LUZERN: Erneuter Abgang bei IT-Dienststelle

Noch immer läuft die Untersuchung gegen einen ehemaligen Leiter der Dienststelle Informatik. Und schon wieder muss die Stelle neu besetzt werden.

Alexander von Däniken
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Die Dienststelle Informatik in Littau hat in sieben Jahren bereits sechs Leiter gesehen. (Bild Pius Amrein)

Die Dienststelle Informatik in Littau hat in sieben Jahren bereits sechs Leiter gesehen. (Bild Pius Amrein)

Die Episode ist als Informatikdebakel in die Geschichte eingegangen: Ein früherer Leiter der Dienststelle Informatik des Kantons Luzern soll in seiner Amtszeit von 2009 bis 2011 krasse Verfehlungen begangen haben. Ihm werden Unregelmässigkeiten im Beschaffungs- und Kreditwesen sowie ungetreue Geschäftsführung vorgeworfen (wir berichteten). Externe Anbieter erbrachten in zehn Fällen insgesamt Leistungen von 7 Millionen Franken. Die effektive Schadenssumme ist bis dato unbekannt. Seit Mai 2013 läuft gegen den Mann eine Strafuntersuchung. Und sie läuft noch immer, wie Simon Kopp, Mediensprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, auf Anfrage sagt. Solche Verfahren seien sehr aufwendig, unzählige Kisten an Unterlagen und Dokumente müssen gesichtet werden. Immerhin: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, den Fall noch dieses Jahr abschliessen zu können.

Sechs Leiter innert fünf Jahren

Dennoch: Ruhe dürfte auf der Dienststelle noch länger nicht einkehren. Dafür sorgt zum einen ein erneuter Gerichtsfall (siehe Box). Und: Nach fünf Wechseln innerhalb von fünf Jahren (siehe Tabelle) nimmt nun auch der jetzige Chef seinen Hut. Nach drei Jahren im Amt hat er gekündigt, wie dessen direkter Vorgesetzter, Finanzdirektor Marcel Schwerzmann, auf Anfrage erklärt: «Ich bedaure diesen Entschied sehr, denn er hat in den letzten drei Jahren für die Informatik des Kantons Luzern viel erreicht. Insbesondere hat er wieder viel Ruhe in den Betrieb und das ganze Umfeld gebracht und die Herausforderungen sehr gut gemeistert.»

Angesichts der vielen Wechsel stellt sich die Frage, warum es bei dieser Position hapert. Schwerzmann dazu: «In der Informatikbranche ist die Verweildauer oftmals nicht sehr lange. Gute IT-Leiter geraten immer wieder ins Fadenkreuz von Headhuntern.» Auch der jetzige Leiter sei von einem solchen Vermittler von Führungskräften abgeworben worden. Dennoch wirft der Wechsel Fragen auf: Gibt es noch Altlasten der Vorgänger? Ist die Stelle unattraktiv? «Topleute in der IT-Branche sind gesuchte Personen und daher öfters Abwerbungsversuchen ausgesetzt, was dann in dieser ohnehin schnelllebigen Branche zu häufigeren Rotationen führt. Die Stelle ist sehr anspruchsvoll, das wird aber auch von einer Kaderstelle erwartet», so Schwerzmann.

Aargau zahlt mehr

Der stark im Aargau verwurzelte Kadermann wird in seinem Heimatkanton die gleiche Stelle wie in Luzern antreten. Schwerzmann: «Es ist auch ein offenes Geheimnis, dass der Aargau sein oberstes Führungskader besser entschädigt als der Kanton Luzern.»

Überraschend für ein Topkader ist die Kündigungsfrist von nur drei Monaten. Laut Schwerzmann ist die Frist im Personalgesetz festgehalten. Tatsächlich haben gemäss diesem Gesetz Lehrer eine längere Kündigungsfrist: vier Monate auf Ende eines Semesters, wenn sie unbefristet angestellt sind. Am 26. August hat Schwerzmann die Stelle des Dienststellenleiters ausgeschrieben: «Es sind sehr viele Bewerbungen eingegangen. Die grosse Herausforderung besteht nun darin, das am besten passende Profil herauszusuchen.» Der Stellenantritt ist auf den 1. Dezember angesetzt.