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LUZERN: «Es braucht angriffige Voten»

SVP-Stadtratskandidat Thomas Schärli (36) spielt mit dem Mittel der Provokation. Der Trump-Fan rechnet zwar nicht mit einem Wahlsieg, verspricht sich aber dennoch einiges von seiner Kandidatur.
Stefan Dähler
Thomas Schärli vor dem Littauer «Ochsen».

Thomas Schärli vor dem Littauer «Ochsen».

Thomas Schärli, Sie haben sich früh als Trump-Fan geoutet. Haben Sie mit seinem Sieg gerechnet?

Ja, das amerikanische Volk will einen Wechsel. Gewisse Aussagen von ihm waren nicht die feine Art, aber er ist authentisch.

Es gibt Parallelen zwischen Ihnen und Donald Trump. Sie treten zur Stadtratswahl am 27. November ebenfalls als Aussenseiter an und nehmen auch kein Blatt vor den Mund. Verleiht Trumps Wahlsieg Ihnen nun einen Schub?

Es kann sein, dass einige mehr an die Urne gehen, aber gross ist der Einfluss wohl nicht. Das Resultat zeigt aber, dass Wahlen schwierig vorauszusagen sind. Mein Ziel sind 40 Prozent Wähleranteil.

Sie haben die CVP als Windfahne bezeichnet und die Abschaffung des Luzerner Theaters gefordert. Damit haben Sie möglicherweise die FDP vergrault, die nun Franziska Bitzi (CVP) unterstützt.

Ich will mich nicht verstellen. Es ist nun mal so, dass die CVP regelmässig mit den Linken stimmt. Sie ist für mich kein verlässlicher bürgerlicher Partner. Die FDP war sowieso von Anfang an für Franziska Bitzi.

Im Luzerner Kantonsrat dagegen melden Sie sich seltener zu Wort, reichen wenig Vorstösse ein. Wie wollen Sie sich im Stadtrat Gehör verschaffen?

Ich werde meine Haltung ganz klar vertreten. Dass ich im Kantonsrat wenig spreche, liegt daran, dass ich in der Aufsichts- und Kontrollkommission bin. Wir arbeiten eher im Hintergrund. Zudem will ich keine chancenlosen Vorstösse einreichen. Übrigens ist auch meine Konkurrentin Franziska Bitzi keine fleissige Vorstoss-Schreiberin.

Frau Bitzi hat beruflich einen Finanz-Hintergrund. Was qualifiziert Sie für das Amt als Finanzdirektor?

Ich bin bei Coop als Technischer Kaufmann für 350 Verkaufsstellen in Energie und Technik zuständig. Auch da gibt es Budgets und Millionenbeträge, die man managen muss. Als Familienvater führe ich zudem zu Hause einen ausgeglichenen Finanzhaushalt. Ausserdem muss die Stadtregierung nicht nur aus Leuten bestehen, die einen höheren Bildungsabschluss haben.

Sie gelten als Sparpolitiker. Die Stadt steht finanziell zurzeit gut da. Was würden Sie ändern?

Sicher keine neuen Ausgabenposten schaffen. 10 Prozent der Ausgaben könnte man schnell einsparen. Ich denke neben dem Luzerner Theater auch an die Abschaffung der SIP. Auch die Verwaltung könnte man unter die Lupe nehmen.

Stichwort Luzerner Theater: Wie ernst ist es Ihnen mit dem Vorschlag, dieses wegzusparen?

Der Kantonsrat hat mit seinem Nein zur Salle Modulable und der Kürzung der jährlichen Beiträge an die grossen Kulturbetriebe die Weichen zur Schliessung gestellt. Es macht deshalb keinen Sinn, weiterhin Millionen im Luzerner Theater zu versenken. Das Angebot, etwa im Südpol, könnte man herunterfahren. Die Wirtschaftlichkeit könnte höher sein. Es bräuchte mehr erfolgreiche Aufführungen wie «Rigoletto».

Als Stadtrat könnten Sie im Kantonsrat in Interessen­konflikte geraten. Wie würden Sie damit umgehen?

Ich würde wohl als Kantonsrat zurücktreten. Ich habe beispielsweise das kantonale Sparpaket unterstützt. Als Stadtrat wäre dies schwierig gewesen.

Bei der parteiinternen Vorausscheidung für die Wahlen im Mai wurde Ihre Kandidatur noch als chancenlos betitelt. Steht die Partei jetzt hinter Ihnen?

Ja, ganz klar. Präsident Peter With hilft mir auch beim Wahlkampf. Es ist normal, dass es bei internen Ausmarchungen hart zu und her geht – auch in anderen Parteien. Es braucht nun mal angriffige Voten, um wahrgenommen zu werden.

Besteht nun nicht die Gefahr, dass Sie verheizt werden?

Im Gegenteil. Die Stadtratswahl ist für mich und die SVP eine gute Plattform. Es wird weitere Wahlen geben, dann werde ich bekannter sein. Ich sehe die Kandidatur auch als Schaufenster. Beat Züsli hat es auch nicht im ersten Anlauf geschafft.

Interview: Stefan Dähler

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