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LUZERN: «Es dürften noch einige Hotels zumachen, um Platz zu schaffen»

Dreissig Jahre lang prägte Kurt Imhof die Schweizerische Hotelfachschule Luzern (SHL) – und verhalf ihr zu internationalem Renommee. Seine Nachfolgerin Christa Augsburger verrät, was ein Hotel braucht, um überzeugen zu können.
Schöne Aussichten: Die neue Direktorin Christa Augsburger auf der Terrasse der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern (SHL) mit Blick auf das Luzerner Seebecken und den Pilatus. (Bild Pius Amrein)

Schöne Aussichten: Die neue Direktorin Christa Augsburger auf der Terrasse der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern (SHL) mit Blick auf das Luzerner Seebecken und den Pilatus. (Bild Pius Amrein)

Christa Augsburger entdeckte die Liebe zur Hotellerie dank ihrem Vater. Nach der Matura fand dieser, dass seine Tochter arbeiten gehen solle – wenn sie nicht studieren will. Sie entschied sich, ein Praktikum im Hotel Schweizerhof auf der Lenzerheide zu machen. Und fand dort ihre berufliche Bestimmung.

Was hat Sie damals bewogen, ins Gastgewerbe einzusteigen und das Studium sausen zu lassen?

Christa Augsburger: Im «Schweizerhof» kam ich immer dann zum Einsatz, wenn es ein anderer Mitarbeiter mit dem Aprés- Ski übertrieben hatte – an der Rezeption, im Service oder in der Küche. Die Vielfältigkeit der Arbeit hat mich fasziniert.

Warum haben Sie sich danach für eine Ausbildung an der SHL entschieden?

Augsburger: Ich habe mir auch die Hotelfachschule in Lausanne angeschaut. Vor dem Eingang standen damals ein Porsche und ein Jaguar – sie gehörten nicht den Dozenten, sondern den Studenten. Ich selber war mit dem Bus angereist. Luzern war viel bodenständiger, persönlicher und überschaubarer. Das hat mich überzeugt.

Vor fast 20 Jahren sind Sie dann als Dozentin an die Schule zurückgekehrt und haben unter anderem die HR-Ausbildung umgekrempelt. Warum?

Augsburger: Ein gutes Hotel lebt von gutem Personal, das dem Gast das Gefühl gibt, willkommen zu sein. In der beruflichen Praxis – etwa als Direktorin des Hotels Belvedere in Hergiswil – habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Betriebe teils sehr streng und hierarchisch aufgebaut sind. Bis heute herrscht diesbezüglich Nachholbedarf.

Was reizt Sie heute an der Aufgabe, diese Schule zu leiten?

Augsburger: Ich habe mir gut überlegt, ob ich mich bewerben soll. Ausschlaggebend war für mich der Rückhalt in meiner Familie. Und die Tatsache, dass ich mir nicht gerne dreinreden lasse. Was blieb mir da anderes übrig, als den Job selber zu übernehmen? (lacht)

Wird unter Ihrer Leitung ein anderes Regime in die Schule einziehen?

Augsburger: Unsere Philosophie lautet: «Bilden, begleiten, prägen.» Das ist kein Marketing-Gag, das ist die Kultur an unserer Schule. Wir haben zwar strenge Anforderungen, dafür wissen wir von allen Studenten den Namen und kennen ihre Stärken. Das ist, was sie prägt und sie auch nach dem Abschluss mit der Schule verbindet. Daran halten wir fest.

Also bleibt alles beim Alten?

Augsburger: Heute hat unsere Schule weit über die Landesgrenzen hinaus ein sehr gutes Renommee. Es gibt also keinen Grund, alles auf den Kopf zu stellen. Aber es gilt die Trends von morgen zu erkennen, der bestehenden Hotelbranche voraus zu sein. Ab Sommer werden unsere Studenten deshalb zum Beispiel auch Stehlunches organisieren oder die vegane Küche kennen lernen – eben sämtliche Aspekte der modernen Gastronomie.

Welche Fähigkeiten braucht ein moderner Hotelier?

Augsburger: Auftritt, Benehmen und Sozialkompetenz sind matchentscheidend in unserer Branche. Wir haben deshalb ein Programm entwickelt, das wir «Concierge-Myself» nennen. Es fördert gezielt soziale Fähigkeiten – wie etwa die Teamfähigkeit. Zusammen mit dem Zeugnis erhalten die Studenten nach dem Abschluss ein Persönlichkeitsprofil. Ergänzend zu den fachlichen Leistungen zeigt dieses die nicht direkt messbaren sozialen Stärken der Person. Dieses neue Instrument ist für potenzielle Arbeitgeber spannend. Und wir gehen damit völlig neue Wege.

Vor welchen Herausforderungen steht die Schule heute?

Augsburger: Wir müssen zur Marke SHL Sorge tragen und sie verteidigen. In den letzten Jahren haben in Luzern mehrere private Hotelschulen eröffnet, die für viel Geld teils wenig Ausbildung bieten. Das schadet dem Image der staatlich anerkannten Hotelschulen in der ganzen Schweiz.

Welche Veränderungen kommen auf die Hotelbranche zu?

Augsburger: Die grossen Ketten werden noch grösser. Für kreative, innovative Nischenprodukte gibt es weiter Platz. Aber mittlere Hotels, die gleichzeitig Wellness, Familienferien und Businesssäle anbieten, werden es schwer haben. Es braucht eine schärfere Profilierung, bei der ein Hotel auf eine Karte setzt und dafür darin richtig gut ist. Die Gäste wollen wissen, was sie erwartet und dennoch positiv überrascht werden. Die gleiche Minibar von Romanshorn bis Genf, das reicht nicht mehr. Ich finde, es dürften noch einige Hotels zumachen um Platz zu schaffen für echte Innovationen.

Die Schweizer Hotellerie ächzt unter dem starken Franken. Wie können die Gäste überzeugt werden, hier Ferien zu machen?

Augsburger: Die Schweiz war nie eine Destination für Billigferien. Wenn man über den Preis nicht überzeugen kann, muss man es über die Leistung tun. Es ist der Pioniergeist, ein Luxushotel hoch oben auf dem Bürgenstock zu bauen, der die Schweiz zu einem Tourismusland machte. Wir müssen etwas bieten, was Reisende anderswo nicht finden. Hotels, die immer noch auf den deutschen Touristen warten, der hier zwei Wochen Skiferien macht und diese ein Jahr im Voraus bucht, haben wenig Zukunftschancen.

Wie verbringen Sie selber am liebsten Ihre Ferien?

Augsburger: Ich liebe verschiedene Facetten, vom einfachen Bed & Breakfast über eine Alphütte bis hin zu einem richtig guten Hotel. Ich schaue dabei nicht auf die Sterne, die ein Hotel hat. Sie widerspiegeln die Anforderungen an die Infrastruktur und gewisse Dienstleistungen – aber sie sagen wenig darüber aus, wie aufmerksam die Mitarbeiter sind.

Wenn der Service allen Regeln folgt, die an Ihrer Schule vermittelt werden – geben Sie dann Trinkgeld?

Augsburger: Ich bin ein guter Tipper. Ich habe solche Jobs lange genug gemacht um zu wissen, dass das Trinkgeld ein nicht zu unterschätzender Lohnbeitrag ist. Die Lohnsituation hat sich mit dem Gesamtarbeitsvertrag zwar verbessert – aber die Löhne sind im Vergleich zu anderen Branchen immer noch relativ tief.

Interview Lena Berger

Hinweis

Christa Augsburger (46) ist in Lachen SZ geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Greppen.

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