihm habe der Büchel, ein mit dem Alphorn verwandtes, zirka einen Meter langes Instrument, besser gefallen. «Das passt auch besser zu meiner Körpergrösse», witzelt der schätzungsweise 160 Zentimeter grosse Bayara.

Die Beziehung zwischen Jodel und der Mongolei ist im Übrigen gar nicht so exotisch: Kehlkopfgesänge, wie der Jodel einer ist, gehören nämlich zur Mongolei wie Steppe und wilde Pferde. Aussergewöhnlich ist hingegen, dass Bayara Jodel mit Pop und Techno verknüpft. Die Kombination von Musikstilen, das pflegt auch Franziska Wigger: «Ich finde das spannend.» Die Wiggers sind begeistert von Bayaras Musiktalent. «Er hat einen enorm wachen Geist und ist sehr aufnahmefähig», sagt Hanspeter Wigger.

Kindern das Jodeln beibringen

«Mein Ziel ist es, einmal den kleinen Kindern in der Mongolei das Jodeln beizubringen», erklärt Bayara seine Ziele. Bis dahin müsse er aber noch viel üben, so der bescheidene Jodler aus Ulan-Bator.

Gestern bereits reiste er wieder zurück nach Davos. Heute Mittwoch darf er an einem weiteren Jodelkurs teilnehmen. Der interessierte Sänger freut sich sehr, seinen Erfahrungshorizont noch zu erweitern, und kann vielleicht bald ein zweites Album realisieren. 2013 erschien seine erste Jodel-CD.